Es ist seine 20. Festspielsaison. In dieser Zeit hat Daniel Leistner über 50 Stücke auf die Bühne gebracht. Seit dieser Saison steht dem Intendanten der Faust-Festspiele erstmals ein Arbeitskreis zur Seite. Grund dafür waren rückläufige Zuschauerzahlen in der Saison 2012. Wir haben mit Daniel Leistner über die 20. Saison, die Zuschauerzahlen, den Arbeitskreis, aber auch über die neuen Stücke und seine Familie gesprochen.

Herr Leistner, das ist die 20. Saison der Faust-Festspiele und damit auch Ihre 20. Saison. Wie feiern Sie das?
Es ist unsere 20. Saison, aber erst unser 19. Geburtstag. Ich bin da zu sehr Handwerker, als dass ich das feiern würde, bevor der eigentlich runde Geburtstag ansteht. Außerdem feiern wir sowieso immer sehr viel, bei uns geht es sehr familiär zu.

Gibt es denn viel zu feiern, jetzt wo Ihnen ein Arbeitskreis zur Seite gestellt wurde, Sie dadurch nun angeblich Kompetenzen abgeben mussten?
Das ist völliger Blödsinn. Ich mache das, was ich schon immer gemacht habe. Wir sprechen im Arbeitskreis alles an, es herrscht eine kreative Atmosphäre.

Worüber wird denn beispielsweise gesprochen?
Über alles, was die Zukunft betrifft: über das Marketing, die Stückauswahl bis dahin, dass es ein anderes Ticketsystem bräuchte. Aber das sind Dinge, die auf Jahre hin finanziert werden müssen. Im Moment entwickeln sich viele kleine Ideen. So planen wir zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit "Handwerk und Kultur", in deren Programm wird es ein Faust-Festspiel-Angebot geben. Überhaupt soll es mehr Gruppenangebote geben, aber das sind alles Kleinigkeiten, die einen langen Atem brauchen.

Was erhoffen Sie sich denn von dem Arbeitskreis?
Ich erhoffe mir mehr Rückhalt. Wir sind uns alle einig, dass wir die Faust-Festspiele überregional vermarkten müssen. Ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen, den Bekanntheitsgrad der Faust-Festspiele zu erhöhen, wenn wir alle zusammenhelfen, was die Außenwerbung angeht. Mir ist es ein Herzensanliegen, mehr Busreisende zu bekommen, das täte nicht nur uns, sondern auch der Stadt Kronach selbst gut. Dazu braucht es für die Busunternehmen eine Vertrauensperson, an die sie sich wenden können, die als Ansprechpartner da ist.
Und wir sind uns auch einig, dass wir stolz auf die Faust-Festspiele sein können. Ich bin es nach 19 Jahren auf jeden Fall immer noch.

Warum?
Wir arbeiten zu 90 Prozent mit Ehrenamtlichen, deshalb arbeiten wir auch das ganze Jahr über, weil sich keiner wenige Wochen vor den Aufführungen komplett aus allem herausnehmen und nur für die Faust-Festspiele proben kann. Aber durch das Engagement der Ehrenamtlichen gelingt es uns eben, auch mit wenig finanziellen Mitteln ein großes und gut aussehendes Ergebnis zu schaffen. Es ist über 20 Jahre auch nicht möglich, immer ein super Programm zu haben. Aber wir haben, inklusive der Werkbühne, über 50 Stücke auf die Bühne gebracht und es gab nie einen Flop. Und wer kann schon sagen, dass er über 20 Jahre noch immer Freude an seiner Arbeit hat? Ich schon, weil wir eine fröhliche und familiäre Stimmung auf der Festung haben.

Sie haben den Bekanntheitsgrad der Faust-Festspiele angesprochen. Täte ein großer, bekannter Schauspieler den Festspielen in dieser Hinsicht gut?
Sicherlich wäre das marketingtechnisch gut. Aber das ist schwierig, weil so jemand natürlich viel Geld kostet, aber auch wegen unserer familiären Struktur. Immerhin darf man bei uns auch keine Hemmungen haben, sich in einem Raum mit 30 anderen Leuten umzuziehen.

Was haben Sie denn heuer für ein Gefühl, was die Resonanz auf die Faust-Festspiele betrifft?
Der Vorverkauf läuft gut, im normalen Rahmen. Aber ich will nichts beschreien, denn es kommt immer auch drauf an, wie der Sommer verläuft, es sind immer ein paar Unwegsamkeiten drin.
Ich habe aber von ein paar Statisten gehört, dass sie das Gefühl haben, dass wir heuer etwas Besonderes machen.

Zum Beispiel beginnen Sie nicht, wie sonst, die Faust-Festspiele mit der Komödie, sondern mit der Tragödie. Bewusst?
Ja, weil Romeo und Julia ein so bekanntes Stück ist. Übrigens reagieren die bereits akquirierten Busunternehmen auch eher auf bekannte Stücke.

Warum haben Sie sich für Romeo und Julia entschieden?
Weil es erstens alle kennen und es zweitens super spannend ist. Außerdem gibt es bei der Aufführung, bei der Heidemarie Wellmann übrigens Regie führt, Action, Liebesszenen, aber auch lustige Figuren. Und es gibt einen besonderen Schluss.

Bei der Komödie "Floh im Ohr" führen Sie Regie. Was ist das für ein Stück?
Der "Floh im Ohr" ist sehr berühmt in Frankreich, dort kennt ihn jeder, aber er wird auch in Deutschland immer wieder gespielt, hält sich seit dem Jahr 1850. Ich spiele ihn, weil es ein sehr turbulentes, fröhliches, schnelles Stück ist. Jede Figur ist lustig und sympathisch. Wer sich also amüsieren will, kommt hier auf seine Kosten.

Was werden Sie in der nächsten Saison, im Jubiläumsjahr, denn spielen?
Ich habe eine lange Liste von Stücken, die ich noch spielen möchte und die auch bereits stehen. Ich halte beispielsweise auch daran fest, zu runden Geburtstagen von Autoren deren Stücke zu spielen. Im nächsten Jahr hätte Eugène Labiche Geburtstag. Deshalb möchte ich eine nette, fröhliche Boulevardkomödie von ihm spielen: Der Florentiner Hut. Und wegen des 20. Jubiläums möchte ich etwas spielen, was wir schon mal gespielt haben, aber neu inszeniert: den zerbrochenen Krug.
Außerdem wollen wir im Jubiläumsjahr von Lucas Cranach den Faust stärker pushen, weil der historische Faust ein Zeitgenosse Lucas Cranachs ist. Deshalb haben wir auch 1995 mit dem Faust angefangen.

Wird Faust dann dazu auch neu inszeniert?
Nein, zu Faust kommen Leute von außerhalb, weniger die Kronacher, weil die meisten ihn ja schon kennen. Wir spielen ihn pro Saison dreimal mit jeweils 300 bis 400 Zuschauern. Das ist nach 20 Jahren auch noch eine recht gute Zahl.

Werden Sie die Festspiele auch noch 20 weitere Jahre inszenieren?
Ich will das nochmal 20 Jahre machen, ja. Man müsste mich schon rausschmeißen, denn ich bin glücklich und zufrieden mit den Faust-Festspielen.