Nachrichten, Lebensweisheiten, Geschichten - all dies wurde über Jahrhunderte mündlich von Mensch zu Mensch weitergegeben. Heute stürmt täglich eine mediale Flut von Informationen auf uns ein, sei es übers Fernsehen, Radio, Internet oder Handy, derer wir uns kaum entziehen können. Wäre es da nicht schön, einmal in Ruhe und bewusst, in die Welt berührender Geschichten einzutauchen? Fünf Erzählerinnen und Erzähler werden in Kronach die Zuhörer in faszinierende Welten mitnehmen. Jeder und jede auf eine ganz eigene Art. Sie führen in die faszinierende Welt der Geschichten. Mal heiter bis wolkig, mal verträumt wehmütig, mal mitten aus dem Leben.


Erzählerische Mündlichkeit

Viele erinnern sich noch an ihre Kindheit, wenn ihnen dort jemand Geschichten erzählte oder zumindest vorlas. Spannende Begegnungen mit anderen Welten fanden statt.
Die erzählerischen Traditionslinien der Vergangenheit seien unwiederbringlich verloren, bedauert die "Stiftung Erzählen". Umso wichtiger sei es heute das freie, mündliche Erzählen von Lebens-Geschichten zu stärken, Erzähler zu fördern und auszubilden. Erzählveranstaltungen erfreuen sich zunehmenden Zulaufs. Dies spiegelt die Sehnsucht vieler Menschen nach erzählerischer Mündlichkeit und nach Geschichten aller Art wider.
Die Kronacherin Ilona Graf suchte nach neuen Wegen, sich neben ihrem Beruf als Steuerfa changestellte persönlich weiterzuentwickeln. Sie ist im Kirchenvorstand der evangelischen Pfarrgemeinde Kronach aktiv. Schließlich entdeckte sie das freie Erzählen und stieß auf die Goldmund-Akademie. An sieben verlängerten Wochenenden über ein Jahr hinweg bildete sie sich zur zertifizierten Erzählerin. Erst in kleinem Kreis, inzwischen auch schon bei etlichen weiter entfernt stattgefundenen Erzählabenden sammelte sie Erfahrungen als freie Erzählerin.
Hauptsächlich sollten es keine nichtssagenden Geschichten sein, unterstreicht Ilona Graf. Jeder solle etwas mitnehmen. Aber nicht immer müsse eine Geschichte einen tieferen Sinn haben. So könne auch einmal etwas erzählt werden, dass einfach nur lustig ist oder eine Geschichte könne einfach nur ernst sein. Viele Märchen und Geschichten tragen die Wahrheiten und Weisheiten in sich, welche die Menschen für sich erkannt haben.
Eva-Maria Dannbacher-Frei (Oedheim) erinnert sich, dass sie vor ein paar Jahren bei einem Märchenabend besonders fasziniert von einer Frau war, die eine Indianergeschichte erzählte. Sie hätte sie auf der Straße gewiss übersehen, doch sobald sie auf der Bühne stand, übte sie eine so große Faszination aus, zog sie so in ihren in den Bann, dass sie dachte: "Das würde ich auch gerne können". Zur gleichen Zeit erzählte sie ihrer Enkelin immer häufiger Gute-Nacht- Geschichten und erlebte, wie aufmerksam und gebannt diese war, weitaus mehr als beim Vorlesen.


Die Oma las vor

Literaturdozent und Geschichtenerzähler Peter August Kessler (München) war schon als Kind von Geschichten im Sauerland umgeben. Das Haus seiner Großmutter sah aus wie ein verwunschenes Schloss, hier im Turm saß seine Tante Mia im Sessel und erzählte Geschichten aus alten Zeiten, Familiengeschichten, Kriegsgeschichten, Geheimnisse aus einer anderen Epoche. Dann kamen die Erzählstimmen aus den Büchern. Fünf Jahre alt war er, als er eine Gruselgeschichte erfand: Ein Wassergeist hauste tief unten in der Toilettenschüssel und nur durch rotes Licht vermochte man ihn zu bannen. Das hatte dazu geführt, dass seine Sandkastenfreunde ihr Badezimmer mieden und ihre Eltern baten, dringend eine rote Lampe zu kaufen.
Jutta Gromes (Schäftersheim) liebte schon immer Geschichten und löcherte ihre Mutter, ihr eigene Geschichten zu erzählen. Ihre Oma las dann jeden Abend aus einem großen Märchen- und Sagenbuch vor und lehrte sie das Zuhören. Später als Erwachsene fing sie als Schlossführerin im Schloss Weikersheim selbst an zu erzählen. Sonderpädagogin Ulrike Hoppe-Heim (München) ist es wichtig, Leselust zu wecken. Schon aufgrund ihres Berufes. Für sie gehört die Lust zum Erzählen dazu. Musiker Thomas Fleischmann begleitet den Abend mit seiner Gitarre.
"Die Geschichten können erst lebendig werden in der Begegnung mit einem Gegenüber" erklärt Ilona Graf. "Deshalb freuen wir uns auf die Besucher und einen unterhaltsamen kurzweiligen Erzählabend." "Eine Reise in die Welt der Geschichten" bieten fünf Erzähler am Samstag, 19. November, ab 19.30 Uhr im neuen evangelischen Gemeindehaus in Kronach. Der Eintritt ist frei, Spenden für das neue evangelische Gemeindehaus sind aber erbeten. Zur besseren Vorplanung sind Reservierungen (Tel: 09261/ 3591 oder E-Mail: Erzaehler-Kronach@hotmail.com) erwünscht.