Fast 15.000 Menschen suchten Schutz in Notunterkünften. "Jetzt ist nicht die Zeit, mutig zu sein", sagte Minister McKenzie. "Wettet nicht gegen Melissa, das ist eine Wette, die wir nicht gewinnen können".
Die Streitkräfte riefen neben den regulären Soldaten auch Reservisten zum Dienst ein, um bei Rettungsarbeiten zu helfen, wie die Zeitung "The Gleaner" berichtete. "Unsere Truppen, einschließlich der Reserve, werden vor Ort sein, um Hilfsmaßnahmen zu unterstützen, Gemeinden zu schützen und wichtige Versorgungsleistungen so schnell wie möglich wiederherzustellen", sagte der amtierende Militärchef O'Neil Bogle.
Die Vereinten Nationen koordinieren den Transport von Hilfsgütern über See von Barbados aus, da die Flughäfen zunächst geschlossen bleiben. "Ein Lufttransport von rund 2.000 Hilfspaketen ist ebenfalls geplant, sobald die Flughäfen wieder geöffnet sind und die Wetterbedingungen Flüge zulassen", teilten die UN mit.
Kuba bereitet sich auf "volle Wucht" des Hurrikans vor
Während der Hurrikan auf Jamaika wütete, bereitete sich auch Kuba auf den Wirbelsturm vor. Der Hurrikan werde "mit voller Wucht" bereits in der Nacht oder am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) auf Land treffen, sagte Präsident Miguel Díaz-Canel. Das US-Hurrikanzentrum warnte vor massiven Niederschlägen, zerstörerischen Windböen und einer stellenweise bis zu vier Meter hohen Sturmflut. Wegen des starken Regens sei mit "lebensgefährlichen und möglicherweise katastrophalen Überschwemmungen und zahlreichen Erdrutschen zu rechnen". Am Mittwochabend (Ortszeit) soll "Melissa" schließlich in Richtung der Bahamas weiterziehen.
Tropische Wirbelstürme entstehen über warmem Ozeanwasser. Die zunehmende Erderwärmung erhöht Experten zufolge die Wahrscheinlichkeit starker Stürme. Die Hurrikansaison beginnt im Atlantik am 1. Juni und dauert bis zum 30. November.
Wie der Leiter des jamaikanischen Wetterdienstes, Evan Thompson, sagte, werden die Wetterbedingungen noch in den nächsten Tagen schlecht sein, auch nachdem sich das Zentrum des Hurrikans von Jamaika entfernt haben wird.
Bereits vor dem Erreichen Jamaikas gab es aufgrund von "Melissa" Todesfälle: In Haiti und der Dominikanischen Republik kamen nach heftigen Regenfällen mindestens vier Menschen ums Leben. In Jamaika wurden bei den Vorbereitungen auf den Sturm nach Angaben des Gesundheitsministeriums drei Menschen beim Fällen von Bäumen getötet.
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