Nach dem Flugverbot wegen der Corona-Pandemie ist ein türkisches Ehepaar in Pressig gestrandet. An den mehrwöchigen Zwangsurlaub werden die Eheleute vom Bosporus wohl noch lange zurückdenken. Eigentlich waren nur einige Tage in Österreich geplant, um die Geburt des Enkelkindes zu erleben. Doch erst nach insgesamt 15 Wochen, durften sie zurück in ihre Heimat bei Istanbul.

Telli und Yusuf Dag bekamen die Wucht der Nachteile der Reisebeschränkungen durch das Coronavirus voll zu spüren. Nach dem Aufenthalt in Österreich konnten sie nicht mehr in ihre Heimat Türkei zurückreisen. Gott sei Dank gab es da in der Bekanntschaft das deutsche Gastronomen-Ehepaar Zeynep und Hasan Dag in Pressig, die unserer Zeitung von dieser kuriosen Geschichte berichteten.

Am 22. Februar dieses Jahres reisten Telli und Yusuf Dag mit Genehmigung eines Schengen- Visa mit dem Flugzeug von Istanbul nach München. Von der bayerischen Landeshauptstadt aus ging die Reise nach Tirol, um bei der Geburt ihrer Enkelin Sophie Hayat dabei sein zu können. Bis dahin hatte alles wunderbar funktioniert, am 24. Februar erblickte ihr zweites Enkelkind das Licht der Welt. Doch dann wurde Österreich vom Coronavirus heimgesucht und es herrschte eine Ausreisesperre, weshalb sie nun zwangsweise in Österreich bleiben mussten. Es waren eigentlich nur einige Tage Aufenthalt bis nach der Geburt geplant, denn zuhause wartete ja die weitere Familie. Erst ab 15. Mai durften sie nach Deutschland zurück.

Und nun kam die hilfreiche Familie Zeynep und Hasan Dag ins Spiel. Denn auch in Deutschland war eine Verlängerung des Visums erforderlich. Hasan Dag ist der Ausländerbehörde am Landratsamt Kronach für die gute Beratung und schnelle Bearbeitung sehr dankbar. Das Visum wurde verlängert, allerdings mussten die Pressiger Dags eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass sie für Unterkunft, Verpflegung und Versicherung für die Gastfamilie aus der Türkei Sorge tragen werden. Gesagt getan. Nach mehrwöchigem Aufenthalt in Pressig ist es nun möglich den Rückflug anzutreten.

Der Abflug aus München erfolgte am Donnerstag. Die Gastgeber, Zeynep und Hasan Dag brachten ihre Gäste zum Flughafen nach München und die Reise nach Istanbul konnte angetreten werden. Das Ehepaar wohnt circa 100 Kilometer östlich von Istanbul. Allerdings muss man sich nun in der Türkei einer 14-tägigen Hausquarantäne unterziehen.

"In Deutschland und besonders in Pressig war es sehr schön, es ist eine sehr schöne Landschaft und wir erlebten unter diesen Umständen dank der Familie Dag in Pressig einen sehr angenehmen Aufenthalt", betonten Telli und Yusuf Dag.

Durch verwandtschaftliche Beziehung kannte man sich schon aus der Türkei. Zeynep stammt nämlich aus Istanbul und Hasan Dag ist alevitischer Kurde, beide erlangten 1999, also vor 21 Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit und betreiben seit über 25 Jahren in Pressig einen Imbiss und seit 2006 zusätzlich eine Gaststätte in der ehemaligen Gaststätte Franken-Bräu. Das schöne Gebäude im Ortskern von Pressig ist mittlerweile ihr Eigentum.

Sie sind sehr glücklich, dass ihre Hilfsaktion so gut ausgegangen ist und dass vor allem das Landratsamt in Kronach zur glücklichen Rückkehr des türkischen Ehepaars nach ihrem Zwangsaufenthalt in Österreich ein Happy End gefunden hat.