Eine Strafkammer des Landgerichts verurteilte einen Arbeitslosen (38) aus dem Landkreis Fulda wegen Urkundenfälschung und Betrugs in 531 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Den Namen seines Komplizen, den niemand gesehen hat, nannte der ehemalige Gastwirt angeblich aus Angst vor Repressalien nicht. Er wisse auch nicht, was mit dem Geld geschehen ist, da der Kollege, der das Sagen hatte, erst nach Abschluss der Aktion "halbe-halbe" machen wollte.

Als Werbung für ihren Online-Shop hatten die Betrüger sich ein "Gütesiegel" gekauft und um im Internet gute Beurteilungen zu erhalten, die ersten 40 Bestellungen auch zügig ausgeliefert. Danach bekamen die Kunden trotz Überweisung des Kaufbetrages keine Ware mehr.

Bevor der Angeklagte, als sich die Beschwerden telefonisch und per E-Mail häuften, nach Griechenland absetzte, hatte er im Büro alle Spuren verwischt. Die Kripo konnte weder an der Klo-Brille noch am Briefkasten oder einem Fenstergriff einen Fingerabdruck sicherstellen. Der Hausmeister der Wohnanlage erinnerte sich genau, dass er den Mieter zuletzt bei Putzarbeiten, mit Haushalts-Handschuhen, Sprühflasche und Lappen gesehen hat. Auf die Spur des Angeklagten führte erst Monate später im Januar 2013 ein Fahndungsfoto in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst".

Gestohlener Pass

Die schleppende Behandlung seines Hartz-IV-Antrages sei der Grund dafür gewesen, so der Angeklagte, dass er auf das Angebot eines Bekannten einging, mit einem italienischen Pass zu "Roberto Manzo" wurde und mit dessen Personalien in Würzburg den Internet-Shop angemeldet, Bankkonten eröffnet und ein Büro gemietet hat.
In den vom Besitzer als gestohlen gemeldeten echten Pass war ein Foto des Angeklagten eingearbeitet, eine Differenz von plus elf Zentimetern bei der Körpergröße ist nirgends aufgefallen.

Als er sich entschloss, bei dem Internet-Betrug mitzumachen, habe seine Familie hungern müssen, behauptete der Angeklagte, weil man kein Geld hatte, um Lebensmittel einzukaufen. Das könne nicht ganz stimmen, so das Gericht, denn mit Geld der Handy-Käufer habe der Angeklagte dann zunächst einmal Goldbarren bei der Bank gekauft.

Nur Befehlsempfänger?

Angeblich, so der ehemalige Gastwirt, sei er nur Befehlsempfänger gewesen. So habe er jeden zweiten Tag die Geschäftskonten mit dem Geld der Kunden abgeräumt, das Geld in einen Rucksack gesteckt und am Bahnhof in Fulda mit seinem Boss den Rucksack getauscht. Pro Gang zur Bank in Würzburg habe er 500 bis 1000 Euro behalten dürfen. Die Ermittler vermuten den unbekannten Boss im familiären Umfeld. Denn gegen die Ehefrau des Angeklagten lief bereits ebenfalls wegen Handy-Geschäften im Internet ein Ermittlungsverfahren und ein Bekannter des Angeklagten, der vorübergehend bei ihm wohnte, ist wegen Internet- Betrügereien zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

Nicht auszuschließen sei aber auch, so ein Prozessbeteiligter, dass es den "zweiten Mann" überhaupt nicht gab.