Eine Freiheitsstrafe von höchstens neun Jahren und sechs Monaten hat eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg einem Angeklagten aus Kitzingen für den Fall angeboten, dass er fünf Einkaufs-Fahrten zu einem Haschisch-Lieferanten nach Frankfurt und mindestens 21 Kilo Haschisch Nachschub für die Drogenszene im Großraum Kitzingen gesteht.

Bei dem Angebot konnte der 26-Jährige, für den der Staatsanwalt eigentlich eine zweistellige Strafe "angedacht" hatte, schlecht nein sagen. Nach wochenlangem Schweigen im Prozess hat er, ohne in Details zu gehen, zugegeben, dass die Anklageschrift insoweit stimmt.

Von einem jungen Mann aus der Kitzinger Drogenszene ließ sich der rumänische Staatsangehörige zum Haschisch-Einkaufen nach Frankfurt fahren und hat dort auf einem Parkplatz, ausgerechnet hinter dem Justizgebäude, die Geschäfte abgewickelt, in der Größenordnung von mindestens 21 Kilogramm. Die Polizei ist bei ihren Ermittlungen von über zwei Zentnern ausgegangen.

Jedes Mal wurde es mehr

Ohne seinen Auftraggeber, aber mit Haschisch im Kofferraum, ist der 21-Jährige dann nach Kitzingen zurückgefahren. Von Fahrt zu Fahrt habe sich die Haschischmenge gesteigert, so der Kurier-Fahrer: Beginnend mit einem Kilo und bei der letzten Fahrt seien es zehn Kilo gewesen. Ihm sei zwar gesagt worden, dass ihn die Reisetaschen im Kofferraum nichts angehen, aber aus Neugierde habe er auf der Fahrt von Frankfurt nach Würzburg immer mal angehalten und nachgeschaut: Anfangs habe das Haschisch die Form von Zigaretten- Stangen gehabt, später die von Würfeln.

Der Prozess läuft seit Anfang Januar und bisher sah es so aus, als habe der Angeklagte gegenüber dem Staatsanwalt die besseren Karten: Er schwieg, einige Zeugen waren bereits "umgefallen" und konnten oder wollten sich an belastende Aussagen bei früheren Vernehmungen nicht mehr erinnern. Mit Spannung war daher die Vernehmung des bereits rechtskräftig zu sechs Jahren und acht Monaten verurteilten Kuriers erwartet worden, der zur Zeit in einer Klinik "auf Therapie ist".

Polizisten im Zuschauerraum

Es kann kein Zufall gewesen sein, dass an dem Verhandlungstag eine Klasse Polizeischüler und einige Uniformierte die meisten Plätze im Sitzungssaal belegten, vermutlich, um Zwischenfälle aus dem Zuhörerraum und eine "Beeinflussung" des Zeugen auszuschließen. Der, selbst lange Zeit Drogenkonsument und Klein-Dealer, nach eigenen Angaben nur ganz selten "nüchtern", brachte zwar manches durcheinander, blieb aber dabei, dass er den Angeklagten fünf Mal zum Einkaufen nach Frankfurt gefahren hatte, im Frühjahr und Sommer 2011. Das stimme "zu hunderttausend Prozent". Da habe ihm der Angeklagte mal ein Geldbündel gezeigt und gefragt, wie viel das sein könnte. 5000 habe er, so der Zeuge geschätzt. Sein Auftraggeber habe gelacht und gesagt, dass es 25.000 Euro sind.

Meist habe der Angeklagte in Frankfurt mit einem Marokkaner-Typ verhandelt, der dann den Stoff in den Kofferraum stellte. Einmal habe eine Frau mit "kack-braunem" Oma-Fahrrad das Geschäft abgewickelt, er vermute, dass die auch aus Marokko stammte oder vielleicht wie der Angeklagte aus Rumänien. Zur eigenen Sicherheit, für den Fall einer Kontrolle auf der Autobahn, ist der Angeklagte nicht mit seinem Kurier nach Kitzingen zurückgefahren: Das eingekaufte Haschisch ließ er sich von dem nach Rückkehr in Kitzingen in seine Wohnung bringen.

Für jede Fahrt sind 500 Euro von den Schulden gestrichen worden, die er bei dem Angeklagten aus Drogenkäufen hatte, so der Angeklagte. Außerdem habe er eine Platte Haschisch gratis bekommen. Die vom Gericht in Aussicht gestellte Freiheitsstrafe von knapp unter zehn Jahren - Staatsanwalt und Verteidiger hatten dem Prozess beschleunigenden "Deal" zugestimmt - möchte der Angeklagte allerdings nicht im Knast verbringen. Zur Tatzeit sei er, so der Angeklagte ergänzend zu seinem Geständnis, in erheblichem Umfang drogenabhängig gewesen. Er nannte fünf junge Männer, die während des Prozesses bisher meist als Zuhörer im Sitzungssaal waren, als Zeugen dafür, dass das stimmt.

"Seit meinem elften oder zwölften Lebensjahr habe ich zunehmend und quer durch das Angebot Betäubungsmittel konsumiert", sagte der Angeklagte. Das würde, Richtigkeit vorausgesetzt, Unterbringung zur Therapie in einem psychiatrischen Krankenhaus bedeuten und unter Berücksichtigung der bereits über ein Jahr dauernden Untersuchungshaft die erheblich frühere Rückkehr in die Freiheit. Mit einem psychiatrischen Gutachten und der Vernehmung von Bekannten des Angeklagten wird der Prozess am 11. März fortgesetzt.