Heizung und Licht sind angeschaltet, der Altar ist geschmückt, die Kerzen brennen. Auf großen Holztafeln an den Wänden links und rechts vom Altarraum sind die Liednummern angeschlagen. Wenn ein Gottesdienst startet, waren im Hintergrund schon fleißige Hände am Werk. In den meisten evangelischen Gemeinden sind die Mesner für diese Dienste verantwortlich. Doch nach Mitteilung der Evangelischen Kirche in Bayern wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die diese Aufgabe übernehmen. Wir haben bei drei evangelischen Gemeinden nachgefragt - und jede hat für sich eine andere Lösung gefunden.

Martha und Helmut Link sind seit zehn Jahren Mesner in Hellmitzheim. Der Posten war lange unbesetzt. Bis die Frau des damaligen Pfarrers Klaus Schrader die Links bat, ihn zu übernehmen. Sie hatte eine Liste dabei mit den Aufgaben, die für einen Mesner anstehen.
"Frau Schrader ist nicht eher aufgestanden, bis wir ja gesagt hatten", erinnert sich der inzwischen 74-jährige Helmut Link lachend.

Die Liste der Aufgaben ist lang

Die Liste hat seine Frau noch heute. Blumenschmuck steht da als allererster Punkt. Die 73-Jährige nimmt dazu im Frühjahr Zweige der Büsche rund um die Kirche, im Sommer Blumen aus ihrem eigenen Garten. Dann geht's weiter: Paramente wechseln, an Pfingsten Birken aufstellen, Abendmahl vorbereiten, auf das Glockengeläut achten und vieles, vieles mehr. Auch das Aufschließen der Kirche, das Anschalten der Heizung, das Reinigen der Hostienschalen und sogar der Räumdienst im Winter gehören dazu. Und natürlich muss ein Mesner Ansprechpartner für den Pfarrer sein.

Jeden zweiten Sonntag gibt es in Hellmitzheim einen Gottesdienst. Dazu kommen Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten. Mesner müssen viel Zeit investieren.Da läppern sich schnell einige Stunden zusammen, Helmut Link rechnet da lieber keinen Stundenlohn aus. Aber dem Ehepaar geht es nicht ums Geld, beide waren schon vor ihrem Mesner-Einsatz der Kirche eng verbunden. "In Urlaub zu fahren, ist ganz schön schwierig", gibt Martha Link zu. Wenn es doch mal fort geht, nimmt das Paar Rücksicht auf die kirchlichen Termine, sucht für den Notfall eine Vertretung.

Der Mesner muss fast immer da sein

Dass die Menschen immer mehr unterwegs sind, ist nach Ansicht von Pfarrer Jan Peter Hanstein einer von mehreren Gründen, die es schwierig machen, Mesner zu finden. Seine Kirchengemeinde in Rödelsee hat seit Juni 2012 keinen richtigen Mesner mehr. Zwölf Jahre lang hatte Werner Müller das Amt inne. Berufliche Gründe, aber auch verstärktes Engagement in der Kirche waren der Grund für ihn, es abzugeben.

Schon im Januar 2012, als Müllers Ausscheiden absehbar war, machte der Pfarrer auf der Homepage der Kirchengemeinde darauf aufmerksam, dass ein Nachfolger gesucht wird. Im Bericht über die Verabschiedung Müllers im Juni tat er dies erneut. Ende des Jahres bot Hanstein dann eine Mesner- und Lektorenschulung in Rödelsee an. Doch ein Nachfolger ist bis heute nicht gefunden.

Es gebe kaum mehr Menschen, die garantieren könnten, dass sie bis auf fünf Urlaubswochen alle Wochenenden Dienst tun können und auch an den Feiertagen immer da sind, sagt Hanstein. "Kaum jemand hat noch diese Ortsstabilität." Mit einem Beruf ist das Amt nicht leicht zu vereinbaren, schließlich wird der Mesner auch unter der Woche mal nachmittags gebraucht. Doch auch Rentner oder Frührentner seien heutzutage viel unterwegs oder besuchen an den Wochenenden Familienmitglieder. Dass man als Mesner etwas dazuverdienen könne, wüssten die wenigsten. Zudem spielt der Zeitpunkt eine Rolle: Eine Tätigkeit ausgerechnet am Sonntagmorgen komme für viele Menschen nicht in Frage. Dass die schwindende Bereitschaft für den Dienst mit zurückgehendem Interesse an der Kirche an sich zu tun hat, glaubt der Rödelseer Pfarrer nicht: "Das ist ein Stammtischgerücht." Schaue man sich Eintritts- und Austrittszahlen an, sei die Kirche bemerkenswert stabil.

Team-Mitglieder wechseln sich ab


Viele Gemeinden organisieren den Dienst inzwischen über Mesnerteams, in denen sich drei oder vier Leute abwechseln. Diese Aufgabe zwangsweise an die Kirchenvorsteher zu delegieren, hält Jan Peter Hanstein für die falsche Lösung: "Dann wird es noch schwieriger, Kirchenvorsteher zu finden." Auch in Rödelsee ist jetzt ein solches Team ehrenamtlich im Einsatz, unterstützt wird es von den Konfirmanden, die einen Teil der Aufgaben übernehmen.

Die Konfirmanden übernehmen Verantwortung

In Schernau liegt das Mesneramt dagegen ganz in den Händen der Konfirmanden und Präparanden. Sie machen ein Jahr Dienst - von Neujahr bis Silvester, erzählt Pfarrer Ulrich Vogel. Sind es nicht genügend Jugendliche, kommen noch jüngere dazu. Zwei Teams mit je drei Jugendlichen werden gebraucht, damit alles rund läuft. Eingeteilt werden die "Läutkinder" vom Kirchenvorstand.

Die 12- bis 14-Jährigen sind die ersten, die vor dem Gottesdienst in die Kirche kommen und die letzten, die sie hinterher verlassen. Ihre Verantwortung ist groß. Das reicht vom Kehren der Treppe und des Vorplatzes über das Schneeräumen, das Vorläuten und das Regulieren der Heizung bis zum Richten des Mikrophons. Während des Gottsdienstes sind sie dafür zuständig, dass die richtigen Glocken zum richtigen Zeitpunkt ertönen, zum Beispiel beim Vater-Unser. 15 Sekunden vergehen zwischen dem Drücken des Knopfes am Läutpult und dem Anschlagen der Glocken - da müssen die Kinder schon ganz genau auf darauf achten, bei welchem Wort des Pfarrers sie einsetzen müssen. Nach Ende des Gottesdienstes wird alles zurückgebaut - Mikrophon aufladen, mit dem Kirchenvorstand die Einlagen zählen, Licht aus, Sakristei schließen. "Von 8 bis 10.45 Uhr sind die Jugendlichen da schon im Einsatz", sagt Pfarrer Vogel. Und neben dem Sonntagsgottesdienst gibt es ja auch noch die Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten.

Die Gemeinde würdigt den Einsatz

"Die Jugendlichen sind richtig eingespannt", so Vogel. "Der Aufwand ist ziemlich groß und eigentlich kriegen sie ja nichts dafür." Eigentlich, sagt der Pfarrer, weil die Kirche den Jugendlichen nichts bezahlt. An Neujahrsmorgen aber ist es Tradition, dass sie von Haus zu Haus ziehen und nach dem Lohn für ihren Jahresdienst fragen. Vogel freut sich, dass die Gemeindemitglieder den Einsatz der Konfirmanden würdigen: "Die Kinder gehen da mit mindestens 100 Euro raus."

Da nicht nur die Jugendlichen aus Schernau, sondern auch aus einigen umliegenden Orten zur Gemeinde gehören, sind auch die Eltern gefordert. Wer in Brück wohnt, muss schließlich rechtzeitig nach Schernau zur Kirche gebracht werden - auch mal unter der Woche. "Da hängt die ganze Familie mit dran." Das mag nicht immer einfach sein, aber weil die Tradition der Läutkinder sehr stark ist, machen alle mit. Vogel: "Das ist verpflichtend, da kann sich keiner rausmogeln."


Zahlen


Nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes gibt es in Bayern rund 4200 angestellte Mesner, vollbeschäftigt sind davon allerdings nur 150. Rund 1000 Mesner arbeiten komplett ehrenamtlich.