von unserem Mitarbeiter Franz Barthel

Würzburg/Kitzingen — Damit hatte ein 44 Jahre alter gelernter Automechaniker aus dem Landkreis Kitzingen schon gerechnet: Nach drei "kleineren", vom Amtsgericht Kitzingen verhängten Vorstrafen, hat gestern eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg "zugeschlagen" und ihn wegen einer Serie von Einbrüchen, Diebstählen und kleinen Rauschgiftgeschäften zu Strafen von zwei Jahren und acht Monaten und drei Jahren und zwei Monaten verurteilt.
Die Strafe musste gesplittet werden, weil ein Teil der angeklagten Straftaten vor der letzten Verurteilung durch das Amtsgericht Kitzingen verübt wurde und ein Teil danach, als der Angeklagte schon unter Bewährung stand.
Dafür, dass er eine richtige Serie von Straftaten im Stadtgebiet Kitzingen hinlegte, hat der Angeklagte zwei Erklärungen angeboten: Er benötigte ständig Geld für seinen täglichen hohen Amphetamin-Konsum und eine gewisse Mitschuld gab er seinem Hund: Beim regelmäßigen Gassi gehen durch Kitzingen, vor allem bei Nacht, entdeckte er fast automatisch eine Gelegenheit, was "mit zu nehmen".
Häufig waren es zum Teil teure Fahrräder, über Schlösser konnte er nur schmunzeln. Aber ohne Hund ist der Mann auch wiederholt zum Einbrecher geworden, auf teures Werkzeug aus Renovierungs-Immobilien spezialisiert, das sich gut und schnell zu Geld machen ließ.
Über die Drogenkarriere des Angeklagten hatte eine Gutachterin berichtet: Im Alter von 12 oder 13 mit dem Alkohol begonnen, ab 15 illegale Drogen konsumiert, Cannabis, bald schon synthetische Drogen, Heroin nie, Kokain gelegentlich, Amphetaminbedarf zum Schluss: fünf Gramm am Tag. Daher folgte das Gericht ihrer Empfehlung, den abhängigen Angeklagten zu einer Therapie in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen, für voraussichtlich zwei Jahre, da es bei den angeklagten Straftaten eigentlich immer darin ging, Geld für den Drogenkauf beizubringen.
Nach einem Einbruch in das Jugendcafe in der Schrannenstraße war dem Angeklagten auf der Flucht zu Fuß die dort erbeutete Kaffeemaschine schnell zu schwer geworden. Daher hat er die vermutlich aus Spenden finanzierte 1000 Euro teure Kaffeemaschine einfach in den Main geworfen. Und einen Aktenkoffer warf er in die Büsche, weil er dafür keine Verwendung hatte.
Eigentlich sollte gestern Nachmittag noch der Mann als Zeuge gehört werden, der in einer Kitzinger Spielothek über 3500 Euro als Gewinn ausbezahlt bekam und dem der Angeklagte das Geld noch in der gleichen Nacht "abgenommen" hat. Die damalige Freundin des Angeklagten arbeitete in der Spielothek, informierte ihren Lover, dass da was zu holen sei und der kam und hat mit einem Hammer eine Scheibe am Fahrzeug des Gewinners eingeschlagen.
Dass das Geld unter der Fußmatte vor dem Fahrersitz versteckt war, hatte die Mitarbeiterin der Spielothek gesehen. Drei Tage lang soll der Mann, ein Vertreter, fast durchgehend gespielt haben, aber das Gericht war der Meinung, dass man seine Aussage fürs Urteil nicht brauche und hat den Zeugen kurzfristig "abgeladen".
Als ihm sein Gewinn gestohlen wurde, war der Vertreter zu einem Stadtbummel unterwegs und hatte sein Fahrzeug, scheinbar sicher, vor der Spielothek geparkt.
Die Frau aus der Spielothek, die den heißen Tipp gegeben hatte, war auch angeklagt, ist aber derzeit untergetaucht. Eine andere junge Frau (24), damals über die Drogen mit dem Angeklagten gut bekannt, war bei einigen Diebstählen, Sachbeschädigungen und kleinen Drogengeschäften dabei und ist deswegen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Sie darf sich bewähren. Das Gericht ging von einer günstigen Sozialprognose aus. Sie lebe inzwischen in einer festen Beziehung, habe offensichtlich den Drogenkonsum eingestellt und als kleines Druckmittel, dass das auch anhält, muss sie vier Mal im Jahr nach Weisung des Bewährungshelfers zum Drogen-Test.
Die Angeklagten fühlten sich gut bedient, nahmen das Urteil sofort an, auch der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel. Sehr zufrieden darüber, dass der Prozess, der bis zum Abend dauern sollte, bereits vor 14 Uhr zu Ende ging, war Rechtsanwalt Konrad Scheckenbach, einer der Verteidiger. "Jetzt hab ich wenigstens noch ein bisschen was von meinem Geburtstag", sagte der Jubilar.