21 Kilogramm Haschisch hat ein 26-jähriger Trockenbauer im Jahr 2011 bei fünf Einkaufsfahrten nach Frankfurt für den Kitzinger "Drogen-Markt" besorgt. Eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg verurteilte ihn dafür jetzt zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und drei Monaten.
Die Qualität des Haschisch sei schlecht gewesen, so das Gericht, aber die Menge habe sich schnell gesteigert, von einem Kilo bei der ersten auf zehn Kilo bei der letzten Fahrt. Ohne Geständnis hätte der Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe über zehn Jahren rechnen müssen.
Nachdem ein junger Mann aus der Kitzinger Drogenszene, der für den Angeklagten als Kurier im Einsatz war, die Fahrten vor Gericht geschildert und die Justiz "unter zehn Jahre" bei einem Geständnis zugesichert hatte, gab der Angeklagte die Haschisch-Geschäfte zu, allerdings ohne ins Detail zu gehen.
Dafür wurde die umfangreiche Anklageschrift "eingedampft" und auf die Kilo-Geschäfte beschränkt.
Zehn kleinere Rauschgiftgeschäfte, dabei soll es auch um Amphetamin gegangen sein, wurden vorläufig eingestellt. Für den Gutachter war die Nase
des Angeklagten ein "stummer Zeuge".
Erste Kontakte mit Alkohol hatte der Angeklagte nach seinen Angaben, als er etwa neun oder zehn Jahre alt war, später kamen die Drogen dazu, in voller Bandbreite mit Ausnahme der ganz harten Sachen. Das Gericht hat die Unterbringung des von Drogen abhängigen Angeklagten für voraussichtlich zwei Jahre in einer Klinik angeordnet. Das bedeutet, dass ihm unter Umständen bei erfolgreicher Therapie die Hälfte seiner Strafe von über neun Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird. Die "Anerkennung" als abhängig und behandlungsbedürftig verdankt der Angeklagte letztlich seiner Nase.
Fünf Kumpels, die ihn seit langem, zum Teil seit der Schulzeit kennen, berichteten am letzten Verhandlungstag des seit Anfang Januar laufenden Prozesses übereinstimmend, dass der Angeklagte kräftig Drogen konsumierte: "Immer wenn ich ihn daheim besuchte", sagte einer, "hat er gekifft. Er ging mit Joint durch Kitzingen." Haschisch, "speed" und "Koks" sei sein Standardprogramm gewesen und wenn man abends gemeinsam zur Disko-Tour ausrückte, habe er sich immer erst was reingezogen.
In Diskotheken sei der Angeklagte oft mehrmals am Abend in der Toilette verschwunden und dann mit weißem Pulver an der Nase zurückgekommen. Er habe für viel Stress gesorgt, schnell eine Schlägerei angefangen und sei daher bei Türstehern bekannt gewesen: Zuletzt fuhren die Freunde immer weiter weg, weil sich die Hausverbote häuften. Auch der Alkoholkonsum des Angeklagten sei beachtlich gewesen, mit viel Wodka pur in den sogenannten "Russen-Diskos".
Die Aussagen der Kumpels allein hätte n den psychiatrischen Gutachter Dr. Detlev Blocher noch nicht davon überzeugt, dass bei dem Angeklagten eine Abhängigkeit von Drogen vorliege. "Das könne ja auch abgesprochen sein," meinte der Sachverständige. Den Beweis dafür, dass der Angeklagte tatsächlich vor seiner Inhaftierung umfangreich Drogen konsumierte, hat der Psychiater bei der Begutachtung während der Mittagspause in der Nase des Angeklagten gefunden: Eine deutliche Vernarbung der Nasenschleimhaut spreche dafür, dass der in erheblichem Umfang Rauschgift über die Nase reingezogen hat. Eine Therapie scheine erfolgversprechend, zumal der Angeklagte selbst daran interessiert sei.
Verurteilte aus der Drogenszene, die vom Gericht vorübergehend in der Psychiatrie untergebracht werden, können nach erfolgreicher Therapie damit rechnen, zur Bewährung in die Freiheit entlassen zu werden, wenn sie bereits die Hälfte ihrer Strafe im Knast oder im Krankenhaus verbracht haben. Deswegen muss der Angeklagte jetzt trotz angeordneter Unterbringung erst noch zwei Jahre und acht Monate in Strafhaft verbüßen, bevor er "auf Therapie geht". Es wäre nämlich nicht sinnvoll, so das Gericht, wenn ein Verurteilter nach erfolgreicher Therapie erst noch einmal für längere Zeit in eine Justizvollzugsanstalt zurückkehren muss, bis er die Hälfte seiner Strafe verbüßt hat .
Wenn der Angeklagte die Therapie abbricht, droht ihm, so das Gericht, Absitzen der Freiheitsstrafe in voller Länge.