Eins steht jetzt schon fest: Der kleine Teddy mit dem blau-weißen Anzug und der roten Schleife wird doppelt Gutes tun. Er ist Schmusetier und Wohltäter gleichermaßen. Den Teddy hat Hildegard Mark gestrickt. Sie und ihre Mitstreiter von der Kolpingsfamilie Marktbreit werden ihn am Weihnachtsmarkt verkaufen. Der Erlös kommt der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks zugute. Freilich haben die Damen dabei nicht nur einen kleinen Teddybären im Angebot, sondern unzählige weitere Handarbeiten wie Mützen, Schals, Socken, Deckchen und Pullis, aber auch Adventsgestecke.

Hildegard Mark mag Handarbeiten. Und sie tut gerne Gutes. Einige Jahre ist es her, da hat sie zufällig im Fernsehen gesehen, dass man Sterne basteln und einschicken sollte. Gesehen, getan. Ganz überrascht sei sie gewesen, als dann ein Dankesbrief zurückkam, weil sie mit ihrem gehäkelten Stern einen Beitrag zur Aktion Sternstunden geleistet hatte.
Der Brief war Auslöser für die Idee, beim Marktbreiter Weihnachtsmarkt eine Tombola zugunsten der Aktion durchzuführen. Die Mitglieder der Kolpingsfamilie begannen zu basteln, aber auch bei Firmen Preise für die Tombola zu sammeln. 5000 Euro kamen so in drei Jahren für den guten Zweck zusammen. Anstelle einer Tombola werden die Handarbeiten in diesem Jahr bei der Schlossweihnacht erstmals an einem Stand verkauft, der im Textilhaus Söder zu finden sein wird - auch der Besitzer ist ein "Kolpingbruder".

Wie viel Zeit sie denn mit dem Stricken, Häkeln, Nähen und Basteln verbracht haben? Hildegard Mark, Christa Lober und Margarete Stapf müssen über die Frage lächeln. Sie haben die Stunden und Tage nicht gezählt. "Nach Weihnachten ist vor Weihnachten", sagt Hildegard Mark. Da wird einfach "drauflos geschafft". Sie sitzt das ganze Jahr über am Abend an ihren Werken. "Da klappern die Nadeln", bestätigt ihr Ehemann Gerhard. Doch nicht nur mit dem Wollknäuel in der Hand ist die 68-jährige Marktbreiterin mit den Gedanken voll beim nächsten Weihnachtsmarkt, sie hat ihn auch sonst immer im Hinterkopf. "Das Herzchen da, das war mal auf einem Schlafanzug", sagt sie, und nimmt eine genähte Tasche zur Hand, die eine der insgesamt acht Mitstreiterinnen gefertigt hat und auf deren Vorderseite jetzt das kleine rot und rosafarbige Stoffstück seinen neuen Platz gefunden hat.

Bevor sie etwas wegwirft, wird überlegt, ob man einen Teil davon noch für die Handarbeiten gebrauchen kann. "Ich heb' alles auf", sagt Hildegard Mark. Und beim Einkaufen oder Stadtbummel ist sie immer offen für Ideen, die sie umsetzen kann - wie zum Beispiel den Kerzenhalter, der auf dem Tisch steht: Ein mit Jute umwickeltes Glas mit Pelzbesatz und Trachtenknöpfen.

Praktisches und Dekoratives entsteht so das ganze Jahr über. Mehrere Frauen unterstützen Hildegard Mark dabei. Sie fertigen Handarbeiten, dekorieren Körbe mit Zweigen, Tannenzapfen, Ketten und Weihnachtskugeln. Die meisten Arbeiten sind fertig - nur die Adventsgestecke nehmen die Frauen erst in den letzten Tagen vor der Schlossweihnacht in Angriff. "Die sollen ja frisch sein."

Ein Pulli mit Zopfmuster, eine Trachtenjacke, kleine weiße Engelchen, ein filigranes Deckchen, gehäkelt aus feinsten Maschen. Daneben liegen die modernen Häkel-Mützen und Handy-Taschen in bunten Farben, die auch für Smartphones geeignet sind. Die Auswahl ist nicht nur riesig, sondern auch vielfältig - und dabei ist es nur ein kleiner Teil, den die drei Damen da liebevoll auf dem Wohnzimmertisch der Familie Mark ausgebreitet haben. Die meisten Stücke sind schon für den Transport vorbereitet. Die Kartons stapeln sich im Flur, Zettel verraten, welche Schätze in den Kisten stecken. Auch das Wort "Teddys" steht auf so einer kleinen Notiz und dort kommt er gleich nach dem Pressetermin wieder hin, der kleine Kerl mit dem blau-weißen Anzug. Er ist bereit für die Reise zu seinem neuen Besitzer.