Das soll es bisher hinter deutschen Knast-Gittern noch nicht gegeben haben: Professionelle junge Ballett-Tänzerinnen und -Tänzer und ehemalige inhaftierte Rapper touren mit einem gemeinsamen Programm aus harten Beats und sanften Bewegungen durch Justizvollzugsanstalten ( JVA ) der Bundesrepublik.

Von "Santa Fu" nach Würzburg

Nach einem Gastspiel in der berühmt-berüchtigten Strafanstalt "Santa Fu" in Hamburg gastierte das Projekt " Gangster-Rap auf Ballett" in der Justizvollzugsanstalt Würzburg, zog weiter in die Strafanstalt Adelsheim in Nordbaden und beendete die Tour am Sonntag zunächst einmal in der JVA Rottenburg, wo die drei beteiligten Rapper Freiheitsstrafen verbüßt hatten und inzwischen entlassen wurden.

"Gangster-Rap auf Ballett", eine spannende Idee, die aber auch ständig, so der stellvertretende JVA-Chef Florian Zecha, die Gefahr des Scheiterns einschließt. Wie vertragen sich Hip-Hop aus dem Gefängnis mit den grazilen Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer eines Balletts? Können beide Seiten eine "Beziehung" zueinander aufbauen? Respektiert der Rapper überhaupt Ballett?

Hinter der riskanten Beziehung dieser ungewöhnlichen Tournee steht über Abwechslung im Knast-Alltag hinaus die Überlegung, sich der jungen Generation zu nähern. Und um deren Anliegen kreativ widerspiegeln zu können, letztlich auch, um fürs Ballett neue Zuschauer zu gewinnen, hatten sich die Macher des Bundesjugendballetts ( Hamburg) an die JVA Rottenburg gewandt mit der Einladung an dort einsitzende Rapper, bei ihnen mitzumachen.

Es ist nicht nur gut gegangen bei dem Gastspiel in der JVA Würzburg, es war einfach zum Nachdenken einladend, wenn ein Rapper mit einschlägiger Erfahrung kurz, aber heftig, Einblick in sein Innerstes gewährte. Lust- und Stöhn-Laute und eindeutig zweideutige Zwischenrufe aus dem Publikum blieben beim Anblick schöner Körper und eleganter Bewegungen absolut die Ausnahme. Die Begeisterung war groß, auf beiden Seiten.

Acht Tänzer aus sieben Nationen

Ein Bundesjugendballett gibt es erst seit der Spielzeit 2011/12: Als "Truppe" ohne eigene Bühne sind die acht Tänzer aus derzeit sieben Nationen, unter anderen Deutschland, Japan und Brasilien, herausgefordert, sich ihre Aufführungsorte stets aufs Neue zu suchen. Und sie gehen in Schulen, Krankenhäuser, Seniorenheime, Museen und Gefängnisse, aber auch in Theater und auf Festivals in der freien Natur.

Die Tänzerinnen und Tänzer haben ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeiten im Bundesjugendballett, einem von der Bundesregierung geförderten Projekt, zwei Jahre gemeinsam, als Solisten und in der Gruppe. Im Würzburger Knast gab es für sie am Ende der Veranstaltung Blumen und für die drei Rapper, die das Leben vor und hinter Knastmauern kennen, was ganz Süßes für die Stimmbänder: je ein Glas Honig von den Würzburger Knast-Bienen, aus Deutschlands sichersten Bienenstöcken auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt.