Angeblich brauchte der Mann dringend Geld für die Miete, Stromrechnung und Schulden beim Dealer. Mit den neun Jahren sei der Räuber, so die Große Strafkammer, noch gut bedient. Obwohl erst 23, liegen bei ihm nämlich formal bereits aufgrund seiner Vorstrafen die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung vor. Zur Tatzeit stand er "in anderer Sache" unter Bewährung, da ging es um zwei Überfälle auf eine Tankstelle in Stuttgart.

Beim ersten Überfall auf die Spielhalle in der Kaiserstraße, an einem Sonntag im Januar 2011, früh gegen 3 Uhr, hatte der Angeklagte einen bis zum Prozessbeginn für die Ermittlungsbehörden unbekannten Komplicen.
Der sitzt seit der vergangenen Woche in Untersuchungshaft und dieser neue "Ermittlungsansatz" stehe, so der Staatsanwalt, im Zusammenhang damit, dass der Angeklagte auch für diese Tat, die er bisher geleugnet hatte, am ersten Verhandlungstag, sogar zur Überraschung seines Verteidigers, plötzlich ein Geständnis ablegte. Aus ermittlungstaktischen Gründen, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, wolle man auf den Komplicen und seine Festnahme derzeit nicht näher eingehen.

Reinen Tisch machen

Für das Gericht hat der Angeklagte jetzt überzeugend, mit Schuldeinsicht und echter Reue, einen Schluss-Strich ziehen und "reinen Tisch" machen wollen. Ohne umfassendes Geständnis hätte das Urteil für die drei angeklagten Taten mit einer Mindeststrafe von je fünf Jahren leicht, so der Vorsitzende Richter Burkard Poepperl, zweistellig ausfallen können.

Beim Gericht habe der Angeklagte, so der Vorsitzende Richter, keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Er passe irgendwie überhaupt nicht zu den angeklagten Straftaten von schwerem Raub und besonders schwerer räuberischer Erpressung bis zum Menschenraub und die wiederum stehen in einem krassen Verhältnis zu der bei den Überfällen gemachten Beute von 250 Euro im letzten Fall und knapp über 2000 Euro insgesamt.

Bedroht hat der Räuber in allen Fällen weibliche Angestellte der Spielhalle und aufgefordert, ihm den Inhalt der Kasse auszuhändigen. Bei einem Überfall hat er die Angestellte zusätzlich unter Druck gesetzt, indem er einem Gast, der an der Theke saß, sein Messer an den Hals hielt, ein Fall von erpresserischem Menschenraub. Der Gast musste ihm außerdem die Scheine aus seinem Geldbeutel geben.

Die Opfer leiden noch heute

Sowohl mit den bei zwei Überfällen verwendeten großen Küchenmessern wie auch mit der im ersten Fall eingesetzten Pistole habe er, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort, wirklich nur drohen, aber niemandem weh tun wollen. Deswegen habe er zum Beispiel auch nicht die Schneide seines 30 Zentimeter langen Küchenmessers, sondern den Messerrücken einem Opfer an den Hals gesetzt. Dass seine Opfer dennoch zum Teil noch heute trotz Behandlung unter den psychischen Folgen der Überfälle leiden, bedauere er und er wünsche ihnen gute Genesung.

Bei den Opfern sei das nicht so "angekommen", erklärten die Richter, dass der vermummte Angeklagte mit den Küchenmessern und der Pistole, die angeblich nur mit Platzpatronen und Pfefferspray geladen war, nur drohen wollte. Eine der Angestellten aus der Spielhalle habe monatelang keinen Nachtdienst mehr übernehmen können, eine andere habe ihren Job aufgeben müssen und der in den Überfall "hineingezogene", eigentlich unbeteiligte Gast gerät bei Dunkelheit leicht in Angstzustände. Außerdem könne die Situation, auch wenn ein Messer nur zum Drohen an den Hals angesetzt wird, schnell eskalieren und die Tat dann weit über das vom Täter geplante hinausgehen und schnell zum Tötungsdelikt werden.

Drogen seit dem 12. Lebensjahr

Seit seinem 12. Lebensjahr konsumierte der Angeklagte Drogen in einem Elternhaus, wo zumindest Alkohol eine große Rolle spielte und er hat dann, Tendenz schnell steigend, einfach alles geschluckt, was er an echten und synthetischen Drogen bekommen konnte. Deswegen, "weil er ja genaugenommen noch ein ganz junger Kerl ist", hat das Gericht nicht die Notbremse "Sicherungsverwahrung" gezogen, sondern die Unterbringung des von Drogen abhängigen Mannes zur Therapie in einer Klinik angeordnet. Zunächst muss er zwei Jahre und sechs Monate seiner Strafe absitzen, geht dann in die Therapie und kann nach erfolgreichem Abschluss damit rechnen, dass dann der Rest seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Das sei für ihn eine echte und auch die letzte Chance, wenn die Therapie abgebrochen wird, müsse er die neun Jahre voll absitzen.