"Dies ist ein außergewöhnlicher Tag in meinem Leben. Über die großen Aufgaben, die vor mir liegen, bin ich mir durchaus bewusst. Ein Bürgermeister soll jederzeit ein offenes Ohr für die Bürger haben, er soll auch Vermittler zwischen den Institutionen, den Fachbehörden und den Ratsfraktionen sein und einen für alle Beteiligten gangbaren Weg finden", betonte der neue Bürgermeister der Gemeinde Ebelsbach, Martin Horn, in seiner Antrittsrede vor seinem Gemeinderat und zahlreichen Zuhörern.

Mit der Kommunalwahl erfolgte in der Gemeinde eine Zäsur. Nach der 18-jährigen Amtszeit von Walter Ziegler als Erster Bürgermeister wurde ein Wechsel vollzogen. Horn (SPD) konnte sich in einer Stichwahl gegen den Herausforderer Roland Metzner (CSU) durchsetzen. In der konstituierenden Sitzung oblag es nun dem ältesten Gemeinderat Helmut Schöpplein, dem neuen Bürgermeister den Diensteid abzunehmen und ihm die Amtskette umzuhängen. Dabei sprach er den Wunsch aus, dass der Bürgermeister einen respektablen Umgang ohne parteipolitische Interessen pflege und die Sachpolitik in den Mittelpunkt seiner Arbeit stelle.

Dank an viele Stellen

Anschließend richtete der frisch vereidigte Bürgermeister in seiner Antrittsrede Worte an das Gremium und die Zuhörer und gab seiner Freude Ausdruck, dass auch seine ganze Familie anwesend sei. An den Anfang stellte er den Dank für die Unterstützung bei seiner Wahl: "Es hat mich immer wieder bestätigt, die richtige Entscheidung für das Amt des Bürgermeisters getroffen zu haben."

Sein Dank galt seinem Vorgänger und bisherigen Chef, mit dem er 18 Jahre Seite an Seite in der Funktion als Bauhofleiter für die Gemeinde arbeiten durfte. "Walter hat sich immer äußerst loyal seinen Verwaltungs- und Bauhofmitarbeitern und unbürokratisch sowie bürgerfreundlich gegenüber allen gezeigt. Seine Ruhe und Gelassenheit in brenzligen Situationen sind legendär."

Nun beginne auch für ihn nach 23-jähriger Tätigkeit im Bauhof sowie zusätzlich als Zweiter Bürgermeister ein neuer Lebensabschnitt. Er dankte für das Vertrauen und wolle sich dieses auch bei denen erarbeiten, "die mich in meiner neuen Funktion noch skeptisch sehen". Er wolle seine volle Energie dem neuen Amt widmen.

"Ich bevorzuge das offene Wort"

Horn äußerte dazu Erwartungen an seine Mannschaft im Rathaus und Bauhof, den sonstigen Mitarbeitern und Bürgern. "Ich wünsche mir, dass sich alle Bürger direkt an mich, den Gemeinderat oder die Verwaltung wenden. Ich halte nicht viel von Kommunikation über gemeindliche Themen in sozialen Netzwerken, auch nicht von amtierenden Mandatsträgern. Ich bevorzuge das offene Wort, denn es ist allemal besser miteinander als übereinander zu reden."

Von seinem Gremium erhoffe er sich, "dass zielorientierte, objektive und bestmögliche Entscheidungen zum Wohle unserer Gemeinde getroffen werden. Deshalb müssen wir mehr miteinander reden und Verständnis zeigen. Kompromisse statt Konfrontation. Demokratie bedeutet, Entscheidungen, die nicht einvernehmlich, aber mehrheitlich getroffen wurden, zu akzeptieren und zu respektieren."

Intensiver Austausch

Gerade mit Blick auf die politischen Verwerfungen in den vergangenen Monaten wolle er mit allen Fraktionen einen intensiven Austausch pflegen. Ohnehin gebe es in der Kommunalpolitik viele Fragen und Angelegenheiten, die sich eben nicht für partei-ideologische Auseinandersetzungen eignen. Gemeindepolitik sei Politik von Menschen, mit Menschen - und für Menschen. Dabei stehe man vor vielen Herausforderungen, allen voran dem Schloss Ebelsbach. "Packen wir es an: Legen wir gemeinsam das Fundament für die Zusammenarbeit."

Dann schritt das Gremium zur Wahl der weiteren Bürgermeister, bei der deutlich wurde, dass die schönen Worte von der Zusammenarbeit der Fraktionen vielleicht doch nur Makulatur waren. Tobias Ziegler schlug für die BNL (Bürgernahe Liste) Andreas Hoch als Zweiten Bürgermeister vor, während Martin Wasser für die CSU den unterlegenen Bürgermeisterkandidaten Roland Metzner ins Gespräch brachte. Er begründete dies einerseits mit dem Stimmenanteil von 44,83 Prozent bei der Stichwahl, er stünde für eine glaubwürdige Zusammenarbeit und würde dem Wählerwillen gerecht. Metzner holte sechs Stimmen, Hoch kam auf elf Stimmen - und wurde zum Zweiten Bürgermeister gewählt.

Bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister brachte Roland Metzner von der CSU den Vorschlag Markus Reinwand ein. Er begründete diesen mit dem Hinweis, dass man damit die CSU mit ins Boot nehme und mit dieser Wahl auch die Zusammenarbeit aller drei Fraktionen unterstrichen werde. Manuel Virnekäs schlug für die SPD aber noch Norbert Wippich vor. Und Wipppich wurde mit zehn Stimmen auch zum Dritten Bürgermeister gewählt, da auf Reinwand nur sieben Stimmen entfielen. Das Ergebnis sprach also eine deutliche Sprache. Die Fraktionen SPD (fünf Sitze) und BNL (fünf Sitze) hatten somit ihre gemeinsame Stärke ausgespielt und sperrten die CSU, die mit sechs Sitzen die stärkste Fraktion ist, aus. Natürlich ist dies legitim, aber wohl nicht die beste Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, wie sie angekündigt worden war. Anschließend wurden die verschiedenen Ausschüsse entsprechend der Stärke der Fraktionen besetzt.

Da für die Gemeindeteile Schönbach und Rudendorf kein Kandidat in den Gemeinderat einzog, kommt es dort noch zu einer Ortsversammlung mit Wahl der Ortsteilsprecher, sofern 30 Prozent der wahlberechtigten Bürger eine solche Versammlung beantragen.

Der Gemeinderat beschloss dann noch eine vorläufige Geschäftsordnung und eine Satzung, in der Tätigkeit und Entschädigung der Gemeinderatsmitglieder geregelt ist. Als Sitzungsgeld wurde der Betrag von 30 Euro beschlossen, wenn der einzelne Gemeinderat die Unterlagen in Papierform erhält. Bei elektronischer Ladung, bei welcher die Verwaltung Geld spare, bekommt der Gemeinderat 35 Euro.

Ausschussmitglieder

Rechnungsprüfungsausschuss: Edgar Piaquadio, Roland Metzner, Michaela Eisenacher, Tobias Ziegler, Norbert Wippich, Dietmar Schmidt

Finanzausschuss: Edgar Piaquadio, Roland Metzner, Michaela Eisenacher, Tobias Ziegler, Norbert Wippich, Sigrid Rippstein

Bauausschuss: Markus Reinwand, Gerald Makowski, Tobias Ziegler, Andreas Hoch, Patricia Mück, Manuel Virnekäs

Gemeinschaftsversammlung der VG Ebelsbach: Martin Wasser, Helmut Schöpplein, Michaela Eisenacher, Sigrid Rippstein

Grundschule Ebelsbach: Markus Reinwand

Abwasserzweckverband: Helmut Schöpplein, Rolf Laubmeister, Dietmar Schmidt

Jugendvertreter: Patricia Mück, Andreas Hoch, Gerald Makowski

Seniorenvertreter: Dietmar Schmidt, Andreas Hoch