Die Coronakrise trifft die Gastronomie und die Weinbaubetriebe. Abgesagte Weinfeste und geschlossene Restaurants lassen den Umsatz schrumpfen; auch Privatkunden kommen anscheinend seltener auf den Hof, um Wein zu kaufen. Die Unsicherheit ist riesig, weil niemand abschätzen kann, wie lange diese Durststrecke noch andauert und wie sich die Gäste danach verhalten werden.

Selbst auf die Repräsentation des Abt-Degen-Weintals wirkt sich die Coronakrise aus. Noch im Januar warb Prinzessin Anna-Lena Werb auf wichtigen Terminen wie dem Wein-Tourismus-Symposium in Iphofen, auf der Freizeitmesse in Nürnberg und bei der Grünen Woche in Berlin für den Wein aus dem Landkreis Haßberge. Sie nahm an einem Wein-Sensorik-Kurs mit anderen Prinzessinnen teil. Eine der letzten Veranstaltungen war im Februar die Genussmesse "Kulinea" in Zeil.

Danach sind Veranstaltungen ausgefallen oder wurden verschoben. Darunter sind zahlreiche Abkrönungen oder Umkrönungen von Prinzessinnen bis hin zur Krönung der Fränkischen Weinkönigin. Außerdem wäre jetzt die Zeit, um die guten Weine des Jahrgangs 2019 zu präsentieren.

Prinzessin Anna-Lena bestätigt, "dass die Qualität des Weins die Erwartungen der Winzer bei weitem übertroffen hat. Doch leider nutzt der beste Wein nichts, wenn man ihn nicht präsentieren und mit Freunden genießen kann. Erst damit bekommt der Winzer die Anerkennung und Freude für das zurück, was er das ganze Jahr geleistet hat."

So hätten sich in den letzten Wochen zahlreiche Winzer für die Öffnung ihrer Heckenwirtschaft gerüstet, hätten geschlachtet und zahlreiche Hausmacherspezialitäten für die Gäste vorbereitet. Durch die Coronakrise sei die Bewirtung der Gäste aber nicht mehr möglich, bedauert die junge Steinbacherin.

Abt-Degen-Weinprinzessin Anna-Lena richtet deswegen eine Bitte an die Verbraucher: "Lasst die Winzer bei euch vor Ort nicht im Stich und unterstützt sie in dieser schweren Zeit. Denn wer möchte schon in Zukunft auf den leckeren Wein auf der Terrasse oder auf einem Weinfest im Abt-Degen-Weintal verzichten?" Man könne die Winzer jetzt gut über den "Verkauf ab Hof" unterstützen.

Von der Rebe bis zu einem guten Wein ist es ein langer Weg. Die eigentliche Arbeit leistet die Natur mit Unterstützung des Winzers, dessen Arbeit sehr vielfältig ist. Für die Winzer hat die Arbeit 2020 bereits mit dem Rebschnitt begonnen. In den letzten Wochen begannen die Reben zu "bluten", und es ging weiter mit der Arbeit des Biegens und Bindens der Reben, mit denen eine gleichmäßige Verteilung der Triebe erreicht wird. Wie die Weinernte in diesem Jahr ausfallen wird, kann man heute noch nicht vorhersagen.

Winzer Christian Zehendner aus Gleisenau berichtet aktuell von den nächtlichen Spaziergängen durch seine Weinberge, bei denen er dem Knospenschädling auf der Spur war. Die zweigähnliche Raupe sei perfekt getarnt und nachtaktiv. Ab März, wenn andere Nahrungsquellen fehlen, seien für sie die Knospen von Rebstöcken ein gefundenes Fressen, schildert der Winzer. Die angefressenen Knospen treiben nicht mehr aus, blühen nicht und tragen keine Trauben. So können bereits wenige Tiere einen großen Schaden anrichten.

Der Fachmann von der Traditionsgaststätte in Gleisenau sieht sich als Gastronom, Winzer und Landwirt in der Coronakrise zwar breit aufgestellt, Sorgen macht er sich dennoch. Aber: Auch für ihn steht die Gesundheit der Menschen und seiner Kunden im Vordergrund. "Wir sind ein Haus mit fränkischer Wirtshaustradition, in dem die Menschen gemeinsam um den Tisch sitzen und das Gespräch miteinander suchen. Ich hoffe nur, dass die Krise nicht länger anhält, und wünsche mir, das sich dies nicht auf die Wirtshauskultur auswirkt, die bei uns noch gelebt wird. Es wäre nicht schön, wenn davon etwas auf der Strecke bleiben würde."

Nach Zehendners Worten ist kaum zu erwarten, dass bei einer ersten Lockerung der Einschränkungen die Gastronomie davon profitiert. "Jeder fragt sich deswegen, wie lange das noch so bleiben soll." Für jemanden, der Miete zahlen müsse, Investitionen getätigt habe oder auf viel fremdes Personal angewiesen sei, ist die Situation nach Darstellung des Gleisenauers nicht einfach und eine solche Durststrecke mit enormen Umsatzeinbußen nur für eine begrenzte Zeit überbrückbar. "Der Umsatzrückgang schlägt sich aber auch bei uns nieder, und ich kann mir nicht vorstellen, dass hier eine Zwischenlösung mit besonderen Regelungen und bestimmten Abständen zwischen den Tischen eine große Verbesserung brächte. Im meinem Weinbaubetrieb betrifft es mich insofern, als ich durch die Krise nicht rechtzeitig Flaschenweine abfüllen konnte und so auf dem Trockenen sitze. Die Abfüllung soll nun demnächst stattfinden."

Er wünscht sich, dass die Schließung der Gaststätten möglichst bald aufgehoben wird. "Der Jahrgang 2019 verspricht nämlich eine sehr gute Qualität, auch wenn der Ertrag niedriger war. Er ist für einen jungen Wein schon gut entwickelt."

Ute Berninger vom Weingut mitten in den Weinbergen zwischen Steinbach und Ziegelanger macht Sorge, weil man nicht wisse, was nach dem 19. April kommt - oder die Krise vielleicht erst auf ihren Höhepunkt zusteuert. "Natürlich ist es oberstes Ziel, dass jeder gesund bleibt. Auch ich habe Senioren im Haus und hoffe es auch für diese. Aber dazu gehört auch, dass ich jetzt hier in unserem Restaurant sitze und die Einnahmen fehlen. Gerade jetzt über diese Wochen sind die Einbußen enorm. Dazu kommt, dass auch noch Kommunion- oder Geburtstagsfeiern abgesagt werden mussten." Zum Glück könne man noch etwas im Weinverkauf auffangen, der gut angenommen werde, erklärt die Ziegelangererin.

Martin Fischer von "Frankensekt" in Steinbach wollte am 2. Mai seine traditionellen Führungen mit Bewirtung in den Stollen von Ebelsbach beginnen. Er befürchtet, dass mit dem Wegfall der Touren auch der Sektverkauf einbricht. "Deswegen haben wir schon rechtzeitig auf Verkauf ab Hof gesetzt", und auch der Verkauf über Telefon sei gut angelaufen. Für ihn wäre es wünschenswert, wenn es nach den Osterferien eine Lockerung gäbe und er wieder seine Stollenführungen planen könnte.

Sandra Aumüller vom Hotel/Landgasthof "Wallburg" in Eltmann ist zweifach von der Coronakrise betroffen. Im Hotel "ist für den April die Buchung gleich null, weil auch die Firmenvertreter nicht mehr kommen. Das schmerzt schon sehr." Aber auch das Restaurant musste sie schließen. Ihr Gasthof sei auf "Essen to go" übergegangen: Gäste holen ihr Essen ab. "Die Leute haben darauf verständnisvoll reagiert, und es wird gut angenommen, vorwiegend natürlich an den Wochenenden. Dazu mussten auch wir uns etwas umstellen und bieten die Gerichte von unserer normalen Karte an. Die Leute bekommen es so auf dem Teller serviert, wie wenn sie es in unserem Restaurant verzehrten."

Sie wäre froh, wenn sie ihre Gäste wieder im eigenen Lokal bedienen dürfte. Sandra Aumüller befürchtet aber, dass dies vor Ende April oder erst ab Mitte Mai nicht möglich sei. "Aber so lange werden wir unser Angebot aufrechterhalten, denn nur so haben wir eine Chance, unser Haus über die Runden zu bringen und in die Zukunft zu führen."