Die entscheidende Frage lautet: Hat der Mieter einer Doppelhaushälfte von vornherein gewusst, dass er sich die Miete in Höhe von monatlich 1100 Euro nicht leisten konnte? Wenn ja, hätte er sich des Betrugs schuldig gemacht. Da der Angeklagte (58) mehrfach vorbestraft ist und unter doppelter Bewährung steht, schwebt über ihm das Damoklesschwert der Haft. Das Amtsgericht in Haßfurt vertagte die Entscheidung in dem Strafprozess, weil die Juristen weitere Zeugen hören wollen, bevor sie sich eine abschließende Meinung bilden.

Was sich am 16. Juni 2014 beim Abschluss eines Mietvertrags in einer Stadt im Maintal abspielte, klingt nach Hochstapelei. Der beschuldigte selbstständige Geschäftsmann besichtigte zusammen mit seiner Frau das Mietsobjekt mit 165 Quadratmetern Wohnfläche. Auf zwei Etagen befinden sich acht Zimmer, zwei Bäder, eine Küche und ein Garten ist auch da. Zu zweit wollte das Ehepaar dort einziehen. Dabei trat der Selbstständige offenbar mit großspurigem Gestus auf. Ohne viel Federlesens rundete er den Mietzins auf eine "runde Summe" auf - ganz so, als ob es sich für ihn um Peanuts handele.

Um zu beweisen, dass er problemlos das Geld aufbringen könne, hatte der Beschuldigte seinerzeit eine betriebswirtschaftliche Auswertung, kurz BWA genannt, mitgebracht. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um eine Halbjahresbilanz seiner Firma. Laut dieser BWA hatte der Unternehmer im ersten Halbjahr 2014 bei einem Gesamtumsatz von 120 000 Euro einen Gewinn von 26 000 Euro erwirtschaftet. Der Hauseigentümer, also der Vermieter, sagte im Zeugenstand aus, dass er bei Unterzeichnung des Vertrages nicht den Eindruck hatte, "über den Tisch gezogen zu werden".


Schnell im Minus

Aber bereits Anfang Juli, also gerade einmal zwei Wochen nach Abschluss des Mietvertrags, wies das Girokonto des Mannes ein Minus von mehr als 10 000 Euro auf. Dies versuchte der Angeklagte damit zu erklären, dass eine von ihm gestellte große Rechnung nicht bezahlt worden sei und dass damals seine Verwaltungskraft ständig Fehler gemacht oder untätig gewesen sei. Der im süddeutschen Raum lebende Vermieter fragte ständig telefonisch nach, was denn los sei. Jedesmal wurde er aufs Neue vertröstet.

Mit dem Lohn seiner Ehefrau, die als Pflegekraft arbeitete, beglich der Beschuldigte ein einziges Mal, nämlich Mitte Juli 2014, den Mietzins. Ansonsten reagierte er auf keine Mahnung oder Zahlungserinnerung. Ende 2014 erwirkte der genervte Hauseigentümer die Räumungsklage und Mitte Januar 2015 zog der Mieter endlich aus. Der Mietrückstand betrug zu diesem Zeitpunkt sechs Monatsmieten, also 6600 Euro.

Zusätzliche Ausgaben hatte der Eigentümer durch die gerichtlich erwirkte Räumungsklage und die Kosten des Gerichtsvollziehers. Insgesamt hat der Vermieter dadurch 7700 Euro "ans Bein geschmiert." Da bei dem Selbstständigen derzeit nichts zu holen ist, wäre eine zivilrechtliche Klage auf Schadensersatz für den Geprellten aussichtslos.

Im Fortsetzungstermin im November werden weitere Zeugen vernommen. Dadurch soll transparent werden, ob der Beschuldigte zum Zeitpunkt, als er den Mietvertrag unterschrieb, tatsächlich liquide war und er davon ausgehen konnte, seine eingegangenen finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Andernfalls wäre der Betrugsvorwurf vermutlich erwiesen - mit wahrscheinlich fatalen Folgen für den Angeklagten.