Es ist die wohl älteste anthropomorphe (menschengestaltige) Holzfigur Bayerns - und sie stammt aus dem Sander Baggersee nahe dem heutigen Campingplatz. Was den Campern vermutlich gar nicht bewusst ist: Wenn sie in Richtung Zeiler Käppele und Ziegelanger blicken, liegt vor ihnen ein uraltes kultisches Areal (das einst der Sand- und Kiesausbeute weichen musste).


Beschreibungen von der Wüstung

Noch in alten Quellen von 1432 und 1460 ist die Wüstung "Aschwinge" beschrieben, bis heute hat sich der Flurname erhalten. Im Namensbestandteil "As", erläutert der nicht nur im Historischen Verein Haßberge engagierte Hobby-Archäologe Mark Werner aus Sand, klingt der Bezug auf die einstige Götterwelt der Asen an.
Der Sander Götze ist aus Eiche. Es dauerte gut zwei Jahre, die Zeitphase zu ermitteln, in der der Baum gefällt worden sein dürfte: 2463 bis 1912 vor Christus, späte Jungsteinzeit.


Quasi zum zweiten Mal "entdeckt" durch Mark Werner

Mark Werner darf zurecht von "mein Baby" sprechen, wenn es um diesen kleinen Holzkopf geht. Besitzerin Ilse Saalmüller, Schwester des damaligen Sander Kieswerkbesitzers, nahm die Figur in ihre Obhut, nachdem sie in den 1960iger Jahren auf einem gerade gefüllten Lastkahn entdeckt worden war. Die damalige heimatgeschichtliche Kapazität Paul Hinz schätzte sie als mittelalterliche Bugfigur eines Mainbootes ein. Das Ding, pitschnass, drohte beim Trocknen zu zerfallen und wurde mit Lack getränkt, um es zu erhalten. Genau die mineralischen Bestandteile des Lacks machten es so kniffelig, das Alter der Figur zu bestimmen.

Mark Werner beschäftigt sich mit kultischen Bezügen in der Landschaft seit längerem. Im Blick auf die Kultstätte "Aschwinge" vor der Haustüre besuchte er vor einigen Jahren die früheren Mitarbeiter des Kieswerks auf der Suche nach möglichen Fundstücken.

So landete er bei Ilse Saalmüller, die ihm vertrauensvoll die Figur für weitergehende Untersuchungen überließ. Als Werner im Mai von der in Iphofen geplanten Ausstellung hörte und dort anfragte, ob man auch am Sander Götzen interessiert sei, erlaubte sie ihm, ihre Figur dort zu präsentieren.

Höchstpersönlich fuhr Werner sein "Baby" dorthin - keine Frage, dass die feierliche Ausstellungseröffnung am Freitag für ihn ein hochemotionaler Moment war. "Da hatte ich schon nasse Augen". Denn Werner hatte 2014 auf den ersten Blick erkannt, dass die Figur ein Kultgegenstand sein könnte. Der Sander Hobby-Historiker, die Denkmalpflege und Ilse Saalmüller selbst investierten in der Folge Zeit und Geld, um das Alter der Figur zu klären: "Wir haben zwei C14-Untersuchungen machen lassen", erinnert sich Mark Werner, der dazu Institutionen in Erlangen und Mannheim unabhängig voneinander beauftragte. Beide kamen zu einem ähnlichen Schluss, und schließlich gelang auch dem Dendrochronologen auf Schloss Thierhaupten, eine genauere Zeiteingrenzung.


Entspannt den Main entlang

Steinzeit, Kelten, Römer, Steinbeil, Gefäße, Helme - in der Ausstellung in Iphofen (Fahrzeit von hier aus etwa eine Dreiviertelstunde) werden die Funde am Main geordnet von der Quelle bis zur Mündung des Mains gezeigt. Der Main schlängelt sich als blaues Band durch die Ausstellungsräume auf drei Ebenen, und der Besucher kann da "entlangschippern" und sich die Ausstellungsgegenstände ansehen.

Überhaupt so viele Fundstücke zu haben, das ist für Mark Werner die Besonderheit: "Der süddeutsche Raum ist geologisch nicht für solche Funde aus organischem Material geeignet." Solche alten Funde gibt es mehr im norddeutschen Raum. Dort liegen die Gegenstände eher "oberirdisch", finden sich beim Torfabbau in den Mooren. Im und am Main liegen die Teile unter Wasser, wandern unbemerkt im Sand und Kies in den Beton. Aus.
Der Sander Götze erregte nicht nur bei dem Direktor des Knauf-Museums Aufmerksamkeit: Bei der Ausstellungseröffnung signalisierte Mark Werner auch der Direktor des künftigen "Museums für Franken" auf der Feste Würzburg Interesse. Das bislang Mainfränkische Museum wird gegenwärtig für rund 70 Millionen Euro umgebaut.