Größere Mengen Kabelreste, so lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll ein 64 Jahre alter Mann unbefugt in sein Auto eingeladen haben und damit weggefahren sein. Die Staatsanwaltschaft wertete das als Diebstahl und deshalb verschickte die Staatsmacht gegen den Rentner einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen á 40 Euro, also immerhin 1200 Euro. Da sich der Senior keiner Schuld bewusst war, erhob er dagegen Einspruch. Deshalb kam es zur Hauptverhandlung am Amtsgericht in Haßfurt, und dabei konnte der Diebstahlsvorwurf tatsächlich nicht nachgewiesen werden. Ergo stellte Strafrichterin Ilona Conver das Verfahren ohne weitere Auflagen ein.

Für die Staatsanwaltschaft verlas ein Referent die Anklageschrift.
Demnach sei Mitte April diesen Jahres der ältere Mann gesehen worden, wie er - außerhalb der regulären Öffnungszeiten - in einem Wertstoffhof im Steigerwald erhebliche Mengen an Kabelresten in seinen Kombi eingeladen habe. In das umzäunte Gelände, so die Anklage weiter, sei der Beschuldigte gekommen, weil er einen Schlüssel benutzt habe, der ihm vor Jahren ausgehändigt worden war, als er landwirtschaftliche Folien abgefahren habe.


Widerspruch

Der Senior wehrte sich vehement gegen diese Vorwürfe. Es könne wohl sein, erklärte er in seiner Einlassung, dass er in der fraglichen Woche den Wertstoffhof besucht habe, aber sicherlich nur während der offiziellen Öffnungszeiten. Einen Schlüssel für das Eingangstor besitze er nicht. Und dass er unberechtigt irgendetwas mitgenommen habe, sei schlicht und einfach nicht wahr. "Ich habe es nicht nötig, etwas zu stehlen", versicherte der Rentner.
Als Zeuge war der Anwohner geladen, der damals den Vorgang dem Chef der örtlichen Abfallwirtschaft gemeldet hatte. Vor Gericht schilderte er seine damaligen Beobachtungen. Aufgefallen sei ihm das Ganze, weil sich der Mann "ständig umgeguckt" habe, so als ob er sichergehen wollte, nicht gesehen zu werden.


Kennzeichen notiert

Allerdings spielte sich das Geschehen etwa 100 bis 150 Meter entfernt ab. Deshalb könnte er den Autofahrer nicht identifizieren, sagte der Zeuge. Das Kennzeichen des Wagens hatte der Beobachter seinerzeit notiert, als das Fahrzeug wegfuhr.
Der Nachbar fügte hinzu, dass er sich nicht hatte vorstellen können, dass sein Anruf "so einen Hype" auslösen würde. "In Zukunft gucke ich einfach weg", lautete seine Konsequenz.


Der Staat trägt die Kosten

Die dünne Beweislage reichte der Gerichtsvorsitzenden nicht zu einer Verurteilung. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft stellten die Juristen das Verfahren ohne weitere Auflagen ein. Damit, erläuterte die Richterin auf Nachfrage des Rentners, komme es zu keiner Eintragung in das polizeiliche Führungszeugnis. Die Kosten des Verfahrens und die Auslagen trägt in dem Fall die Staatskasse.