Kein Urlaub. Kein freier Tag. Keine Elternzeit. Geschweige denn Überstudenausgleich. Der Beruf des Milchbauern klingt nicht sehr verlockend. Zweimal täglich müssen die Kühe gemolken werden und kümmern sich herzlich wenig um den Bandscheibenvorfall des Landwirts, die Schwangerschaft der Bäuerin oder die Hochzeit der Tochter. "Aber es ist halt einfach ein toller Beruf", sagt Ewald Pfuhlmann und strahlt. Man glaubt ihm sofort, dass seine Kühe sein Leben sind.


Idealismus zahlt keine Rechnung

Das Ehepaar aus Untersteinbach (Gemeinde Rauhenebrach) geht in seinem Beruf auf, liebt die Arbeit mit Tieren. Doch eigentlich haben die Pfuhlmanns nichts zu lachen. "Mir bleiben derzeit rund 29 Cent pro Liter Milch übrig", sagt Pfuhlmann. Damit sind es zehn Cent weniger als im Vorjahr. Und selbst da war es schon knapp.

"Um die Erzeugungskosten zu decken, müssten uns mindestens 40 Cent pro Liter bleiben", erklärt der Landwirt weiter. Und Idealismus allein bringt kein Geld aufs Konto.


Geld leihen, um zu arbeiten

Immerhin liefere Pfuhlmann die Milch seiner 75 Kühe an einen Konzern, der pro Liter Milch einen Cent mehr als andere zahlt. Mehr, aber trotzdem nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Wir mussten ein Darlehen aufnehmen", sagt Pfuhlmann. Schulden machen, um arbeiten zu dürfen.

Der Milchpreis wird in Deutschland immer weiter gedrückt. Zudem ist der Weltmarkt instabil. So ist erst der russische Markt aufgrund von Putins Import-Embargo komplett weggebrochen. Doch die Milch wird in gleichen, zum Teil sogar steigenden Mengen produziert. Und ist nichts mehr wert. "Es ist die dritte Milchkrise innerhalb von sechs Jahren", betont Pfuhlmann. Den Landwirten reicht es. Doch die Politik ändere sich nicht, sagt Pfuhlmann - verärgert und fast resigniert.

So fahren er und seine Kollegen vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) aus ganz Deutschland am heutigen Dienstag nach München. Sie wollen mit dieser Aktion die Politik - vor allem Agrarminister Christian Schmidt (CSU) - auf die untragbare Lage aufmerksam machen. Der BDM fordert die Installation eines Sicherheitsnetzes für den EU-Milchmarkt. Für den Steigerwald-Landwirt, der seine Kühe kennt, ihnen Namen gibt und Respekt erweist, ein letzter Versuch. "Eigentlich wollten wir noch mindestens zehn Jahre weitermachen, aber wenn es so weitergeht, müssen wir aufhören."


Kommentar

Der Verbraucher kann etwas tun

Kaum vorstellbar, ein Darlehen aufnehmen zu müssen, um weiter arbeiten zu dürfen. Doch das ist die Realität vieler, vor allem kleinerer Milchviehbetriebe. Und bisher schaut die Politik zu und hofft auf eine Selbstregulierung des Marktes - natürlich auf Kosten der kleinen Betriebe, die durch ständige Milchkrisen in die Knie gezwungen werden. So kann es nicht weitergehen. Die Politik muss ran.

Doch auch wir, die scheinbar machtlosen Verbraucher, können etwas bewirken. Etwa mit dem Kauf der richtigen Produkte, wie der "fairen Milch", die gentechnikfrei produziert und kostendeckend verkauft wird. Um sich richtig zu entscheiden, reicht oft schon gesunder Menschenverstand. Ein Liter Milch, der im Laden 55 Cent kostet, kann dem Bauern keine 40 Cent einbringen. Die Nachfrage bestimmt den Markt, und jeder Kunde hat eine Stimme. Denn die Wahl haben wir nicht nur auf politischer Ebene, sondern jeden Tag im Supermarkt.