Nur, weil der 45-Jährige aus dem Steigerwald noch keinerlei Vorstrafen hat, zeigte sich Staatsanwalt Ralf Hofmann mit der Einstellung des Verfahrens wegen gefährlicher Körperverletzung einverstanden. So gab es zwar keine Verurteilung. Doch ist die vorläufige Einstellung des Verfahrens durch das Amtsgericht Haßfurt verbunden mit einer saftigen Geldauflage: 1000 Euro muss der Kraftfahrer an seine Ex-Freundin und 1500 Euro an den Kreisverband des Weißen Rings Haßberge zahlen. Wenn er diese Beträge innerhalb der nächsten drei Monate überweist, wird die Akte endgültig geschlossen.


Vorfall passierte im Sommer

Es müssen hässliche Szenen gewesen sein, die sich in den Abendstunden des 3. Juli dieses Jahres in einer Pferdekoppel tief im Steigerwald abgespielt haben.
Eine Pferdebesitzerin (35) war - mit ihrem neuen Freund - gerade damit beschäftigt, die Stallungen zu reinigen. Mit einer Maurerkelle hob sie die auf dem Boden liegenden Pferdeäpfel auf und warf sie in einen mitgebrachten Eimer. In dieser Situation tauchte - aus welchem Grund, blieb ungeklärt - ihr ehemaliger Lebensgefährte auf.

Wie die Frau im Zeugenstand schilderte, war ihr damaliger "Ex" "total in Rage" und schrie hasserfüllt auf sie und ihren neuen Freund ein. Immer wieder habe sie ihn aufgefordert, endlich abzuhauen. Doch der Eifersüchtige konnte oder wollte sich nicht beruhigen, sondern steigerte sich immer weiter in seinen Ärger hinein. Schließlich habe er die Beherrschung verloren, beschrieb die Frau als Zeugin, und ihr unter wüsten Beschimpfungen ins Gesicht gespuckt und sie zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.


Werkzeug gegen die Frau geworfen

Aus dem Misteimer habe er dann die Kelle genommen und in ihre Richtung geworfen. Das Werkzeug traf die Frau am Schienbein und verursachte eine schmerzhafte Stichwunde am Unterschenkel.

"Dir gehören die Zähne ausgeschlagen, und den anderen erwisch' ich auch noch", habe der Angeklagte gebrüllt. Wie sich das Opfer erinnerte, sei er dann mit den Worten "Jetzt kannst du mich ja anzeigen!" wütend von dannen gezogen. Was die Geschlagene am nächsten Tag auch machte, als sie auf der Polizeidienststelle in Haßfurt Anzeige erstattete.

Der Wurf mit der Kelle wird juristisch nicht als einfache, sondern - weil eben ein Werkzeug zu Hilfe genommen wird - als gefährliche Körperverletzung gewertet und dementsprechend härter bestraft. Als bislang unbescholtener Bürger hatte der Mann Ende August 2015 einen Strafbefehl vom Staatsanwalt über eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro, also über insgesamt 2700 Euro, bekommen. Nachdem er mit Rechtsanwalt Marc Brab gesprochen hatte, legte dieser fristgerecht Einspruch ein.


Strafrechtlich nicht vorbelastet

Die jetzige Verfahrenseinstellung kommt zwar nicht billiger als der Strafbefehl, hat für den Kraftfahrer aber trotzdem einen wesentlichen Vorteil: Es erfolgt kein Eintrag in seinem Bundeszentralregister, und er gilt nach wie vor strafrechtlich als nicht vorbelastet. Außerdem erhält das Opfer einen Teil des Geldbetrages, wodurch eine eventuell mögliche Zivilklage auf Schmerzensgeld wohl vermieden und damit der Rechtsfrieden wiederhergestellt wird.