Walter Kestler drückt den Schalter an der Krippe. Die ersten Töne von "Stille Nacht, Heilige Nacht" erklingen. Zaghaft beginnt sich das Mühlrad zu drehen. Im Holzofen flackert ein Feuer, ein Kätzchen leckt sich in der Zimmerei die Pfoten. Es wird Abend, die Glocken der Kapelle von Eschenbach läuten, die Sterne funkeln am Abendhimmel.

Die Liebe zum Detail - das ist es, was die Krippen von Walter Kestler ausmacht. Wenn der Hobbykrippenbauer aus Haßfurt eine Krippe baut, dann achtet er auf jede Kleinigkeit. Auf die Axt in der Zimmerei, die Taube auf dem Bäumchen oder das fertige Brot im Holzofen. "Das Besondere an Krippen ist doch, dass man jedes Mal etwas Neues entdeckt", erklärt der 73-Jährige seine Begeisterung für die kleinen Dinge.


Viel zu entdecken

Sein neuestes Exemplar ist eine fränkische Landschaftskrippe mit Mühle, Zimmerei und der Kapelle von Eschenbach, inklusive originalem Glockenläuten. "Und der Sternenhimmel ist der originalgetreue Sternenhimmel vom Heiligabend in Bethlehem", sagt Kestler.

Eineinhalb Jahre hat der Bastler an der neuen Krippe gearbeitet. "Wobei ich mal mehr und mal weniger Lust dazu habe", sagt er. Ihm geht es vor allem darum, dass ihm das Bauen der Krippen gut tut. Und wenn ihm der Sinn mal nicht nach Basteln ist, dann lässt er es eben. "Es ist ja nur ein Hobby, ich verdiene kein Geld damit."

Ganz im Gegenteil. Krippen zu bauen ist ein teurer Spaß. Die Materialien, die Technik, die Werkzeuge - all das kostet Geld. Vor sechs Jahren stellte Kestler 86 seiner Krippen in Haßfurt aus. "Hochgerechnet hatte dieser Krippenweg einen Wert von über 20 000 Euro", sagt Kestler. Verkauft habe er damals aber trotzdem ein paar Krippen. "Ich verschenke auch ab und an welche", fügt der Vater von drei erwachsenen Kindern hinzu. Dabei zeigt er auf eine Krippe mit kleinen Spielfiguren unter einer Wurzel. "Die habe ich für mein jüngstes Enkelkind gemacht, dass es was vom Krippenopa hat", erklärt er lachend.


Einmal bauen, zweimal freuen

Er erzählt, eine Frau habe ihn neulich gefragt, was mit seinen sicherlich rund 100 Krippen passiert, wenn er mal nicht mehr ist. "Naja, hab' ich gesagt, dann sollen meine Kinder eine Mulde holen und alles platt machen", sagt er schulterzuckend. Die Frau habe das nicht verstehen können. "Aber es ist eben so, ich mache das einfach, weil es mir gut tut."

Noch schöner ist es für ihn natürlich, wenn sich auch andere an seinen Krippen erfreuen. Er verrät, dass er schon die Reaktion der Leute, die seine Krippen bei Ausstellungen ansehen, beobachte. "Dann kann ich mich zweimal an einer Krippe erfreuen: Einmal, wenn ich die Krippe fertig gebaut habe, und ein zweites Mal, wenn ich sehe, dass sie den Leuten gefällt."