Nach dem Tief- beim Schuldenstand im Vorjahr türmen sich im neuen Haushalt die roten Zahlen im Zahlenwerk, das der Marktgemeinderat am Montagabend ohne Gegenstimme absegnete, nur so auf. Der Grund? Der für 2016 schon angepeilte Kredit muss nun aufgenommen werden (338 000 Euro), weil die Rechnungen erst jetzt eingingen, und für aktuell begonnene Maßnahmen braucht die Gemeinde ein weiteres Darlehen (388 000 Euro), womit der Schuldenstand von 834 000 Euro allein in diesem Jahr auf fast 1,5 Millionen Euro nach oben schießt.
Und ein Ende der Fahnenstange mag VG-Kämmerer Horst Junge noch nicht erkennen (siehe Tabelle). "Wir werden uns das vom Landratsamt genehmigen lassen müssen."


Kindergarten zu klein

Dabei finden sich für weitere Herausforderungen noch gar keine Ansätze in dem fast 200 Seiten starken Zahlenwerk. So berichtete Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD) von einem Hilferuf aus dem Kindergarten: "Der platzt aus allen Nähten. Die Erzieherinnen kommen nicht mehr zurecht."

Deswegen werde schon von einem Anbau gesprochen. Er, Sendelbeck, habe wegen der Nutzung freier Räume in der Grundschule auch schon mit Rektorin Schnitzer und Schulverbandsvorsitzendem Hennemann Kontakt aufgenommen. Sendelbeck: "Es ziehen viele junge Familien zu uns und wir wollten viele Kinder. Jetzt ist es so weit."

Noch ein Projekt, das auf manchen Wunschlisten ganz oben rangiert, taucht im neuen Haushalt nicht auf: Ein neues Feuerwehrhaus, weswegen Willi Andres (CSU) nachhakte. "Dazu gibt es noch keinen Plan und unser Bauamt schafft es nicht, einen zu erstellen. Kosten für einen externen Planer von 120 000 Euro können wir uns nicht leisten", beschrieb der Bürgermeister den Knackpunkt.


Feuerwehrhaus größer als Ebern?

Es gebe zwar einen Entwurf, der "sieht aber einen Bau vor, der größer ist als der der Eberner Feuerwehr", verriet Sendelbeck. Als Standort werde der Parkplatz oberhalb des Sportplatzes favorisiert, weil "die Feuerwehr dann in acht Minuten in jedem Ortsteil sein kann". Sendelbeck: "Wenn wir aber auch eine Planung finanzieren müssen, kostet's viel Geld."

Steffen Kropp (SPD) sprach für die Feuerwehr, dass "wir das auch so sehen. Ein Neubau muss im Rahmen bleiben." Zweiter Bürgermeister Kurt Weißheimer (ÜWG) bat Bauamtsleiter Martin Lang darum, eine Planung "doch mal vorzusehen".

So viel, zu Projekten, die im neuen Haushalt gar nicht auftauchen. Begonnen haben die Brückenbauarbeiten über die Baunach bei Gräfenholz. Trotz der guten Förderung bleibe eine hohe Belastung, da beispielsweise die Planungskosten nicht bezuschusst werden, so Junge.


Viel Geld fließt in den Kanal

Restkosten folgen für die Gehwege in Losbergsgereuth an sowie für die Breitband-/DSL-Erschließung, die sich weiter verzögert. Im Abwasserbereich fallen fast 200 000 Euro an, allein für 125 000 Euro für eine moderne Störungs-Meldeeinrichtung, die am Montag auch beschlossen wurde. Ludwig Bock (ÜWG) fragte nach, ob "dann noch Geld drin ist, um den Fremdwasseranteil zu senken?" Ja, 25 000 Euro, antwortete Horst Junge.

Willi Andres grübelte, dass "wir in diesem Jahr 700 000 Euro aufnehmen", was es in seiner Zeit als Gemeinderat noch nie gegeben habe. Und da ging ihm ein Licht auf: Ob denn von der Photovoltaikanlage Hebendorf schon etwas für die Gemeinde abwerfe?, wollte er wissen. Darauf der Bürgermeister: "Ich darf nix sagen. Aber es ist schön ganz was kumma." Der Haushalt wurde einstimmig verabschiedet. Er hat ein Gesamtvolumen von fast 4,3 Millionen Euro.

Es fiel der Begriff vom Shooting-Star und vom Sprung auf der Karriereleiter: Stefan Horn (CSU) beerbt Armin Schätzlein, der aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat niedergelegt hatte, nicht nur als Gemeinderat und weiterer Treinfelder Ortsteilvertreter, sondern wurde zu Beginn der Marktgemeinderats-Sitzung am Montagabend auch einstimmig zum Dritten Bürgermeister gewählt. Horn vorgeschlagen hatte Willi Andres.

Ob der gespannten Haushaltslage zog der Gemeinderat am Montag bei einem kleinen Posten schon mal die Reißleine. Beim Landkreis-Projekt der blühenden Wiesen zieht Rentweinsdorf nicht mit. "Wir haben erst 378 Euro an Samen über die Baunach-Allianz für eine Bienenwiese in der Kappelleite gekauft und eine Woche später ist der Landkreis gekommen mit einem Leader-Projekt, das insgesamt 70 000 Euro kostet", blickte Sendelbeck zurück, der eine innere Zerrissenheit offenbarte: "Auf Kreisebene habe ich zwar dafür gestimmt, kann mich als Bürgermeister aber nicht dafür begeistern. Wir haben unsere Blumenwiese, und wenn man 1300 Euro sparen kann, die wir leisten müssten ..." Die Kollegen sahen dies nicht anders.

Überzeugen ließen sie sich dagegen von VG-Bauamtsleiter Martin Lang, wonach das Fernwirksystem der Kläranlage in Ebern auf alle Pumpwerke und Überlaufbecken innerhalb der Marktgemeinde ausgeweitet werden solle, wozu schon ein Grundsatzbeschluss gefasst worden war. Lang: "Damit bekommen wir einen zentralen Überblick und Kontrolle, auch am Wochenende und können steuernd eingreifen." Beim Bau der Anlagen in den Jahren 1997/98 sei man mit der Datenübertragung noch nicht so weit gewesen.


Kanalgebühr wird angehoben

Ohne große Diskussion stimmte der Rat der 125 000-Euro-Maßnahme zu, wobei die Finanzierung über die Kanalgebühr erfolgen soll, was eine Erhöhung von derzeit 2,75 Euro je Kubikmeter um rund 25 Cent nach sich ziehen dürfte.

Zur (un-)endlichen Geschichte entwickelt sich die Breitbandverkabelung in der Marktgemeinde, die sich weiter verzögert, wie Dirk Suhl als Protokollführer und VG-Breitbandbeauftragter ins eigene Protokoll schrieb und vor dem Gremium klagte. "Wir haben wenig Möglichkeiten, bei der Telekom Druck zu machen. Denen fehlen einfach die Kapazitäten, den Ausbau abzuschließen", sagte Suhl, obgleich am Dienstag ein Telekom-Duo in der Marktgemeinde unterwegs war.

Suhl: "Jetzt wurden wir auf 2. Juni als Freischalttermin vertröstet. Das läuft jetzt so im Sechs-Wochen-Turnus. Aber was wollen wir gegen so einen großen Apparat machen? Bei denen hakt es hinten und vorne."

"Wir haben in der Verwaltung schon böse Briefe erhalten", stand Bürgermeister Sendelbeck seinen Mitarbeitern zur Seite.