Nach den Turbulenzen um die Windräder braut sich in den Stadtteilen Reutersbrunn und Eichelberg schon wieder etwas zusammen. Doch diesmal kein Ungemach. Im Gegenteil: süffiger Gerstensaft - am Samstag wurde das erste Eichelbrunner Reutzla (Arbeitstitel) aus der Taufe bzw. dem Bottich gehoben. Ein Lagerbier mit 12,5 Prozent Stammwürze, unfiltriert.

Für die Bier-Premiere hatte der Brau-Trupp den Haßberge-Bierprinz Sebastian Gocker angeheuert, der nicht nur die notwendigen Gerätschaften, sondern auch explizites Wissen um die Herstellung des köstlichen Getränks mitbrachte.

100 Liter reifen nun in den nächsten Wochen zunächst im Gärbottich und acht Wochen lang im Fass. Danach kommt der Hausbräu zum Ausschank. "Auf halber Strecke zwischen Eichelberg und Reutersbrunn", hieß aus Reihen der sechsköpfigen Bräuer-Mannschaft, die sich Details der Rezeptur nicht entlocken ließ.

Allein bei der 20 Kilo schweren Malzmischung nannte Roland Schramm ein paar Nuancen. Und voller Lokalpatriotismus zeigte er Bilder vom Vorabend, als 140 Liter des heimischen Wassers aus dem Schnellbrunnen in Fässern gefüllt wurden. "Die Güte des Wassers unserer eigenen Dorfversorgung ist legendär und der Brunnen schüttet noch immer einen Liter pro Sekunde."

Beim Brauen auf dem Platz vor der alten Schule, wo u.a. es Wild-Leckereien aus dem Kessel, Schlachtschüssel, Leberwürste, blaue Zipfel, Mettwurst-Brote gab, diente der nahe Limperts-Brunnen zum Kühlen. "Der einzige noch aktive Brunnen im Dorf."

Nach Brünn und Höchstädten haben die Reutersbrunner und Eichelberger nun nicht nur ihr eigenes Dorfwappen, sondern auch ihr Bier. "Eigentlich gibt es es bei uns im Dorf ja keine Biertradition, aber Hausbrau-Rechte existieren auf einigen Hofstellen", weiß Schramm, der Protokollführer des Trupps, während Joachim Dietz als Temperatur-Controller fungierte (bis zu 78 Grad). Als Zeitnehmer war Marcel Leibold im Einsatz, Johannes Kammerer war für die diversen Bierhähne zuständig, Bernd Ebert der Gas-Beauftragter.

Der Eichelberger Ortssprecher war es auch, der als Tourismus-Beauftragter des Stadtrates diese Form des Innen-Marketings angeleiert hatte. In Sachen Tourismuswerbung zusammen mit dem Bier-Prinz auf der Freizeitmesse in Nürnberg im Einsatz wurde die Idee geboren, Sebastian Gocker zu engagieren, dessen Fachkunde als Hobby-Brauer nicht nur die Teilnehmer des Brau-Kurses verblüffte und der kein Pardon kannte, wenn es darum ging, seine Schützlingen abzufragen: Läutern, Jod-Probe, Maische, Sud, Zuckergehalt, die Fachbegriffe schwirrten nur so durch den Hof.

Wo auch ein Verbandskasten bereit stand. So gab es tatsächlich Verletzungen zu behandeln (keine Alkoholunfälle), was sorgfältig im Protokoll dokumentiert wurde.