Dass es zwischen einem Paar hin und wieder zu einem Streit kommt, ist so normal wie eine Tasse Kaffee zum Frühstück. Aber die Auseinandersetzung, die sich vor einem guten Jahr am frühen Abend im Maintal abspielte, geriet völlig aus den Fugen. Weil ein 27-jähriger Mann seine damalige Lebensgefährtin am Hals würgte und sich dann gegen die gerufenen Polizeibeamten heftig wehrte und diese übelst beschimpfte, wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt. Mit einbezogen in das hohe Strafmaß wurde eine einjährige Haftstrafe, die vor einem halben Jahr ausgesprochen worden war.

Als es zu dem Eklat am 2. Dezember 2014 kam, befand sich der Angeklagte als Klient in der Laufer Mühle, einer soziotherapeutischen Suchthilfeeinrichtung in Mittelfranken. Dort absolvierte er eine Alkoholtherapie.
Auf Nachfrage von Strafrichterin Ilona Conver berichtete er, dass er sich unerlaubt aus dem Staub gemacht hatte.


Freundin holte ihn ab

Die übers Handy herbeigerufene Freundin (45) habe ihn mit ihrem Auto aufgelesen und zu ihrer Wohnung mitgenommen.

Schon auf dem Weg dahin habe er sich ausgiebig an der von der Lebensgefährtin mitgebrachten Wodkaflasche bedient. Ergo war der Gewohnheitstrinker blau, als sie am Ziel ankamen. Anstatt gemeinsam das Wiedersehen einträchtig zu feiern, geriet sich das Pärchen schnell in die Haare. Selbst im Gerichtssaal warf jeder dem jeweils anderen vor, grundlos eifersüchtig gewesen zu sein. Ihre einstige große Liebe, präzisierte die heutige Ex-Freundin, habe ihr das Handy abgenommen und kontrolliert, wann sie mit wem welche Nachrichten ausgetauscht habe.

Als sie ihn daraufhin aus der Wohnung werfen wollte, schilderte die 45-jährige Mutter eines schulpflichtigen Sohnes, sei der Angetrunkene gewalttätig geworden. Mit den Worten "Ich bring dich um, du dumme Sau" habe er sie die Treppe runtergestoßen und dann am Hals gewürgt. Außerdem habe er sich das Handy des 15-jährigen Sohnes gegrabscht.

Als er kurz darauf von den alarmierten Polizeibeamten aufgegriffen wurde, konnte er sich nicht ausweisen. Die Uniformierten erklärten ihm, dass sie ihn zur Polizeiwache mitnehmen müssten.


Polizisten schwer beleidigt

Dagegen sträubte er sich aus Leibeskräften und beschimpfte die Ordnungshüter, unter denen sich auch eine weibliche Einsatzkraft befand, mit den übelsten Ausdrücken. Das räumte der Beschuldigte ohne Abstriche ein.
Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte bei den als Zeugen erschienenen Polizisten mit reuiger Stimme. Seit einem Jahr befindet er sich wieder in Therapie, diesmal in einer Klinik in Murnau. Seine dortige Betreuerin, die ebenfalls in den Zeugenstand trat, bescheinigte ihm eine rückfallfreie Entwicklung und lobenswertes Sozialverhalten. Er sei auf dem besten Weg in ein neues, drogenfreies Leben, wie es hieß.

In ihren Plädoyers stellten Staatsanwältin Anne Christine Breit und Verteidigerin Anna Lottner übereinstimmend fest, dass der Treppensturz nicht nachweisbar sei; die günstige Sozialprognose erkannten sie an. Das noch nicht rechtskräftige Urteil entsprach dem, was die Anklagevertreterin gefordert hatte. Richterin Conver sprach in der Urteilsbegründung von einer Straftat im Kontext einer "hochproblematischen Beziehung mit viel Zündstoff".