Auch am österreichischen Stammsitz der Firma Loacker gibt es Ärger mit einem Recyclingbetrieb des Unternehmens. Analog zu Wonfurt hat sich auch in Götzis/Vorarlberg eine Bürgerinitiative formiert, die gegen eine dort geplante Betriebserweiterung Sturm läuft.
Die Bürgerinitiative (BI) "Lebenswertes Wonfurt" und ihr Pendant in Österreich wollen am Samstag, 5. Mai, in Götzis gemeinsam gegen das Verhalten der Firma Loacker demonstrieren und auf Versäumnisse der Behörden aufmerksam machen. Der Bus startet in Wonfurt um 4 Uhr früh. "Wonfurt ist kein Einzelfall", sagt Stefan Tempel, ein Sprecher der BI in Wonfurt. Die aktuellen Vorgänge in Österreich seien ein weiterer Beleg dafür, dass man der Firma Loacker nicht "blind vertrauen" dürfe.

Eingeschränkter Schredderbetrieb


Am Stammsitz im österreichischen Götzis betreibt Loacker unter anderem eine Schredderanlage zur Zerkleinerung von Autowracks. Wegen der Nähe zur Wohnbebauung und wiederholter Störfälle - Anwohner berichten unter anderem von Explosionen - hatte die Landesregierung den Loacker-Betrieb in Götzis bereits 1998 durch Auflagen eingeschränkt. Seither darf der Schredder am Dienstag- und am Donnerstagnachmittag nicht laufen, und der jährliche Durchlauf wurde auf 80 000 Tonnen Metallschrott begrenzt, berichtet Jörg Stadler von der vor Ort erscheinenden Tageszeitung "Vorarlberger Nachrichten".
Jetzt möchte Loacker den Betreib erweitern und den Schredder bis zu 50 Stunden in der Woche laufen lassen. Firmenchef Michael Loacker geht davon aus, dass sich damit die Kapazität auf 150 000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppeln ließe.
Mehr Umweltprobleme soll es dadurch nicht geben, im Gegenteil, versichert Loacker: Bestandteil des Änderungsantrages bei der Landesregierung sei der Einbau einer neuen Filteranlage mit "deutlich verbesserter Technik"; so soll unter anderem Aktivkohle eingesetzt werden, um die Schadstoffe, die beim Schreddern freigesetzt werden, aus der Abluft zu filtern.

Explosionen


Dieser Logik folgt die Bürgerinitiative in Götzis nicht. Deren Sprecher Erich Burschowsky rechnet anders als Loacker: "Doppelt so viel Schrott heißt auch doppelt so viel Lkw-Verkehr und ein verdoppeltes Umweltrisiko", sagt er unserer Zeitung. Ähnlich wie in Wonfurt sehen die Loacker-Skeptiker ist Österreich Probleme auch, aber nicht in erster Linie beim regulären Betrieb. "Die Gaudi geht los, wenn es zu Störfällen kommt", sagt Borschowsky. Im Loacker-Schredder gebe es immer wieder Explosionen durch brennbare Stoffe in den Autowracks. "Das Risiko lässt sich nicht ausschalten", sagt der BI-Sprecher, der in einem Nachbarort von Götzis wohnt - der heißt kurioserweise Altach (wie der Bach in Wonfurt).
Burschowsky und seine Mitstreiter meinen, "dass kein Filter der Welt" die Schadstoffe aufhalten kann, die bei Explosionen in die Luft geschleudert werden. "Und was erst passieren könnte, wenn sich so eine Explosion zu einem Großbrand auswächst, mag man sich gar nicht vorstellen." Die Bürgerinitiative in Götzis hat bei ihrer Eingabe gegen die Loacker-Pläne bei der Landesregierung darauf verwiesen, dass moderne Autos " Sondermülldeponien" sind. Zahlreiche elektronische Geräte, in denen unter anderem Schwermetalle verbaut sind, hunderte Kilogramm Kabel und die Innenausstattung aus Kunststoff machten aus einem Autowrack einen "Giftcocktail", dessen Verarbeitung ein kaum kalkulierbares Risiko darstelle.

420 Millionen Euro Jahresumsatz


Ähnlich gelagert sind die Bedenken in Wonfurt: Hier verarbeitet Loacker zwar "nur" Elektroschrott (derzeit untersagt) und Kabel, aber auch diese Materialien enthalten zahlreiche Schadstoffe, die beim Schreddern in die Luft und in die Umgebung gelangen. Deshalb soll der Loacker-Betrieb in Wonfurt komplett eingehaust werden.
Dass das Umweltbewusstsein ein laufender Prozess ist, räumt die Firma Loacker auf ihrer Internetseite sogar selbst ein. Das Unternehmen, das 1886 gegründet wurde und heute an 40 Standorten weltweit mit 700 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 420 Millionen Euro erwirtschaftet, schreibt in seiner "Historie" wörtlich: "1986 wurde die erste Schredderanlage in Betrieb genommen. Umweltschutzmaßnahmen und Logistik 2004 entscheidend verbessert."