Ihren 90. Geburtstag feierten am Wochenende die Zwillinge Resi Dürrbeck aus Neubrunn und Friederika Hofmann aus Kirchlauter. Auch wenn die gemeinsame Geburtstagsparty wegen der Coronakrise ins Wasser fallen musste, stellten sich doch viele Gratulanten ein; darunter war Bürgermeister Karl-Heinz Kandler, der die Glückwünsche der Gemeinde Kirchlauter zu dem besonderen Tag überbrachte.

Was heißt "zu dem besonderen Tag"? Resi feierte nämlich schon am Sonntag ihren 90. Geburtstag und Rita erst am gestrigen Montag. Eine Jubilarin wurde kurz vor 24 Uhr am 10. Mai geboren und die andere kurz nach Mitternacht am 11. Mai. Mutter Maria versuchte damals noch die Hebamme zu "bestechen", das eine Geburtsdatum zurückzudatieren, damit die Zwillinge einen gemeinsamen Geburtstag hätten, aber die ließ sich nicht dazu überreden.

In ihrer Vita weisen Resi und Rita viele Gemeinsamkeiten auf. Sie stammen beide aus Breitbrunn und sind geborene Dürrbecks. Resi konnte ihren Mädchen Dürrbeck beibehalten, weil sie Wilhelm Dürrbeck aus Neubrunn heiratete. Schwester Friederika ist den meisten Kirchlautern unter diesem Vornamen kaum bekannt, weil sie von Anfang an Rita genannt wurde.

Wenn sie auf ihre Kindheit zu sprechen kommen, schwärmen beide heute noch von Autos. Fast scheint es so, dass ihnen der Umgang mit Technik in die Wiege gelegt worden wäre. Vom Spielen mit Puppen ist keine Rede.

Vielmehr zeigen die 90-Jährigen mit Stolz das Foto eines "luxuriösen Oldtimers", vor dem sie mit ihrem Vater Gustav Dürrbeck strahlen. "Papa Gustav" war nämlich der erste Einwohner von Breitbrunn, der solch ein Auto besaß und fuhr, und das erregte damals besondere Aufmerksamkeit.

Sie hielten sich als kleine Mädchen lieber in der Werkstatt oder Schmiede ihres Vaters auf, die er sich in einem Nebenraum des Hauses eingerichtet hatte, und drehten dort gerne an den Schrauben. Papa Gustav und sein Bruder Rudolf Dürrbeck waren richtige Tüftler, schmiedeten Pflugscharen und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs. Alte Militär-Jeeps und ausgediente Fahrzeuge mussten als Ersatzteile oder als Grundstock für Fahrzeuge herhalten. Daraus entstand zum Beispiel eine Art Bulldog oder es wurde an Autos gebastelt.

Gustav Dürrbeck war durch einen Zufall zu diesem "schwarzen Automobil" gekommen. Er setzte es für Fahrdienste, etwa nach Bamberg, ein, als Hochzeitsauto oder für traurige Anlässe. So wurde der Sitz ausgebaut und das Auto auch als Leichenwagen verwendet. Oder der Wagen wurde als Transporter genutzt, wenn die Familie in Dörflis bei Bauern Butter und Eier kaufte und die Lebensmittel mit eigenen Produkten auf dem Markt in Bamberg anbot.

Rita Hofmann schwärmt heute noch von Touren nach Schloss Banz, Vierzehnheiligen oder nach Würzburg. Damals, in den Jahren 1934/35, drehten sich die Leute an den Straßen noch nach dem Auto um oder winkten.

Eine schwierige Zeit kam mit dem Zweiten Weltkrieg. Gustav Dürrbeck und sein Bruder Rudolf ließ die Leidenschaft für motorisierte Fahrzeuge aber auch in dieser Zeit nicht los. Es gab kaputte Autos und Motoren. Aus solchen Teilen bauten sie einen kleinen Lastwagen. "Als der Motor zum Laufen kam, ist ein Bruder dem anderen vor lauter Freude auf den Rücken gehüpft", erinnert sich Rita Hofmann heute noch genau.

Dieser Eigenbau wurde als Transporter eingesetzt. Damit wurden zum Beispiel die Glocken für die Kirchlauterer Pfarrkirche aus Hamburg geholt.

Nicht nur die beiden Töchter wurden vom Technik-Gen ihres Vaters regelrecht angesteckt. Es infizierte nahezu die gesamte Familie bis hin zu den Urenkeln. Der Sohn der Zwillingsschwester Resi, Paul Dürrbeck, hat sich einen Metallbaubetrieb in Neubrunn aufgebaut, den nun Tochter Susanne mit ihrem Ehemann Tobias Heckelmann weiterführt. Josef-Paul, der Sohn von Geburtstagskind Rita, schuf sich einen Nebenbetrieb für kleinere Kundendienste und Reparaturen an Autos im elterlichen Betrieb und betreibt einen Reifenhandel. Weitere Verwandte ar-beiten in der Metallindustrie bei "Valeo" in Ebern oder den "Fränkischen" in Königsberg. Ein Urenkel fährt bei den Motocross-Rennen in Bramberg mit und hat dabei auf seiner 50-Kubikzentimeter-Kawaski im vergangenen Jahr beim Mofacross die schnellste Runde erreicht.

Den beiden Jubilarinnen sprachen große Familien die Glückwünsche aus. Rita gratulierten fünf Kinder (drei Buben und zwei Mädchen), 13 Enkel und fünf Urenkel. Sie war mit Josef Hofmann verheiratet, der 2006 verstorben ist. Er hatte den Beruf eines Steinmetz' erlernt und war dann bei den Steinwerken in Eltmann beschäftigt. Dazu wurde die eigene Landwirtschaft betrieben.

Bis vor zwei Jahren führte Rita Hofmann ihren Haushalt noch selbst. Sohn Josef-Paul kümmert sich jetzt mit seiner Familie täglich um die Mutter. Noch heute geht sie gerne über den Hof in die Werkstatt, wenn dort etwas repariert wird. Sie nimmt auch großen Anteil am Dorfgeschehen und liest täglich den "Fränkischen Tag". In der Coronakrise nähte sie für die gesamte Familie Masken.

Schwester Resi konnte aus ihrer Familie die Glückwünsche von ebenfalls fünf Kindern (vier Mädchen und ein Junge) sowie von elf Enkeln und 14 Urenkeln entgegennehmen. Ihr Ehemann Wilhelm ist im Jahr 2000 verstorben. Er hatte die Schusterei im Haus übernommen und arbeitete in der Landwirtschaft mit, bevor er in der "Waldi"-Schuhfabrik und bei der früheren Firma Kugelfischer seinen Lebensunterhalt verdiente. Seine Ehefrau unterstützte ihn in der Landwirtschaft und pflegte lange ihren Schwiegervater.

In der Familie sagt man über Resi Dürrbeck: "Die konnte aus nichts etwas machen und konnte auch um die Ecke denken, wenn etwas kaputt war." Außerdem: "Reparaturen in unserem Haus oder an Lampen hat immer die Mutter ausgeführt, und sie hat natürlich auch selbst den Bulldog gefahren."

Ihr besonders Hobby war das Schwimmen, das sie im damaligen "Freibad" in Breitbrunn erlernt hatte. So musste ihr Mann Wilhelm noch mit 50 Jahren das Schwimmen lernen, weil sie gerne mit ihm in umliegende Bäder fuhr. Dem schloss sich meist ein Einkaufsbummel an. Ihr Garten blühte in allen Jahren. Die Blumen und die Enkel sind die besondere Freude der Jubilarin.