Tobias Kindermann

Der Andrang bei der Bürgerinformation am Freitag war nicht eben groß. Neben offiziellen Vertretern kamen rund 20 Bürger in die Adam-Riese-Halle. Dabei geht es bei dem Projekt um ein wichtiges Thema der Zukunft.
Bad Staffelstein könnte auf dem Areal der Bärenbräu einen Jugendtreff einrichten - wie auch insgesamt mit einem Angebot aus einem regionalen Bierausschank und einem Kulturhaus junge Menschen stärker ansprechen.
Dabei geht es nicht nur um Unterhaltung, es geht auch um etwas anderes: Auf dem Land müssen auch künftig die Bedingungen so gut sein, damit junge Menschen hier gerne leben - oder nach Studium und Ausbildung wieder zurückkehren.
"Wer nach der Schule andere Erfahrungen machen möchte, den hält man nicht. Und das ist auch sein gutes Recht, etwas anders kennenzulernen", sagt Holger Then. Er ist Stadtrat in Bad Staffelstein für die Jungen Bürger (JB), Kreisvorsitzender der Jungen Union und Jugendbeauftragter der Stadt Bad Staffelstein.
Damit deckt der 31-Jährige ein weites Spektrum ab, von - sagen wir mal - ganz jung bis etabliert. Es sei nicht leichter geworden, die Jugend für gesellschaftliche und politische Themen zu begeistern, sagt er. Erst vor einiger Zeit fusionierten die drei Ortsverbände Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain. "Wir haben vor Ort oft einfach nicht einmal mehr die Leute, um Posten wie Schriftführer und Kassierer zu besetzen."


Der Guttenberg-Effekt

Als der örtliche Bundestagsabgeordnete Karl-Theodor zu Guttenberg auf Bundesebene bis zum Wirtschafts- und Verteidigungsminister aufstieg und der populärste Politiker Deutschlands wurde, spürte man auch im JU-Kreisverband wieder ein stärkeres Interesse junger Menschen an Politik. Doch das ging mit dem Abschied Guttenbergs aus der politischen Szene nach der Plagiatsaffäre um seinen Doktortitel wieder zurück. Die Mitgliederzahlen sinken wieder.
Eine weitere Fusion steht an. Sie wird die JU-Verbände in Ebensfeld und im Kelbachgrund betreffen, kündigt er an. Das Interesse an Politik sei geringer geworden, dies liege auch daran, dass die Unterschiede zwischen CDU/CSU und SPD geringer geworden wären. "Und in Berlin haben wir schon die zweite große Koalition hintereinander."
Auch die Jugend in Bad Staffelstein zu erreichen fällt nicht leicht. Erst auf seine dritte Jugendsprechstunde gab es Resonanz - dann aber gleich eine, die produktiv war: Fünf Jugendliche kamen vorbei, um über den maroden Zustand der Skaterbahn zu sprechen - und wenig später, in diesem Frühjahr, machte sich rund ein Dutzend Jugendlicher daran, die marode Skaterbahn mit Unterstützung des Stadtbauhofs wieder flottzumachen.


Ein Puzzlespiel

Das und die Diskussion um die Zukunft des Bärenbräu-Areals sind Puzzlestücke für die Zukunft der Region. Damit eine Region nicht alt wird, müssen die Jungen bleiben. Doch was kann die Politik dafür tun?
Attraktive Lebensbedingungen schaffen. Und vor allem bezahlbare. "Wer in München lebt, kann sich vielleicht in der Auswahl des Arbeitsplatzes besser verwirklichen, hat aber andere Probleme", sagt Then und verweist auf das hohe Niveau der Mieten, die für Familien fast unerschwinglich sind. Gute Kindergärten, ein umfangreiches Betreuungsangebot: "Der Landkreis investiert auch viel in seine Schulen."
Wo die Politik an Grenzen kommt? Das sind die Arbeitsplätze. "Wer studiert, muss hier auch einen Job finden, der zu seinen Qualifikationen passt." Doch es gäbe gute und erfolgreiche Unternehmen im Landkreis, sagt Then mit Blick etwa auf SMIA, Rössler, Johnson Matthey, Lapp oder Baur.
Im Fall Bärenbräu wird es noch dauern, bis sich etwas tut - und auch dann ist der Weg nicht gleich geschafft: "Das dauert schon etwas, bis man für Jugendliche im Vergleich zum Angebot in Coburg oder Bamberg etwas aufholt."