Eine Autovorführung vor einer Stadtratssitzung ist ungewöhnlich. Es ging aber auch um ein ganz besonderes Auto: um den Mirai von Toyota, der mit Wasserstoff angetrieben wird. Den Impuls, dass der örtliche Toyota-Händler ihn vorstellen konnte, dürfte Bürgermeister Andreas Galster (CSU) selbst in der zurückliegenden Stadtratssitzung gegeben haben.

"Mein nächster Dienstwagen", sagte er augenzwinkernd zu den Menschen vor der Rathaustür. Die Anschaffung würde 79 000 Euro ausmachen, wusste er und auch, dass es das Fahrzeug derzeit nur zum Leasen gibt, aber der Bund auch eine Förderung für öffentliche Einrichtung ins Leben gerufen hat, die greift, wenn drei wasserstoffangetriebene Autos angeschafft werden.

Selbst kleine Baufahrzeuge, wie sie Stadtgärtnereien oder Bauhöfe brauchen, sind schon auf dem Markt. "Eine Vision geht in Serie", schreibt Toyota über die Vorstellung des Fahrzeugs.

Wichtig ist dem japanischen Autohersteller der vorbildliche Sicherheitsstandard, hoher Fahrkomfort in Kombination mit bestmöglicher Umweltverträglichkeit. Denn aus dem "Auspuff" kommt nur reiner Wasserdampf. Der Energieträger Wasserstoff ist aus einer Vielzahl natürlicher Ausgangsstoffe zu gewinnen, auch aus Abfallstoffen oder Klärschlamm.

Das komprimierte Gas wird in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die beim Mirai einen Motor mit 154 Pferdestärken antreibt. Eine Tankfüllung mit fünf Kilogramm Wasserstoff reicht für 500 Kilometer. Die nächstgelegene Tankstelle für den hiesigen Raum wird derzeit in Erlangen in der Bunsenstraße gebaut. In Geiselwind, auf dem Erlebnisrasthof Strohofer ist seit gut drei Jahren eine Wasserstoff-Zapfsäule in Betrieb.

Vergleich mit E-Auto

Der Vergleich mit E-Autos war sofort ein Gesprächsthema vor dem Baiersdorfer Rathaus. Bei zwei Punkten ist Wasserstoff im Vorteil. Zum einen bei der Tankbefüllung: Wasserstoff kann durch die Gastankzüge genauso wie Benzin oder Diesel zur Zapfsäule gebracht werden. Außerdem braucht es kein Stromnetz, dessen Leitungskapazität stark ausgebaut werden muss, wenn mehrere E-Autos gleichzeitig im selben Straßenzug "betankt" werden sollen.

Überlastung der bestehenden Stromnetze ist bei E-Mobilität ein Problem, ist doch zu erwarten, dass die meisten Nutzer über Nacht aufladen wollen, aber bei weitem nicht jeder dazu auf selbst produzierten Strom aus einer Photovoltaik-Anlage zurückgreifen kann.

"Das andere ist der große Bedarf an Lithium für die Akkus", ergänzte ein anderer. Eine bekannte Gewinnungsstelle liegt im chilenischen Hochgebirge. Dort gibt es lithiumreiche Salzquellen. Durch Verdunsten wird der reine Stoff gewonnen. Die starke Entnahme aus diesen Quellen führte inzwischen dazu, dass in der dortigen Region Süßwassermangel auftritt, weil die Grundwasserströme die Entnahme auffüllen wollen.

Dem steht beim Wasserstoffantrieb der hohe Druck von 700 bar im Tank gegenüber, denn Wasserstoff ist hochexplosiv. Deshalb forscht das Helmholtz-Institut der Erlanger Universität nach einer Trägerflüssigkeit, die weder explosiv noch toxisch ist. Sie bindet den Wasserstoff und setzt ihn bei Bedarf wieder frei. Die Trägersubstanz bleibt als "flüssige Pfandflasche" erhalten und kann jederzeit neu beladen werden. Die sogenannte LOHC-Technologie (liquid organic hydrogen carrier) ermöglicht die effiziente und völlig gefahrlose Speicherung von Wasserstoff.

Die Erlanger Wissenschaftler um die Professoren Peter Wasserscheid, Wolfgang Arlt und Doktor Daniel Teichmann, wurden für ihre Entwicklung zum Deutschen Zukunftspreis 2018 nominiert. Auf ihr Forschungsprojekt setzt Bürgermeister Galster, damit der Wasserstoffantrieb sich einen Markt erobern kann.