Brigitte Krause

"Wo find' mer euch?" Die Frage hört Alexandra Gleichmann jetzt am Telefon. Die Leute wollen Eier kaufen. Das "Gift-Ei" aus Holland schreckt ab, man besinnt sich auf die heimischen Erzeuger. Die mussten bislang mit dem Discounter-Ei in brutaler Verdrängungskonkurrenz leben. Für zehn Cent das Ei kann ein Landwirt nicht produzieren, wenn er die Qualität verkaufen will, die der bewusste Verbraucher wünscht. Um die Kontroll- und Dokumentationspflichten zu erfüllen, muss ein heimischer Betrieb alle familiären Kräfte mobilisieren. Ohne Opa Alfred ginge es auch in Familie Rügheimer nicht. Denn weitere Mitarbeiter kann der im Verhältnis kleine Eiererzeuger nicht bezahlen.
",Aufn Sonntag ess' mer ja eure Eier, aber zum Kuchenbacken tun's die billigen auch.‘ Sie glauben gar nicht, wie oft wir den Satz hören", bilanziert Roland Rügheimer vom Vier-Burgen-Blick-Hof. Eine gewisse Resignation schwingt mit.
Die Landwirte-Familien in Pfarrweisach und im Burgpreppacher Gemeindeteil Hohnhausen gehören zu den regionalen Geflügelhaltern und Eiererzeugern im Landkreis Haßberge, sie sind "kleinere" Betriebe und produzieren zertifizierte Qualitätseier. Rügheimer mit 7000 Hennen in Freilandhaltung, Schneider (Senior)/ Gleichmann (Junior) mit 10 000 Tieren in Stall-Bodenhaltung. Beide arbeiten konventionell und bekommen somit auch Wind von der anderen Seite. Roland Rügheimer kennt nämlich auch das: Am Kühlregal hat er auf seine Anregung hin, doch das regionale Angebot zu wählen, von einer Kundin die Antwort bekommen: "Aber ich will Bio-Eier."
Ist das im Großbetrieb erzeugte "Bio"-Produkt wirklich so gut? Erst kürzlich gab es Berichte über "Bio"-Missbrauch, es folgte der Aufreger Fipronil in niederländischen Eiern. Aldi nahm die Ware aus den Regalen.
Das Traurige ist für Roland Rügheimer, "dass es die Menschen in 14 Tagen wieder vergessen haben".


Die Bürokratie wird erdrückend

Tag für Tag gleich sind hingegen seine Anstrengungen, ein gutes Produkt herzustellen, und diese Anstrengungen wachsen gerade für die kleinen Erzeuger. Mit jedem Skandal werden die Auflagen mehr, berichten die Geflügelhalter. Für das "KAT"-Siegel, das etwa Edeka voraussetzt, gibt es unangemeldete Kontrollen, ob die Freilandtiere wirklich spätestens um 10 Uhr vormittags draußen sind. Der große Lebensmittelhändler, den Rügheimer beliefern darf, verlangte umgehend eine eidesstattliche Erklärung, dass im Betrieb kein Fipronil eingesetzt wird. Das Haftungsrisiko ist beklemmend, findet Alexandra Gleichmann: Sie hatte frühmorgens das Landratsamt am Telefon: Welches Desinfektionsmittel wird zur Stallreinigung eingesetzt?
Beide Höfe benutzen nur zugelassene Mittel, dokumentieren im Detail Futtermengen, Besucherlisten, Reinigungs-, Desinfektions-, Schadnagerplänen, Impfaufzeichnungen und, und, und. Das zählt offenbar nicht, ein Kampf gegen Windmühlen. Will man die Landwirte überhaupt noch haben?
Ralf Gleichmann ärgert sich über schwarze Schafe: "Es werden immer höhere Auflagen wegen solcher Idioten." "Die, die Dreck am Stecken haben, die sollte man stärker kontrollieren", fordert seine Frau. Für sie schrauben sich die Anforderungen immer höher, im Grunde möchten sie den Kindern den Beruf Landwirt nicht antun. Freilich ist Roland Rügheimer stolz, dass der 16-jährige Hannes genau das lernen will. Die 18-jährige Annalena nimmt ein duales Studium der Betriebswirtschaft bei Edeka auf.
Roland Rügheimer führt aus: Um das Siegel "Geprüfte Qualität aus Bayern" zu erhalten und bei Edeka Eier anbieten zu dürfen, muss er sich vierteljährlichen Kontrollen unterziehen, die letzte Prüfung kostete ihn 1680 Euro. Bei einem Produkt, das an den Geflügelbörsen in Deutschland und Holland mit acht Cent und Schattierungen von halben und viertel Cent gehandelt wird, ist das eine Summe, die ein Kleinerzeuger auffangen muss. Dabei hält Rügheimer wie der Bio-Bauer je eine Henne auf vier Quadratmetern. Wenn wenigstens ein "Großer" im Verhältnis dasselbe zahlen müsste - ist aber nicht so.
Die Mehrkosten kann er nicht umlegen; betriebswirtschaftlich finanzieren muss er überdies die Pflege des Supermarktregals, in denen er seine Ware anbieten darf. Die Packungen der großen Konkurrenz räumen Marktmitarbeiter ein. Mit ein Grund, warum Regionalerzeuger viel Zeit auf der Straße verbringen, um die Kundschaft von Lebensmittelmarkt bis Bäcker, Metzger oder Gärtnerei zu beliefern.
Gleichmann und Rügheimer kaufen kein Fertigfutter, sondern bauen das Futter selber an und mischen es: Maiskörner, Weizen, Rapsöl, Mineralien und "Kalk aus Wattendorf" (Rügheimer). Dazu braucht es Sachverstand, denn Legehennen brauchen gutes Futter. In der Freilandhaltung können sie scharren und picken, bei Bodenhaltung muss sich der Halter etwas einfallen lassen, seit im Januar das Schnabelkupieren verboten ist. Davor wurde den Küken der spitze Schnabel einige Millimeter abgelasert, so sank die Gefahr, dass sie sich später gegenseitig verletzen.
Fortbildungen sind daher für einen Landwirt essenziell, im Schnabel-Fall heißt es bei der Bodenhaltung: eine Ablenkung schaffen.


Hafer statt Holzfasern

Großbetriebe streuen Holzfasern. Ralf Gleichmann hat das getestet. "Das hat mir aber nicht gefallen." Der Landwirt baut daher Hafer an: Er mischt gequetschte Haferkörner in die Bodenlage aus Dinkelspreu. Die Hühner picken nach dem Hafer, sind beschäftigt und danken es mit besserer Leistung.