Tobias Kindermann

Wer wird die Betten aus Kutzenberg übernehmen - und damit möglicherweise auch Mitarbeiter, die dort durch die Schließung von Orthopädie und Thoraxchirurgie ihren Arbeitsplatz verlieren werden?
Das bayerische Gesundheitsministerium weist in einer Mitteilung noch einmal deutlich auf zwei Punkte hin: "Spekulationen, wonach die geplanten Veränderungen angeblich auf einer Absprache zwischen dem Bezirk Oberfranken und der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml beruhen, sind frei erfunden und falsch", sagt Jörg Säuberlich, Leiter der Pressestelle.
Bisher erscheint es aber tatsächlich so, als wäre die Angelegenheit schon gelaufen und die Umsetzung der Orthopädie nach Scheßlitz und der Thoraxchirurgie nach Bamberg nur noch Formsache. Das liegt aber vor allem daran, dass die interessierten Kliniken selbstbewusst auftreten - und auch Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) diese Lösung favorisiert - schließlich war es auch der Bezirk selber, der die beiden Krankenhäuser ins Gespräch brachte.
Noch sind mehr Fragen offen als geklärt. Das Gesundheitsministerium drückt es - das ist der zweite Punkt - so aus: "Wenn im Gefolge dieser Entscheidung des Bezirks Oberfranken Änderungen des Krankenhausplans wie zusätzliche Planbetten oder Fachrichtungen an einem anderen Krankenhaus erforderlich werden, wird der Krankenhausplanungsausschuss befasst. Mit welchen Fragen im konkreten Fall der Krankenhausplanungsausschuss zu befassen ist, steht derzeit allerdings noch nicht abschließend fest."


Zwei Anträge

Bezirk und die beiden Kliniken in Scheßlitz und Bamberg haben einen gemeinsamen Antrag vorgelegt. Aber auch der Klinikverbund Regiomed, zu dem das Klinikum Lichtenfels gehört, bringt sich in Stellung. Alle arbeiten noch an Konzepten - und erst dann kann der Krankenhausplanungsausschuss beraten wie es weitergeht. Dessen Votum ist für das Ministerium nicht bindend, aber man sei angehalten, eine einvernehmliche Lösung zu finden, betont man in München. Das sei in der Vergangenheit immer gelungen.
Für den Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) geht es dabei aber um mehr, als Abteilungen aus Kutzenberg zu Regiomed zu holen: "Mir liegt viel daran, die bisher bestehende Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen zu erhalten." Die Entwicklungen in Kutzenberg seien nicht isoliert zu betrachten, es gäbe dort eine gute Kooperation mit weiteren medizinischen Häusern im Landkreis Lichtenfels.
In Bad Staffelstein etwa befinden sich drei Einrichtungen, die sich bisher gut mit Kutzenberg ergänzten: Die Reha-Klinik im Lautergrund, die Schön-Klinik und Theramed. "Ich habe von dort aus viele besorgte Anrufe erhalten."


Prominenter Neuzugang

Dem Klinikum Lichtenfels könnte bei so einer Bewerbung ein personeller Neuzugang helfen. Seit Anfang April arbeitet dort Dr. Jörg Harrer , ein Experte für Endoprothetik, Orthopädie und spezielle Unfallchirurgie. Der gebürtige Kulmbacher leitete vorher das Endoprothetikzentrum am Klinikum Bamberg. "Harrer hat ein unglaubliches Renommee", sagt Meißner.
Denn im Krankenhausplanungsausschuss werden auch solche Dinge ein Thema sein: Wie gut ist die medizinische Versorgung, die eine Klinik bieten kann? Deshalb arbeitet man bei Regiomed nun daran, ein schlüssiges Konzept aufzustellen. Ob der Ausschuss dann schon bei seiner Sitzung im Mai abschließend beraten kann, hängt davon ab, ob bis dahin alle offenen Fragen geklärt werden können, sagt das Gesundheitsministerium.