Wie war Weihnachten eigentlich früher, zum Beispiel 1955? Das wollten wir von unseren Lesern wissen. Und zwei von ihnen haben prompt reagiert.

Ursula Hübner archiviert und digitalisiert derzeit Fotos aus ihrer Kindheit, die sie bei ihren Eltern gefunden hat. "Ich weiß zwar nicht, ob das unsere Kinder und Enkel später einmal interessiert", sinniert sie, "aber schaden kann es auch nicht."

Ursula Hübner erinnert sich: "Meine Mutter musste als 22-Jährige am 19. Januar 1945 mit einem Pferdefuhrwerk aus Westpreußen vor den anrückenden Russen fliehen. Mit dabei waren mein damals sechs Monate alter großer Bruder und meine Großmutter. Am 25. Februar kamen sie in Untersteinach an und wurden in ein zugewiesenes Zimmer einquartiert. Am 11. August kam auch mein Vater aus dem Krieg zurück."

Hübner fallen natürlich gerade jetzt alte Weihnachtsbilder ins Auge, zum Beispiel von 1955. Sie war damals gerade sechs Jahre alt. Die sechsköpfige Familie lebte in einer Drei-Zimmer-Wohnung, eine gewisse Normalität in der neuen Heimat war eingekehrt. "In der Adventszeit hing ein Kranz an der Decke. Jeden Sonntagnachmittag wurden Lieder gesungen, es gab Pfefferkuchen und Spritzgebäck. Dazu wurden lustige schlesische Geschichten in Mundart vorgelesen. An Weihnachten stand auf dem Schränkchen in der Ecke eine Fichte. Vatis Aufgabe war es, die Kerzenhalter mit den echten Kerzen anzubringen. Wir durften sie mit verschiedenen Kugeln, Vögeln und viel Lametta schmücken. Innen hing noch ein kleiner Nikolaus aus Pappmaschee. Die Geschenke waren bescheiden. Meist gab es das, was man von der Verwandtschaft bekam, und was Mutti oft nächtelang genäht hatte: Etwa ein Ravensburger Spiel, auch genähte Nachthemden, Knickerbocker aus Cord, und gestrickte Pullunder, sowie braunbeige-karierte Hausschuhe mit Schnallen. Für Mutti war oft ein Fläschchen ,4711' dabei." hd