Um die Gestaltung der Ortsmitte Weitramsdorf entspann sich in der Gemeinderatssitzung am Montagabend erneut eine längere Diskussion, die am Ende ohne konkrete Ergebnisse verlief. Eingangs stellte Geschäftsleiter Heiko Geuß den Sachstand vor. Es geht um das Gelände zwischen dem Platz "Zur Alten Post" (früherer Standort der Gastwirtschaft Gehrlicher), dem von der Kommune erworbenen "Heinlein-Haus" in der Schlettacher Straße 1, dem Gasthaus Helbig und dem gegenüberliegenden Albrecht-Saal (Bergstraße).

Nach einem Ortstermin mit Vertretern der Regierung von Oberfranken und der Kirchengemeinde im September hatte letztere bereits ihre Vorstellungen über ein neues Gemeindehaus dargelegt. "Das alte Gemeindehaus ist nicht mehr zu sanieren", bekräftigte Bürgermeister Wolfgang Bauersachs (BfB). Um zu klären, was mit dem Albrecht-Saal geschieht, hat er den jetzigen Eigentümer des Areals, die Sonneberger Weber GmbH, angeschrieben.

Nun sollten die Räte erneut ihre Ideen für die Ortsmitte präsentieren. "Eine Gemeindebücherei wollen wir da seit zehn Jahren ansiedeln", sagte Ulrich Kräußlich (FW-BV), auch eine neue Gastwirtschaft werde angesichts des schlechten Zustands der Gaststätte Helbig benötigt. Seine Warnung: "Wenn der Ernst Helbig zumacht, können wir Weitramsdorf gleich ganz zuschließen."

Weiter genannt wurden ein Aufenthaltsraum, Café und ein Jugendtreff. Gerade die Jugendlichen nutzten den Platz aktiv und bräuchten wieder einen "ungezwungenen Treff", meinte Dominic Juck (SPD). Doch müsse vorab geklärt werden, welche Fläche überhaupt zur Verfügung stehe, forderten etwa Hans-Jürgen Marschollek (BfB) und Henning Kupfer (CSU). "Eine Bebauung würde die Dorfmitte noch enger machen", sagte Kupfer. Josef Janson (SPD) möchte dazu den Raumplan der Kirchengemeinde sehen. Bauersachs erhofft sich Synergie-Effekte durch eine gemeinsame Raumnutzung von politischer und kirchlicher Gemeinde.

Studenten sind für Wohnraum

Dass Studenten der Hochschule Coburg in ihren Vorschlägen mitten im Ort nicht nur Verwaltung und Nahversorgung angesiedelt, sondern auch die Schaffung von Wohnraum angeregt hatten, um die Mitte mit Leben zu erfüllen, daran erinnerte Matthias Helmprobst (FW-BV). Zudem mache es keinen Sinn, "die Ortsmitte herzurichten und den Rest stehen zu lassen", fügte er hinzu. Immer wieder brachten die Räte somit die Albrecht-Brache ins Gespräch. Durch Nutzung des gesamten Areals könnte sich die Kommune eventuell den Anbau ans Rathaus sparen, meinte Kupfer, zusätzliche Büros und ein Sitzungssaal könnten auch an diesem zentralen Platz gebaut werden. Doch dann sei die EDV getrennt, gab Bauersachs zu bedenken. "Wir diskutieren um den heißen Brei herum, genau wie in den letzten zehn Jahren", monierte Marco Anderlik (CSU).

Die "weitere Vorgehensweise", die es laut Tagesordnung abzustimmen galt, sah am Ende so aus, dass sich jede Fraktion noch einmal bis zur November-Sitzung Gedanken machen soll, was dort seinen Platz finden soll. Inzwischen will der Bürgermeister klären, welche Pläne der Eigentümer des Albrecht-Grundstücks mit dem Saal hat und ob er ihn eventuell an die Kommune verkauft. Anders als viele Räte mochte Bauersachs die Fixierung auf die Industriebrache nicht gelten lassen: "Wir glauben nicht, dass ohne den Saal da unten nichts geht", sagte er.

Erhaltenswerte Dorfkultur

Die Sanierung der drei Backhäuser in Altenhof, Schlettach und Weidach wird zusammen rund 63 600 Euro brutto kosten, teilte Bauersachs mit. Der Bürgermeister stellte die geplanten Maßnahmen an den drei Standorten vor: Der Löwenanteil der Investitionssumme entfällt mit rund 36 200 Euro netto auf das Schlettacher Backhaus. Dort müssen nicht nur Ofen und Schlot, sondern auch teilweise die Sandsteine saniert werden. Außerdem bekommt das denkmalgeschützte Gebäude eine Drainage und umlaufende Isolierung, atmende Außendämmung, Zementspritzputz und neue Holzfenster. Der Backverein beteiligt sich mit Eigenleistungen wie Baumschneidearbeiten, Ziegelreinigung und Verlängerung des Hauptdachs an der Sanierung.

Ursprünglich seien die Kosten auf nur 25 000 Euro geschätzt worden, sagte Bauersachs, doch bestehe "kein Zweifel an der Notwendigkeit der Maßnahme" im jetzigen Umfang. Vor allem der Backraum sei stark sanierungsbedürftig.

Für das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Backhaus in Altenhof sind Maßnahmen wie die Sanierung des Ortgangs, Neubau des Vordachs, Erneuerung von Innenputz, Fenster und Türen sowie eine Schottereinfassung der Hinterseite geplant. Die Nettokosten betragen rund 13 500 Euro. Die Ofenrestaurierung sowie der Türeinbau im Backhaus Weidach schlagen netto mit rund 3650 Euro zu Buche. Für den gewünschten Einbau einer identischen Tür im Feuerwehrhaus kämen nochmals 1000 Euro hinzu.

Da sich ein Leitprojekt der Initiative Rodachtal (IR) mit dem Erhalt der regionalen Back- und Brauhauskultur befasst und dafür um Fördermittel für die Rettung der alten Gebäude bemüht, übernimmt die länderübergreifende Kooperation die Abwicklung. Vorher soll jede Gemeinde einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.

Bauersachs rechnet mit einer 60-prozentigen Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung. "Bisher liegt uns aber nur die Zusage für die Planungsleistung vor", sagte der Bürgermeister, um den Rest kümmere sich die IR. Auch Baupläne seien noch keine erstellt. Der Gemeinderat billigte die vorgestellte Planung einstimmig.