Christine Fischer Manchmal bin ich meiner Zeit einfach voraus. Und so hatte ich schon einige Tage bevor die Corona-Krise in Kulmbach so richtig aufschlug die doch etwas zweifelhafte Ehre, ein Einzelzimmer im Klinikum Kulmbach beziehen zu dürfen. Isolation ganz ohne Corona, das muss man auch erst mal schaffen.

Ganz allein bin ich freilich nicht. Mehrmals am Tag schauen die Pflegerinnen und Pfleger und all die fleißigen Helfer auf der Station nach mir und versorgen mich einfach fantastisch. Immer freundlich, immer hilfsbereit und engagiert - egal, wie hoch das Arbeitspensum ist.

Ein dickes Dankeschön und meinen höchsten Respekt dafür. Versüßt wird meine Quarantäne auch durch einen grandiosen Panoramablick auf Kulmbach. So konnte ich in den vergangenen Tagen gut beobachten, wie sich das Leben da draußen verändert hat durch Corona.

Das 24-Stunden-Geräuschband der Umgehung ist fast verstummt. Es sind kaum mehr Autos auf den Straßen oder Menschen auf den Gehsteigen zu sehen, ab und zu mal ein versprengter Jogger oder Radfahrer, das war's.

Es geht!

Dafür rollt ein THW-Fahrzeug durch die Blaich, die Helfer weisen per Lautsprecher auf die Vorgaben der Ausgangssperre hin. Nicht rausgehen, Kontakte einschränken, Abstand halten - ich weiß, wie sich das anfühlt, seit einer Woche schon.

Daher kann ich sagen: Es geht! Das Smartphone ist mein ständiger Begleiter geworden in dieser Zeit, meine Nabelschnur zum Leben hinter der Scheibe. Ich habe in den letzten Tagen so viel telefoniert wie im ganzen halben Jahr davor nicht, Nachrichten geschrieben (auch mit Menschen, von denen ich schon lange nichts mehr gehört hatte), Musik gehört, Podcasts für mich entdeckt, ja sogar angefangen, endlich mein eingerostetes Französisch per Sprachlernprogramm aufzufrischen.

Isolation macht erfinderisch. Sie schenkt uns Zeit für Kreativität und zwingt uns zu anderen Formen der Kommunikation. Das kann auch eine echte Bereicherung sein.