Unterschiedlicher konnten die Betrachtungen nicht sein. Der Fürther erklärte, mit 180 km/h auf der Überholspur der Autobahn gewesen zu sein. Trotzdem sei bei Bad Staffelstein ein Mann "vor ihm rausgezogen" und sei dann links geblieben. So habe er am 21. November 2018 eben rechts überholt. "Ich habe nicht versucht, wie es in der Anklageschrift steht, ihn wegzudrängen", so der 33-Jährige. Dass er dem Überholten zu allem Überfluss auch noch den Stinkefinger gezeigt habe, wies er in der Gerichtsverhandlung am Dienstag entschieden von sich.

Eine Verurteilung wegen Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit Nötigung war das, was für den Fürther zu befürchten stand. Mehr noch: Bei Führerscheinentzug wäre er seinen Job los, denn das Hotel, in dem er arbeitet, ist auf seinen Führerschein angewiesen. Andere Jobs, das gab im Verlaufe der Verhandlung der geschäftsführende Hoteldirektor vor Richter Alexander Zenefels und Staatsanwalt Mario Geyer an, stünden für den Mitarbeiter nicht in Aussicht. Jedoch blieb nicht unerwähnt, dass der Arbeitsvertrag den Passus beinhaltet, wonach bei Verlust des Führerscheins besagter Vertrag aufgehoben würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 38-jährige Zapfendorfer schon ausgesagt. "Ich war schon auf der Überholspur und auf der Höhe eines Lkw, und hinter mir blinkte dann ein Fernlicht auf", schilderte er den Moment, als ihm der Fürther erstmalig auffiel. Im Zuge des Geschehens habe er mit seiner hochschwangeren Frau sogar über den Mittelstreifen fahren müssen. Die Sache mit dem Stinkefinger habe auf jeden Fall stattgefunden, so der Mann. Danach sei er nervlich mitgenommen gewesen, habe er sich nicht mehr fahrsicher gefühlt und die Polizei in Bad Staffelstein aufgesucht.

Letztlich waren es die Einlassungen dieses Zeugen, die dem Gericht nach Hinterfragung plausibler erschienen. "Ich bin überzeugt, dass zu dem Manöver gekommen ist", erklärte Geyer und bezog sich auf die "detailreiche Schilderung". Er forderte eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro, sowie einen Führerscheinentzug nebst siebenmonatiger Fahrsperre. So sollte es in Zenefels' Urteilsspruch auch kommen, wenngleich die Geldstrafe um 200 Euro geringer ausfiel. Dem Verurteilten stand jede Menge Nachdenklichkeit im Gesicht, auch weil er um die Konsequenzen für seinen Beruf wusste. Zenefels betonte in seiner Urteilsbegründung den Passus im Arbeitsvertrag, wonach sich der 33-Jährigen bei seinem Manöver über die Folgen seines Tuns hätte im Klaren sein können. MH