In den nächsten drei Jahren sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen. So lautet zumindest das ambitionierte Ziel der Bundesregierung. Doch trotz Elektroautoprämie ist die Nachfrage weitaus geringer als erhofft, sagte Ingrid Flieger von der Abteilung Klimaschutz im Landratsamt beim ersten Elektromobilitätstreff in Kulmbach. Aus diesem Grund hatte sie die Fahrer von Elektroautos und Hybridfahrzeugen zum Austausch "zusammengetrommelt".


Nur sechs E-Autos zugelassen

Aktuell sind 47 reine Elektrofahrzeuge im Landkreis Kulmbach zugelassen (35 Autos und zwölf Quads) sowie 190 Hybridfahrzeuge. In diesem Jahr sind nur sechs neue Elektroautos hinzugekommen. "Beim Treffpunkt Elektromobilität wollen wir Vorbehalte ausräumen und aufklären", sagte Flieger.
Nicht nur versierte Elektroautofahrer und die Energieagentur Nordbayern kamen, sondern auch viele Bürger, die sich für Details aus der Praxis interessierten. "Ich bin von der Resonanz wirklich positiv überrascht", sagte Landrat Klaus Peter Söllner.
Schon an der Elektroladesäule kamen viele Vorbehalte zur Sprache. "Was passiert, wenn jemand einfach den Stecker abzieht?", lautete eine Frage. Schon wurde die Probe aufs Exempel gemacht. Natürlich verriegelt das Auto die Stecker automatisch, so dass niemand unbefugt das Aufladen beenden kann.


Navi zeigt Ladesäulen an

Wie man damit umgeht, dass Autotypen verschiedene Stecker haben, war eine andere Frage. Die Fahrer der E-Autos erklärten, dass der Typ-2-Stecker weit verbreitet ist. Außerdem seien in den Navigationssystemen und auf den Straßenkarten die Ladesäulen samt Steckertypen verzeichnet, so dass das Ansteuern einer "nicht passenden" Ladesäule ausgeschlossen werden kann. Noch eine andere Frage wurde gestellt: Wie weit kommt man mit einer Ladung und wie lange dauert es dann, um den Akku wieder zu füllen. Elektroautofahrer gaben Tipps aus der Praxis.
"Eigentlich müssten unsere Autos nicht Fahrzeuge heißen, denn die meisten Autos stehen 23 Stunden am Tag einfach nur herum", erläuterte Klaus Knorr. Er verknüpfe das Laden immer mit anderen Tätigkeiten. So könne man während des Einkaufs, während der Pause an der Autobahnraststätte, während eines Termins oder eben während der Arbeitszeit beim Arbeitgeber "auftanken". Man müsse halt etwas umdenken, so Knorr.
"Die Nachfrage nach Elektroautos ist zwar immer noch verhalten. Aber immerhin sind wir im Landkreis Kulmbach mit Ladesäulen schon einmal ganz gut ausgestattet", erklärte Klaus Peter Söllner. Bald soll am Landratsamt Kulmbach eine E-Bike-Ladestation installiert werden. Denn auch diese Form der Mobilität soll ausgebaut werden. Aktuell gehören laut Landrat drei Elektrofahrzeuge zum Fuhrpark des Landratsamts.
Maximilian Klußmann vom Ladeverbund Franken stellte die Säulen-Infrastruktur vor und versicherte, dass das Laden der Autos bis auf weiteres kostenlos bleiben wird. Aktuell gibt es Ladesäulen in Kulmbach, Himmelkron, Marktschorgast, Marktleugast, Wirsberg und neuerdings auch in Thurnau. Weitere Anlagen der N-Ergie seien in Presseck, Stadtsteinach, Untersteinach und Kulmbach in Planung.
An der Ladesäule beim Landratsamt wurden bislang 9000 Kilowattstunden Strom kostenlos "getankt", legte Ingrid Flieger von der Abteilung Klimaschutz offen. "Bei einem Verbrauch von durchschnittlich 18 Kilowattstunden auf 100 Kilometern entspricht dies einer Fahrstrecke von etwa 50 000 Kilometern.". Flieger, die ein Elektroauto besitzt, erklärte, dass sie selbst auf einen Verbrauch von 13 bis 15 Kilowattstunden je100 Kilometer kommt. Damit wäre die Reichweite wesentlich höher.


Konzepte für die Zukunft

Nach einem Rundgang durch die Tiefgarage des Landratsamts, bei dem die Teilnehmer Gelegenheit hatten, verschiedene Lademöglichkeiten anzuschauen, präsentierte Klaus Knorr, ein begeisterter Elektromobilist, Konzepte der Zukunft.
Die Gäste löcherten die erfahrenen E-Autobesitzer vier Stunden lang mit Fragen. Und am Ende des ersten Treffs stand fest, dass viele Vorbehalte ausgeräumt werden konnten.