Nachdem im letzten Jahr die Veranstaltung zum Tag der Arbeit auch in Forchheim Corona-bedingt ausfallen musste, gab es heuer wieder eine Kundgebung auf dem Paradeplatz. Rund 120 Menschen waren der Einladung des Kreisverbands des Deutschen Gewerkschafts-Bunds (DGB) gefolgt.

Grußworte gab es von Landrat Hermann Ulm ( CSU ) und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein ( SPD ). Hauptredner war Manfred Böhm von der Katholischen Betriebsseelsorge in Bamberg, ein altbekanntes Gesicht unter den Gewerkschaftern in Forchheim .

Der 1. Mai stand unter dem Motto „ Solidarität ist Zukunft“. Dies ließ auch Manfred Böhm in seine Botschaft einfließen: „ Solidarität gilt gemeinhin als eine Haltung, eine Tugend, die die menschliche Würde des anderen wahrnimmt und ernst nimmt und die in bestimmten Situationen wie von selbst entstehen kann.“ Solidarität brauche aber über die individuelle Betroffenheit hinaus auch gesetzlich verankerte und damit verlässliche gesellschaftliche Strukturen.

Böhm sagte: „Seit Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hat uns – erst schleichend, dann aber immer schamloser – dieser freie Markt fest im Griff und sagt uns, was gut ist für uns und unsere Zukunft.“ In diesem Zusammenhang kritisierte der Theo­loge das Zurückfahren der Staatsausgaben und damit des Sozialstaats , die Privatisierung öffentlichen Eigentums, die Deregulierung des Arbeitsmarkts sowie Steuererleichterungen für die Reichen .

Außerdem müsse die menschliche Arbeit anders und weit höher bewertet werden als es sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten eingebürgert habe. Nicht das Kapital habe uns die akute Krise meistern lassen. Es seien die arbeitenden Menschen mit der Selbstverständlichkeit ihres Tuns. Manfred Böhm weiter: „Bei den Löhnen gibt es in Deutschland einen enormen Nachholbedarf. Und auch wenn jetzt das Argument, man dürfe durch zu hohe Lohnforderungen den Aufschwung nicht gefährden, wieder verstärkt zu hören war und weiterhin ist, darf uns das nicht über die Einsicht hinwegblenden, dass etwa gerade der aufgeblähte Niedriglohnsektor in Deutschland künftig systematisch reduziert werden muss.“

Ein gut funktionierender Sozialstaat sei die Grundlage der Demokratie. Konkrete Vorschläge zur Stärkung des Sozialstaats : die Wiedereinführung der allgemeinen Vermögenssteuer , eine einmalige Vermögensabgabe auf die wirklich großen Vermögen sowie die Einführung der Finanztransaktionssteuer.

red