VON Martin Rehm

Der feinsinnige Humorist Loriot hatte einst die Stein-Laus erschaffen. Der possierliche Nager, eine Zeichentrickfigur, schaffte es sogar ins führende medizinische Wörterbuch Pschyrembel. Weit verbreitet ist auch der Schweige-Fuchs, dessen häufigstes Vorkommen an Schulen verzeichnet wird. Dieses bei Lehrern beliebte Geschöpf wird mit den Fingern einer Hand gebildet, indem Zeige- und kleiner Finger nach oben zeigen, während sich die Spitzen des Mittel- und Ringfingers sowie Daumens berühren und so die Kopfform darstellen: Ohren auf, Mund zu! Es soll Lehrer geben, die bis zu einer Viertelstunde lang mit dem Schweige-Fuchs wortlos vor der Klasse stehen, bis endlich Ruhe einkehrt. Gängige Praxis der Schüler ist, dem Schweige-Fuchs unter der Bank das Schweige-Einhorn zu zeigen, einfach zu gestalten mit dem gestreckten Mittelfinger. Über die Wirkung des Fuchses diskutierten neulich Schüler aus dem Landkreis Forchheim, wobei eine 15-Jährige berichtete, dass die Lehrer an ihrer Schule nicht so lange fackeln würden und gleich mit Kreide auf die schwätzenden Schüler werfen. Eine ähnlich wirkungsvolle und bei Schülern durchaus akzeptierte Methode zur Steigerung der Aufmerksamkeit ist laut Aussage eines anderen 15-Jährigen das Werfen des nassen Tafellappens, was die Eleven mit trockenem Humor durchaus "cool" finden. Natürlich ruft dies in der heutigen Zeit überbesorgte Eltern auf den Plan, die ihre Kinder vor solchen als lebensgefährlichen Schrapnell-Beschuss empfundenen Attacken schützen glauben zu müssen. Dies wiederum lässt die durch die Schulleitung gerüffelten Lehrer häufig zu humorlosen und bei Schülern verhassten Strafarbeiten zurückkehren. Manchmal würden die Schüler gerne ihren Eltern den Schweige-Fuchs zeigen.