VON Martin Rehm

Sie fährt leidenschaftlich Fahrrad. Immerzu. Täglich radelt sie in den Nachbarort zu ihrer Tochter. Auch sonst erledigt sie alle "Gänge" am liebsten mit dem Zweirad. Auch deshalb ist sie ziemlich fit mit ihren 90 Jahren. Neulich allerdings hat der rechte Arm etwas geschwächelt. Also hat sie sich aufs Rad geschwungen und ist schnell zum Doktor gefahren. Der Hausarzt schlug gleich Alarm: leichter Schlaganfall. Rasch hat er ihr eine Überweisung ins Krankenhaus ausgestellt und einen Krankenwagen kommen lassen. Als die Sanitäter vor der Praxis eintrafen, war die Seniorin fort. Auch in ihrer Wohnung war sie nicht mehr anzutreffen. Die rüstige Rentnerin war mit der Überweisung in der Hand schnurstracks ins nächste Krankenhaus gefahren - selbstverständlich mit dem eigenen Fahrrad. Von dort aus rief sie daheim an, man solle ihr doch ihre Notfalltasche mit den Utensilien für den täglichen Bedarf vorbeibringen. Solchermaßen bestens versorgt ist sie inzwischen zur Reha in eine Klinik irgendwo in der Fränkischen Schweiz verlegt worden. Die dortigen Krankenhaus-Mitarbeiter sind ob dieser Geschichte hellhörig geworden. Angeblich haben sie im Umkreis von 500 Metern sämtliche Fahrräder mit Panzerschlössern gesichert.