von unserem Mitarbeiter 
Manfred Wagner

Haßfurt — "Der erheblich vorbestrafte Angeklagte", meinte Staatsanwalt Ralf Hofmann in seinem Plädoyer, "hat nichts kapiert. Die vorangegangen Verurteilungen haben keinerlei Wirkung gezeigt." Dementsprechend forderte er, eine empfindliche Jugendfreiheitsstrafe ohne Bewährung zu verhängen. Ähnlich wertete das Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt unter Vorsitz des Jugendrichters Martin Kober die Fehltritte des 20-Jährigen. Das Gremium schickte ihn wegen eines Einbruchs in eine Gärtnerei, wo er 100 Euro mitgehen ließ, sowie wegen eines geklauten Motorradhelmes für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter.
Vor etwa einem halben Jahr, es war der 15. März, verschaffte sich der junge Mann gewaltsam Zutritt zu einer Gärtnerei im Haßfurter Stadtteil Sylbach. Er schlug die Glasscheibe der Eingangstür ein und ging in den Verkaufsraum. Dort fand er auf einem Schreibtisch einen 100-Euro-Schein, den er einsteckte, bevor er sich wieder vom Acker machte. Der Einbrecher wurde zwar nicht in flagranti erwischt, aber durch eine von der Spurensicherung der Polizei vorgenommene DNA-Analyse überführt.
Die zweite Tat, die vor dem Schöffengericht verhandelt wurde, geschah am 23. Mai 2015. Damals klaute der Arbeitslose in der Kreisstadt einen Motorradhelm. Er nahm den Helm mit nach Hause und stellte ihn bei Ebay zum Verkauf ins Internet. Als die Polizeibeamten zu einer Hausdurchsuchung anrückten, fanden sie das corpus delicti.


Viel auf dem Kerbholz

Trotz des jugendlichen Alters des Beschuldigten finden sich im Bundeszentralregister bereits sieben Vorstrafen. Seine erste "amtliche" Straftat datiert vom Oktober 2008 - da war er gerade 14 Jahre alt und damit strafmündig. Für die vorher begangenen Streiche konnte er juristisch nicht belangt werden. Aber dann ging es Schlag auf Schlag: Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung, Bedrohung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Bedrohung und und und.
Bereits Ende November 2011 erhielt er vom Bamberger Amtsgericht eine zweijährige Freiheitsstrafe mit Bewährung. Einen später verhängten 14-tägigen Jugendarrest saß er ab.
Seine bisherige Entwicklung beleuchtend, sprach Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich von einem schwierigen Elternhaus. Der hyperaktive Junge wurde in einem Förderzentrum beschult. Dort störte er immer wieder massiv den Unterricht und bedrohte oder verletzte die Mitschüler und das Personal. Zuletzt wusste man sich nicht mehr anders zu helfen, als den Tunichtgut vom Unterricht auszuschließen und schließlich erhielt er sogar ein Hausverbot.


Keine Chance mehr

Mit seiner Bitte um eine nochmalige "allerletzte" Chance für seinen Mandanten stand Rechtsanwalt Alexander Wessel auf verlorenem Posten. Aufgrund des Richterspruchs muss der Verurteilte davon ausgehen, dass er bald in den Jugendknast nach Ebrach gebracht wird. Er kann zwar Berufung beim Bamberger Landgericht einlegen, aber es darf bezweifelt werden, ob sich dort das Blatt für ihn wendet.