Vor einigen Monaten, es war kurz nach seinem Dienstantritt, machte Bürgermeister Marco Friepes (CSU/AB) einen Rundgang durch das Rathaus am Annaberg. Im kleinen Sitzungssaal fand er mehrere uralte Dokumente, die sein Interesse weckten. Etwas verstaubt und sichtlich abgegriffen lagen diese dort in einem Schrank. Bei näherem Hinsehen waren es Bücher, Urkunden und Schriftstücke, die die Historie der Gemeinde und St. Anna betreffen. Doch wie kamen sie dort hinein?

Darüber wusste Gemeinderat Anton Dennerlein einiges zu erzählen: Eigentlich hatten diese Dokumente und Urkunden eine kleine Odyssee hinter sich. Viele Jahre hatte man sie im ehemaligen Gemeindehaus in der Weißenbacher Straße aufbewahrt. Als dieses abgerissen wurde, lagerte man dieses Schriftgut in der sogenannten "Stubnkammer" im "Schwarzbauernhaus", das am heutigen Bauhofgrundstück stand. Die Besitzer hatten dieses Grundstück zu Lebzeiten der Gemeinde vererbt und verfügt, dass dort ein Kindergarten errichtet wird.

Dann wurde auch dieses weggerissen und die dort aufgehobenen alten Akten und Dokumente wurden teilweise als Müll verbrannt. Als der seinerzeit junge Realschullehrer Dennerlein, der zufällig dazukam und um die Bedeutsamkeit historischer Dokumente wusste, konnte er noch einen Teil vor den Flammen retten. Schließlich kamen sie ins Rathaus am Annaberg. Während seiner Bürgermeisterzeit deponierte Dennerlein dann die historischen Dokumente und Urkunden in dem besagten Schrank im kleinen Sitzungssaal. Was in ihnen jedoch steht, konnte nicht entziffert werden, denn sie stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Für Bürgermeister Friepes waren sie, wie man so schön sagt, Bücher mit sieben Siegeln. Denn sie waren in der alten deutschen Schrift verfasst.

Also machte sich der Gemeindechef auf die Suche nach "Übersetzern", um herauszubekommen, was in den Aufzeichnungen steht. Und die fand er in den drei Weilersbacherinnen Ilka Sommer, Christa Martin und Heidi Amon, die diese alte Schreibweise noch beherrschen.

Jetzt, nach einigen Wochen, lud Friepes zu einem Treffen ins Rathaus ein, zu dem auch Museumsleiter Jens Kraus vom Fränkisch-Schweiz-Museum aus Tüchersfeld kam, der von Friepes über die historischen Fundstücke unterrichtet wurde und der sein Interesse daran bekundete.

Was die drei Weilersbacherinnen nun herausfanden: Da ist zum Beispiel ein Urteil des Königlichen Verwaltungsgerichtshofes mit der Überschrift: "Im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern" von 1892 mit 40 Seiten dabei, in dem es um einen Rechtsstreit der Grundstücksrechtler aus Oberweilersbach geht, ebenso weitere Schriftstücke zu dieser Streitigkeit, kirchliche Rechnungsbücher über das Inventar sowie Einnahmen und Ausgaben von St. Anna aus dem Jahre 1802, Kassenbücher und ein Protokollbuch aus den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts , aus dem hervorgeht, was seinerzeit in Ausschusssitzungen behandelt wurde: so zum Beispiel die Schlichtung von Streitigkeiten unter Bürgern oder die Ausstellung eines Leumundzeugnisses für zwei Israelitinnen, die nach Amerika auswandern wollten.

In einem anderen Dokument wieder geht es um Zwistigkeiten zwischen den Gemeinden Kirchehrenbach und Weilersbach wegen einer Viehherde, die auf den Nachbargrundstücken graste. Dabei kam es sogar zu Drohungen. Herauszulesen ist genauso, was sich im Weilersbacher Gemeindeleben vor fast 170 Jahren zugetragen hat.

Die drei Frauen stellten auch fest, dass so manche Seite fehlt, dass die Transkriptionen auch viel Arbeit machten, weil stellenweise mit der Lupe gearbeitet werden musste. Jens Kraus wird nun den Inhalt der einzelnen Dokumente begutachten. Ist er für das Museum von Interesse, werden die Dokumente in eine wissenschaftliche Sammlung übernommen, bekommen eine Nummer und sind dort griffbereit. Das Schriftgut käme für drei Monate in eine Sonderausstellung und würden dann an das Museum übergeben. Kraus zeigte sich sichtlich erfreut über das Engagement von Bürgermeister Friepes und der drei Weilersbacherinnen, die mit dieser Schrift etwas anfangen können und mit denen das Museum in Verbindung bleiben wolle.

Das Schlusswort hat jedoch der Weilersbacher Gemeinderat, der darüber zu entscheiden hat, ob die geschichtlichen Dokumente vom Weilersbacher Rathaus ins Fränkisch-Schweiz-Museum übersiedeln. Was für Bürgermeister Friepes weiter für die Zukunft vorstellbar wäre: Jemanden zu finden, der sich des Gemeindearchivs im kleinen Archivraum, voll mit alten Büchern und Akten, deren Datierungen weit zurückreichen, annimmt und die vielen Akten, Urkunden und Bücher ordnet und sortiert. Vielleicht schlummert dort noch mehr wissenswerte Weilersbacher Geschichte. dia