Brigitte Krause

Der moderne Hephaistos muss sich wohl mit Laptop und Tablet anfreunden. Bei der Fortbildungsveranstaltung für Hufschmiede, die ihr Fachhändler Sven Bräutigam im Ebelsbacher Gemeindeteil Rudendorf anbot, zeigte der holländische Hufeisenhersteller Werkman seine Neuentwicklung und holte dazu Meinungen und Anregungen ein, bevor er das Gerät auf den Markt bringt.
Bislang umgibt den Hufschmied - ganz wie den griechischen Schmiedegott Hephaistos in der olympischen Götterwelt - ein Hauch von Mystik. Schließlich kann der Künstler es unter Umständen richten, wenn Tierarzt und Pferdephysiotherapeut nicht mehr weiterwissen. Mit dem richtig angepassten "Schuh" am Huf geht es wieder klaglos ohne Lahmen über Stock und Stein oder rasant-elegant über alle Hürden. So wünschen es sich die Besitzer jedenfalls. Der Huf ist aus Horn und zu einem Teil gut durchblutet und schmerzempfindlich; stimmt hier die Stellung nicht, schlägt sich das direkt auf die Beingelenke und die Beweglichkeit dieses Lauftieres nieder. Zwischen Schmied und Tierhalter besteht ein hohes Vertrauensverhältnis.
Ein Schmied reist seinen Pferden quasi hinterher. Er kommt auf den Hof, sieht das Tier, wie es geht und steht, und in einer Mischung aus Genie und Handwerk passt er das Eisen individuell richtig an. Bröckelt das Horn, kann er sogar das Hufeisen ankleben - wie das geht, dazu gab es letztes Jahr bei Bräutigam ein Seminar. Und auch dazu tauschten sich die Handwerker nun aus. Mitten in der Saison an einem Freitag ein Luxus und natürlich Lieblingsbeschäftigung: über Materialien und Probleme sprechen, Wissen schöpfen.


Belastbare Daten

Dass Wissenschaft und Technik nicht fehl am Platze sind, zeigte die holländische Veterinärmedizinerin und Bewegungswissenschaftlerin Meike van Heel, indem sie auf die Schwächen der menschlichen Wahrnehmung hinwies und hervorhob, dass eine technisch-digitale Dokumentation objektiver Daten in der Kommunikation mit dem Kunden hilft.
Das neue Gerät ist ein schwarzes Kästchen an einer Hufeisenmanschette, in dem ein Sensor Bewegungs- und Druckdaten aufzeichnet und an einen Computer sendet. Bei einem Lauftier eminent wichtig: Wie sich der Hufwinkel verändert, wie das Tier auftritt (Auffußen), wie es sich abstößt (Abfußen), wie lange der Huf sich in der Luft hält, wie hoch es den Huf nimmt, wie weit es Fuß und Bein seitlich dreht, wie lange der Huf steht. Je länger die sogenannte Standzeit des Hufes, desto größer ist unter Umständen das Problem... Die Wissenschaft hat Konstanten definiert.
Hufschmiede bewegen sich dem gegenüber bislang in einem Umfeld subjektiver Eindrücke. Vieles hängt ab vom Können der Reiter und Vierbeiner. "Der Besitzer erzählt, woran er glaubt", meint Heribert Stenzinger aus dem Landkreis Schweinfurt. So ein Gerät könne die Arbeit leichter machen, schätzt er die Sache ein, "...wenn's funktioniert". Sven Postler aus dem Haßfurter Stadtteil Sylbach ist über seinen Onkel zu dem Beruf gekommen, den er seit eineinhalb Jahren ausübt. Und natürlich über seine eigenen Pferde.
Bei Problempferden könnte die Technik helfen, schätzt er. Sagt aber auch: Zu viel Wissenschaft kann den Blick verstellen. Im Schmiedeberuf "ist Bedarf da", sagt er, und "es ist Bewegung im Beruf". Da ist er mit Volker Memmel aus Stadtlauringen einer Meinung. Der sagt: "Die Technik geht weiter, da muss du einfach mitziehen." Matthias Weiß aus Bischberg (Landkreis Bamberg) ist skeptisch. "Das zahlt ja keiner auf dem Land." Ein Schmied ist im Normalfall über eine Stunde mit dem Beschlag beschäftigt. Dann haben die vier Hufe neue Eisen, und der Besitzer ist um die 100 Euro ärmer.


Digitale Daten, kostbare Pferde

Reichtümer kann Hephaistos da nicht anhäufen, und ob er sich solch ein Digitalgerät anschafft, wird er sich gut überlegen. Denn, was auch zu bedenken ist: IT-Datenschutz wird in dem 2000 Jahre alten Traditionsberuf dann Thema sein.