Pfadfinder sein heißt mehr als "nur" zelten gehen: "Sicher ist das jährliche Zeltlager der Höhepunkt. Unseres findet in der Pfingstzeit bei Weismain statt und ist offen für alle Neugierigen ab sechs Jahren: Jeder kann sich anmelden", so Sarah Reißenberger vom Stamm Andechs Meran Lichtenfels.

"Aber eigentlich sind es die wöchentlichen Gruppenstunden, die die Struktur geben." In diesen, die zurzeit jeweils fünf bis sieben Kinder beschäftigen, soll auf das Leben vorbereitet werden: Pfadfinder sind natürlich viel draußen in der Natur und wandern, pflanzen Bäume und lernen Wissenswertes über die Umwelt.

Feuermachen und Knotenbinden

Auch die "klassischen" Geheimnisse werden enthüllt: Wie macht man Feuer und löscht es? Wie macht man richtige Knoten? Wie wächst etwas aus der Erde? Wie kann ich verschiedene Bäume bestimmen? Doch auch das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben die Heranwachsenden wieder und wieder.

Ist es zu nass oder zu kalt für draußen, heißt es: Basteln, was das Zeug hält! In der jüngsten Gruppenstunde schnitt, klebte und verzierte die kleine Gruppe Drachen, Einhörner und Bären. In der Woche zuvor bauten die Kinder zum Beispiel Boote, die bald zu Wasser gelassen werden.

"Einfach nur Kind sein dürfen. Hinfallen, wehtun und wieder aufstehen. Darum geht es", so Sarah Reißenberger. Und das gefällt ihr. Die 21-jährige Kinderpflegerin aus Bad Staffelstein schätzt die Gemeinschaft und Teamarbeit. Sie selbst war im Alter von sechs Jahren mit einen befreundeten Pfadfinder zum ersten Mal bei einem Zeltlager dabei. Es hat ihr sofort gefallen. Seit diesem Jahr hat sie erstmals eine Leitungsfunktion für die Jüngeren inne. Sie möchte anderen zeigen, wie toll die Welt ist und weitergeben, dass man Probleme gemeinsam lösen kann.

Ehrenamt ist selbstverständlich

Dem stimmt auch Corinna Schnapp zu. Die 20-jährige Burkheimerin ist seit ihrem zehnten Lebensjahr bei den Pfadfindern aktiv, zunächst in Altenkunstadt, seit zwei Jahren in Lichtenfels. "Ich hab einfach Spaß dran", sagt sie. Die ehrenamtliche Leitungsfunktion ist für sie selbstverständlich - obwohl sie viel anderes macht. Die gelernte Technische Produktdesignerin möchte bald Soziale Arbeit studieren. Zurzeit arbeitet sie im Nebenjob noch in einer Tankstelle, ist zusammen mit ihrer "Kollegin" im BDKJ-Vorstand, ist passives Mitglied der Feuerwehr und und und ...

Adrian Schütz, der nur manchmal der Gruppenstunde dieser Altersstufe beiwohnt, ist ebenfalls durch seine Freundin "reingerutscht". Erst habe er nur ausgeholfen, aber ihm gefällt es mittlerweile so gut, dass er seit einem dreiviertel Jahr dabei ist und die Rover-Stufe begleitet. Den 25-jährigen Gas- und Wasserinstallateur freut es besonders, dass Handys und Co. keine große Rolle in den Gruppenstunden spielen: "Die Kinder haben auch gar keine Zeit dazu. Bei den Großen hatten wir sie früher mal in eine Kiste gepackt, aber das brauchen wir mittlerweile kaum mehr. Wenn sie beschäftigt sind, dann brauchen sie die nicht." Adrian Schütz ist mit Herzblut in der Gruppe dabei und klingt auch nicht im Geringsten genervt, als er in der Gruppenstunde zum dritten Mal ein paar wilde Jungs auf dem Flur wieder einfangen muss. Sportlich ist er. Auch neben einem Ehrenamt bleibt einem noch genug Zeit für Sport oder andere Hobbys.

Gemeinsam tragen sie zusammen, was sie ausmacht: Auf ganz natürliche Weise lernen die jungen Menschen in der Gemeinschaft Werte wie Teamfähigkeit, aber auch Eigenständigkeit, Fantasie und Fein-/Grobmotorik. Sie werden sensibilisiert und ihr Selbstwertgefühl gestärkt. Für die Größeren bieten sich andere Chancen: Rover etwa müssen wichtige Entscheidungen für ihre Zukunft treffen. Die Gruppe bietet die Chance, sich in der Auseinandersetzung mit anderen über die eigenen Ziele klar zu werden. Die Entwicklung der Persönlichkeit und das Stärken der Entscheidungsfreude stehen im Mittelpunkt.

Fantasie sollte man mitbringen

Das junge, energiegeladene Trio möchte junge Menschen in ihre Gruppenstunden einladen. Wer Pfadfinder werden will, sollte einfach offen sein und viel Fantasie mitbringen. Als Pfadfinder darf man auch mal dreckig werden - Kinder wie auch Erwachsene. In der jüngsten Gruppenstunde etwa waren die Großen wohl mehr mit Glitzer übersäht als ihre Schützlinge.

Die Gruppenstunde für die Wölflinge, das sind die Sechs- bis Achtjährigen findet in der Regel mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr statt.

Welt-Fair-Änderer-Woche

Die nächsten Termine der Pfadfinder Lichtenfels sind die JUZ-Halbjahresaktion, ein Spielewettkampf am 26. April in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum, die Teilnahme an der Welt-Fair-Änderer-Woche an der Herzog-Otto-Schule Lichtenfels, das Pfingstlager, die Fronleichnamsprozession und das große KJR-Sommerzeltlager. Der Stamm Andechs Meran Lichtenfels besteht bereits seit 1949 und zählt fünf erwachsene und rund 25 heranwachsende Mitglieder. Ideelle und materielle Unterstützung erhält der Stamm durch die Ritterschaft Andechs Meran, gegründet 1956, als Förderverein der Lichtenfelser Pfadfinderfamilie. Der Fanfarenzug ist aus dem Pfadfinderstamm Andechs Meran im Jahre 1954 hervorgegangen und versteht sich heute als Zusammenschluss von Freunden der Fanfarenmusik.