von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Wenn sich bei einer Gerichtsverhandlung herausstellt, dass die Schuld des Angeklagten nicht besonders hoch eingestuft wird, und wenn der Beschuldigte noch ohne Vorstrafe ist, kommt es häufig zu einer Einstellung des Verfahrens mit einer entsprechenden Geldauflage. Dies war auch bei der jüngsten Verhandlung wegen Körperverletzung am Amtsgericht in Haßfurt der Fall. Die Anklage gegen einen 47-Jährigen aus dem Maintal wurde mit der Maßgabe eingestellt, dass der Mann 500 Euro bezahlen muss. Tut er das, dann ist die Sache aus der Welt.
Ilker Özalp verlas im Namen der Staatsanwaltschaft die Anklageschrift. Demnach soll der 47-Jährige am späten Nachmittag des 27. Juli dieses Jahres einen 52-jährigen Mann dermaßen fest an den Oberarmen gepackt und herumgeschleudert haben, dass dieser schmerzhafte, großflächige Hämatome erlitt. Zusätzlich habe er ihn beleidigend angeschnauzt: "Wenn du nicht gleich verschwindest, hau ich dir eins aufs Maul!"
Der Hintergrund bei der ganzen Angelegenheit: Der 52-Jährige hatte zum 1. März sein Haus an den Angeklagten verkauft. Dabei wurde vereinbart, dass er den Dachboden erst später ausräumen sollte. Dies geschah an dem besagten 27. Juli. Und bei dieser Ausräumaktion kam es zum Streit.


Mehrere Streitpunkte

Warum gab es Zoff? Zum einen gefiel es dem neuen Hauseigentümer, also dem Angeklagten, nicht, dass der vorherige Besitzer den alten Hausrat wie Schränkchen und Holzteile einfach durch eine offene Luke auf den Boden der Garage warf. Zum zweiten erboste er sich über das Ansinnen des Vorbesitzers, einige Holzdielen mitnehmen zu wollen. Das Fass zum Überlaufen brachte dann noch die Übergabe von schriftlichen Unterlagen, die nach Auffassung des Beschuldigten unvollständig waren.
Um das, was sich damals abgespielt hat, aufzuklären, waren drei Zeugen vor Gericht erschienen: Neben dem Opfer hatte das Gericht die Ehefrau des Angeschuldigten sowie einen Nachbarn geladen. Wichtig war bei den Aussagen insbesondere die des Geschädigten. Ohne Belastungseifer wies er darauf hin, dass er am Tag nach dem Vorfall zu seinem Arzt und anschließend zur Polizei gegangen war. Amtsrichterin Ilona Conver ermöglichte es allen Prozessbeteiligten, die von den Beamten damals erstellten Aufnahmen von den Blutergüssen einzusehen. Damit war klar, dass es tatsächlich zu Handgreiflichkeiten gekommen sein musste.
Trotzdem zeigte sich der Vertreter der Anklage mit einer Einstellung des Strafverfahrens unter Auflagen einverstanden. Seine Entscheidung beruhte auch auf der Tatsache, dass der Angeklagte eine blütenweiße Weste hat. Dessen Verteidiger Michael Tröger war ebenfalls daran interessiert, den Rechtsfrieden wiederherzustellen, und stimmte zu. Die Geldauflage wird gesplittet: 200 Euro erhält die Caritas im Kreis Haßberge und 300 der Geschädigte.
Abschließend äußerte die Gerichtsvorsitzende die Hoffnung, dass ein möglicher Zivilstreit um Schmerzensgeld durch diese Regelung vermieden wird.