Lautstark durchflutet die Boxerhymne "Eye Of The Tiger" die Obermainhalle. Wie ein Champion, der in den letzten Ring seiner schulischen Laufbahn steigt, betritt Marius Klimke die Arena. Triumphierend reckt er seine Fäuste in die Höhe. Wohlverdient. Seine lustvoll übersteigerte Parodie auf eine strenge Lehrerin ("Kinder müssen lernen, lernen. Und wenn man nicht lernt, gibt es Hiebe, Hiebe") strapaziert die Lachmuskeln der Zuhörer. Ob im Team, kleinen Kreis oder solo - die 58 Abiturienten kehren beim musischen Abend unter dem Motto "Abi heute - Captain Morgan" ein letztes Mal ihr musikalisches, tänzerisches und komödiantisches Talent hervor.

Eltern und Lehrer sind baff ob des locker-leichten Programms. "Hut ab vor diesem großen Kraftakt", schwärmt Studiendirektorin Christine Betz. Abiturstress und Proben unter einen Hut zu bringen, sei sicherlich nicht einfach gewesen.

Lässig und charmant führen die beiden Jahrgangsstufensprecher Yannik Hoffmann und Tim Winkler, assistiert von Jonah Trinkwalter, durch ein kurzweiliges Programm aus Musik, Sketchen und Tanz. "Abitur! Acht Jahre quälen nur am Punkte zählen", singen sich die Absolventen in ihrer Version des Billy-Joel-Klassikers "We Didn't Start the Fire" den Stress von der Seele. Den zusätzlichen Probenstress, so Hoffmann, habe man gerne in Kauf genommen. "Schließlich wollen wir Lehrer, Eltern und allen, die uns auf dem Weg zur Reifeprüfung begleitet haben, einen Dank aussprechen für alle die wunderbaren Jahre", sagt der junge Mann.

Durch den Satire-Fleischwolf

"Country Road, Take Me Home", singen die Abiturienten inbrünstig. Ein Lied, mit denen die Schüler wehmütige Erinnerungen an die Abschlussfahrt nach Irland verbinden. Das aber auch die Hoffnung nährt, dass die flügge gewordenen jungen Leute nach einem Ausflug in die große weite Welt wieder in ihre fränkische Heimat zurückkehren. Die Absolventen tanzen sich den Schulstress der vergangenen Jahre von der Seele. Die Lehrer werden ironisch überspitzt durch den Satire-Fleischwolf gedreht, was Lacher wie diesen produziert: "Muss ich es noch einmal aufschreiben?!", entfährt es dem gestressten Lehrer, der sich den Schweiß von der Stirn wischt. "Damit verdienen Sie Ihr Geld", erwidert keck ein Schüler.

Die drei Moderatoren schlüpfen in die Rolle von Kollegstufenköchen, die aus dem Schweiß der Lehrer, viel Champagner und Bier einen Zaubertrank mixen, der nach 1,0 schmecken soll. Aber auch Solodarbietungen fesseln das Publikum. Mit leiser Eindringlichkeit und nur begleitet von David Rotenberger am Klavier schenkt Sanjey Sivanesan mit seiner Interpretation der Dean-Lewis-Ballade "Waves" ein Stück Wärme und Geborgenheit. Neben ihm lassen auch Sängerin Mirjam Borsboom, Gitarristin Julia Hoffmann (Gitarre), Schlagzeuger Markus Klimke sowie die Pianisten Anika Wige und Thomas Mahr ihrer Kreativität auf hohem Niveau freien Lauf. Mit einem euphorischen "In diesem Sinne, wir sind frei, adios und goodbye", verabschieden sich die Abiturienten in ihrer Version von "We Didn't Start The Fire" von ihren Zuhörern, die begeistert Beifall klatschen.