Keltische Fürstengräber am Staffelberg? Anhand moderner Untersuchungen zum Geländerelief am Staffelberg können Schlüsse auf bisher unbekannte Großgrabhügel dieser Zeit gezogen werden. Karl-Heinz Gertloff erläuterte bei einem Vortrag die Methoden.

Nicht nur die Ausgrabung und Rekonstruierung des keltischen Zangentors sorgte in den vergangenen Monaten für Aufregung am Staffelberg. Nun gibt es dort auch Hinweise auf bisher unbekannte Großgrabhügel aus früherer Keltenzeit, die der gebürtige Coburger Karl-Heinz Gertloff bei seinem Vortrag über neue archäologische Spuren am Freitag im Staffelsteiner Stadtmuseum präsentierte.

Mit Hilfe des "Airborne-Laser-Scan"-Verfahrens können heute aus einem Flugzeug heraus genaue Höheninformationen eines Geländereliefs gemessen und verarbeitet werden - sogar in bewaldeten Gebieten. Eine Umrechnung und die Verarbeitung mit den bestehenden Lagekoordinaten ergeben ein komplexes Modell der Terrains, wie es mittlerweile für ganz Bayern vorliegt.

Mit bloßem Auge kaum sichtbar

In Kombination mit anderen Verfahren erkennt Karl-Heinz Gertloff in diesen Aufzeichnungen nicht nur viele parallele Streifen im Abstand von ca. fünf Metern auf dem Staffelbergplateau, die auf ehemalige Wölbäcker schließen lassen, sondern auch Hinweise auf drei Großgrabhügel. Die Geländeoberfläche weise leichte Terrassierung und Stufenraine auf, ein Hohlweg sei ebenfalls erkennbar. Durch Schummerung (Flächentönung) lassen sich einige Grundflächen und Ränder von Erhebungen mit einem jeweiligen Durchmesser von ca. 55 Metern erkennen. Trotz jahrhundertelangen Ackerns und Pflügens wurden dort nicht alle Unebenheiten des Bodens weggeschliffen und zerstört - bis heute. Mit aufmerksamen Augen und dem Bewusstsein, worauf man achten sollte, könnten Interessierte diese Auffälligkeiten noch an Ort und Stelle vermuten.

Künstlichkeit der Hügel

Auch die symmetrischen und gleichartigen Geländeformen, die keine natürlichen Erscheinungen darstellen, verweisen auf die Künstlichkeit der Hügel aus Menschenhand. Minimale Bewuchsmerkmale stärken des Vortragenden zum Grabhügelfeld "Herrenholz" ebenfalls.

Im Vergleich mit anderen bekannten keltischen Fürstensitzen, wie sie am Glauberg oder bei Hochdorf etwa untersucht und bestätigt wurden, stünden die Beobachtungen zum Staffelberg diesen in Größe und Geländerelief kaum zurück. Die Steilkante des oberfränkischen Wahrzeichens habe wahrscheinlich sogar einen besonders großen natürlichen Schutz vor Feinden geboten. In Kombination mit den weiteren dortigen Funden könne von einer einst befestigten Siedlung mit Herrschaftssitz ausgegangen werden, obwohl die Region eher am Rande früheren keltischen Gebiets anzusiedeln sein dürfte.

Geophysikalische Untersuchung

Sowohl dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als auch dem Landkreis Lichtenfels seien diese Informationen und Überlegungen in der Vergangenheit präsentiert worden. Karl-Heinz Gertloff hofft nun auf eine geophysikalische Untersuchung, an Hand derer neue Erkenntnisse gewonnen werden könnten.

Auf den Lichteinfall kommt es an

Gertloff wollte am Freitagabend seinen Zuhörern dazu verhelfen, mit offenen Augen ihre Umgebung wahrzunehmen. Am Anfang seiner Arbeit standen Luftbilder verschiedener Regionen mit unterschiedlichen Sonnenständen. Nur auf einzelnen Abbildungen erkannte er minimale Höhenunterschiede, die sich aber zu einer Form fügten - für ihn ein Hinweis beispielsweise auf einen verschliffenen Ringwall und die Motivation, tiefer in die Geschichte seiner oberfränkischen Heimat einzutauchen: "Was ich mache, kann jeder", schließt er. "Neugierig sein, die Quellen nutzen und aufmerksam die Natur betrachten."

Im Namen des Veranstalters, der Kulturinitiative Bad Staffelstein (KIS), dankte deren Vorsitzender Hermann Hacker dem Referenten. Gertloff hatte zunächst Geodäsie an der Technischen Universität Darmstadt studiert und arbeitet dann jahrzehntelang am Vermessungsamt Wiesbaden als Vermessungsexperte für städtische Projekte. Seit seiner Pensionierung konzentriert sich Gertloffs Interesse auf die Entdeckung und Sichtbarmachung archäologischer und kulturgeschichtlich wichtiger Spuren im jeweiligen Geländerelief.

Die rund 50 Zuhörer applaudierten und stellten noch viele Fragen.