War noch vor wenigen Jahrzehnten die Prügelstrafe vor allem in den deutschen Dorfschulen gang und gäbe, wird heute ein Lehrer vor den Kadi gezogen, wenn ihm mal die Hand ausrutscht. So erging es gestern einem Pädagogen (61), der sich wegen Körperverletzung im Amt vor dem Amtsgericht verantworten musste. Wie die Staatsanwältin vortrug, ereignete sich die Tat am Vormittag des 11. Juni 2015. Im Klassenzimmer einer Grundschule habe der Angeklagte einem Schüler in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit eine Backpfeife versetzt. Auf die Anzeige der Mutter hin hatte dann die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten einen Strafbefehl über 100 Tagessätze zu 60 Euro, also über 6000 Euro geschickt. Dagegen hatte der Mann mit Hilfe seiner Rechtsanwältin Christine Wachtl Einspruch eingelegt.
Um aufzuklären, was damals im Klassenzimmer tatsächlich geschah, wurden neben zwei Polizeibeamten die damals anwesende Klassenlehrerin sowie der Schüler (elf Jahre) in den Zeugenstand gerufen. Danach ergab sich folgendes Bild: Der beschuldigte Pädagoge war damals als Aushilfslehrer an der Schule. In dem besagten Klassenzimmer war er nur, um einen Schlüssel abzuholen oder wieder zurückzugeben. Als ihn dann die Schülerschar, die im Stuhlkreis saß, im Sprechchor mit "Auf-Wie-der-sehn-Herr-Lämpel" (Name geändert, di. Red.) verabschiedete, wusste einer der Jungen wohl nicht mehr den Namen des Mannes, und skandierte "Auf-Wie-der-sehn-Herr-Schlüssel-mann".
Der Angeklagte verstand nach seiner Darstellung damals aber nicht "Schlüsselmann", sondern "Lümmelmann". Er habe sich daraufhin gestikulierend zu dem Buben umgedreht und ihn mit den Worten zurechtgewiesen: "Wenn du meinen Namen nicht weißt, dann sei gefälligst ruhig!" Dass er ihn dabei mit der Hand am Kopf berührt hatte, will er erst mal gar nicht mitgekriegt haben. Erst als er wenig später zur Schulleitung gerufen und zur Rede gestellt wurde, sei ihm bewusst geworden, dass er das Kind wohl unabsichtlich getroffen habe. Daraufhin habe er den Knaben geholt, sich bei ihm entschuldigt und anschließend auch vor der ganzen Klasse den Vorgang erläutert.
Für ihn war die Sache damit abgehakt. Aber als der geschlagene - ob aus Absicht oder nicht, ließ sich nicht klären - Schüler mittags nach Hause kam und über Kopfschmerzen klagte, ließ sich seine Mutter erzählen, was in der Schule passiert war. Noch am selben Nachmittag fuhr sie mit ihrem Sohn zur Polizei und erstattete Anzeige. Da es zweifelsfrei nicht zu einer saftigen Schelle gekommen war, entschied Amtsrichter Martin Kober, das Verfahren gegen eine deutliche Geldauflage einzustellen. Über den zu zahlenden Geldbetrag dürfen sich drei Einrichtungen freuen: 2000 Euro erhält der Jugendhilfefonds Haßberge, 1500 Euro der Kreisjugendring und auch 1500 Euro bekommt der Jugendtreff Ebern. mw