Matthias einwag 1987 trat Claudia Jung der Jungen Union bei. "Ich wollte unbedingt in Ebensfeld etwas bewegen", sagt sie rückblickend und fügt hinzu: "Es war richtig schwierig, sich zur damaligen Zeit als Frau durchzusetzen." Die 47-jährige Krankenschwester, die von 2002 bis 2014 ein Kreistagsmandat der CSU innehatte und die 2005 für die CSU in den Ebensfelder Gemeinderat nachrückte, kandidiert nun nicht mehr für einen Sitz in diesem Gremium. Warum?

Claudia Jung sagt, dass sie nun die Prioritäten in ihrem Leben anders setzen möchte, dass sie wieder mehr Wert auf unabhängigeres Planen des Privatlebens legen möchte. Und sie spricht von der zunehmenden Verdichtung im Berufsleben. Es sei nicht leicht, die Gemeinderats-, Bauausschuss- und Fraktionssitzungen mit dem Drei-Schicht-Dienst einer Krankenschwester in der Psychotherapie des Bezirksklinikums Obermain zu vereinbaren.

Etliche Ämter bekleidet

In der Jungen Union und in der CSU hat Claudia Jung auf Gemeinde-, Kreis-, Bezirks- und Landesebene in den vergangenen 33 Jahren ihres politischen Lebens etliche Ämter inne gehabt. Sie eckte mit ihrer freimütigen Art auch manchmal an - zum Beispiel als sie vor vielen Jahren parteiintern forderte: "Die Fossilien müssen raus aus dem Kreistag!" Daraufhin seien die Telefone heißgelaufen, denn mancher altgediente Parteisoldat fühlte sich auf den Schlips getreten. So eine Forderung! Erst recht von einer jungen Frau geäußert! Das glich einer Palastrevolution. Frauen in der Politik, zumal in der Kommunalpolitik, das war vor wenigen Jahrzehnten nichts Selbstverständliches. Viele Männer seien ihr distanziert begegnet, hätten sie spüren lassen: "Was will denn die in der Politik?" Von einer Frauenquote habe damals keiner gesprochen, und der Slogan "die Politik muss jünger und weiblicher werden" war undenkbar.

Sacharbeit leisten

Dennoch möchte Claudia Jung nicht alle Männer über einen Kamm scheren: Josef Storath und Erwin Dirauf hätten sie auf Gemeindeebene unterstützt, genauso wie Christian Meißner auf Kreisebene. "Es war schwer, sich als Frau damals durchzusetzen, sich Gehör zu verschaffen", sagt sie. Wichtig war ihr deshalb, Themen zu setzen und sachlich gute Arbeit zu leisten - etwa als Jugendbeauftragte des Marktes Ebensfeld. Sie nennt das Brunnenfest, das sie damals mit ins Leben gerufen habe und das heute noch immer in dieser Form ausgerichtet werde. "Mein Ziel war immer, junge Menschen für die Politik zu begeistern", fährt sie fort, "und ich hatte bei der Jungen Union in Ebensfeld einmal den Höchststand von 50 Mitgliedern." Umweltschutz war eines ihrer Themenfelder - Baumpflanzungen und die Pflege der Allee am Ebensfelder Ortsausgang Richtung Oberbrunn gehörten dazu.

Gut vorbereitet in die Sitzung

Ans Herz legt sie allen jungen Menschen, die nun in die Gemeindeparlamente nachrücken, dass sie stets gut vor bereitet in die Sitzungen gehen sollten. Sich in die jeweilige Materie einzuarbeiten, sei das A und O in der Kommunalpolitik. Wer das nicht beachte, werde leicht vom politischen Gegner zerrupft.

Netzwerk neutraler Experten

Ein neutrales Netzwerk aus sachkundigen Personen aufzubauen (vom Tourismus bis zur Abfallwirtschaft) sei ratsam. Durch deren Auskünfte könne sich ein Gemeinderat eine eigene Meinung bilden. "Und man darf einer harten Diskussion nicht aus dem Weg gehen, wenn man zu einer Überzeugung gekommen ist und wenn es der Sache dient." Das offene Wort gehört für Claudia Jung aber auch zum guten Umgang miteinander: "Damit die anderen wissen, wie du tickst."

Für eine Frau in einem Stadt- oder Gemeinderat sei es unverzichtbar ihren Standpunkt von vornherein deutlich zu machen - in der eigenen Fraktion und im Gremium. Das sei erforderlich, "um nicht als Weiblein belächelt zu werden".

Das Einarbeiten in die jeweilige Materie (von der Asylpolitik bis zur Straßenausbausatzung) gehöre zum Handwerkszeug eines Lokalpolitikers. Wer sich für ein kommunales Wahlamt aufstellen lasse, sollte wissen, dass das zeitlich einen gewissen Aufwand erfordert. Gut eine Stunde koste es jeweils, sich in die Themen der Tagesordnung einer Sitzung einzulesen: "Man muss wissen, auf was man sich da einlässt", sagt sie, denn "das Amt ist zeitintensiv und nervenaufreibend."

Auf ihren neuen Lebensabschnitt freut sich Claudia Jung schon, vor allem auf mehr spontan planbare Abende. Der Politik sagt sie adieu: "Nach 33 Jahren bin ich dann mal weg."