02. Juli 2014, Porto Alegre:
Heute scheibe ich mal spät abends - um halb vier. Morgens, bei sehr kühlen Temperaturen und leichtem Regen ging ich auf Sightseeing-Tour. Porto Alegres Hauptattraktion, man mag es kaum glauben, war eine Kirche. Innen sehr klein und schlicht wirkend, erstrahlte sie von außen umso monströser...
Danach begab ich mich zum "Mercado", Porto Alegres Herz. Der Fleisch, Fisch und Gewürzemarkt erinnerte mich ein bisschen an Shanghai - nur war die luft hier wesentlich stärker von Smog erfüllt.
Auf dem Markt war ich auf der Suche nach einer ganz bestimmten Pflanze: Erva Mate, die man für die Produktion des Mate Tees braucht. "Club mate" ist in Deutschland ja gerade das absolut In-Getränk. Club mate kann ich ja schon absolut nicht abhaben, aber der Mate Tee ist noch viel heftiger.
Es war als würde ich eine Zigarette rauchen... Danach besuchte ich das Restaurant "Grambini", wieder mal eine Empfehlung meines Reiseführers. Hier gibt es jeden Tag drei Gerichte zur Auswahl, welche typisch für Südbrasilien sind. Ich wählte den Ochsenschwanz mit Reis und Polenta. Das Fleisch war ziemlich zart, bestand aber zu 80 Prozent aus Knochen.

Bei viel Wind und 13 Grad

Das erste Spiel schaute ich in meinem Apartment. Später machte ich mich aber auf zum Fanfest in Porto Alegre zum zweiten Spiel, da ich seit acht Tagen tatsächlich wieder mal die ersten Sonnenstrahlen zu Gesicht bekam. Dort waren allerdings höchstens 200 Fans auf einem Platz für 10 000 Leute. Außerdem war es arschkalt, weil der Wind hier richtig stark weht e und das bei gerade mal 13 Grad. Schneller als gedacht, machte ich mich wieder auf den Heimweg. Viel mehr als 500 Meter waren das ja nicht. Von meinem Zimmer aus konnte ich sogar die Leinwand vom Fan-Fest sehen. Da ich meinen bevorstehenden Geburtstag nicht im Apartment verbringen wollte, besuchte ich nach dem Spiel das beste Steak Restaurant der Stadt. Das Fleisch war wirklich klasse, aber mir fehlte etwas die Präsentation von meinem letzten Steak-Restaurantbesuch. Außerdem war hier wirklich alles sehr exklusiv - ich betrachtete es einfach schon mal als Geburtstagsessen.
Nach dem Essen ließ ich mich zur Bar "Thomas" chauffieren. Dort habe ich tatsächlich den besten Caipirinha aller Zeiten genossen. Davor kam er mir immer sehr ähnlich zum Deutschen vor. Aber hier hatte er irgendwie eine Art Schaum... Zudem durfte ich mich zu zwei netten Amerikanern gesellen, wobei einer von beiden eigentlich aus Zimbabwe stammt. Man hat es ihm aber nicht angesehen. Wir diskutierten über Apple und den Soccerboom in den USA, aber das Interessanteste war wohl deren Ticket-Strategie. Die beiden hatten seit der WM 1994 für jedes Turnier offiziell Final-Tickets bekommen - außer 1998. Als sie mir verrieten, wie sie es machten, wurde mir einiges klar. Ich werde es wohl lieber nicht weiter verraten...