Der Name Adolf Kleinholdermann ist in Forchheim fast in Vergessenheit geraten. Doch der schlagkräftige Mann sorgte in der Nachkriegszeit nicht nur in Franken, sondern auch deutschlandweit für Schlagzeilen. Er baute die Box-Staffel des VfB Forchheim mit auf, die damals ein Schwergewicht in der Bayerischen Boxszene war.
Der 1915 geborene Kleinholdermann, dessen Geburtstag sich am Samstag, 21. Januar, zum 97. Mal jährt, war 1946 als Flüchtling aus dem zerbombten Berlin nach Forchheim gekommen und bestritt von 1948 bis 1950 immerhin 15 Kämpfe (nach anderer Zählung 16) als Profiboxer. Später zog es den Mitbesitzer der Forchheimer Schokoladenfabrik zurück nach Berlin, die Box-Staffel löste sich bald auf.
1949 stand "Addy" Kleinholdermann nach neun Siegen, zwei Niederlagen und einem Unentschieden vor seiner größten Herausforderung in seinem 13. Profikampf: Der Deutsche Meister Hein ten Hoff ließ sich auf eine freiwillige Titelverteidigung im Kampf um die Schwergewichtskrone ein. Die beiden, die sich bereits ein Jahr zuvor in Berlin gegenübergestanden waren (Punktsieg für ten Hoff), schrieben deutsche Boxgeschichte: Denn der Titelkampf wurde am 5. November im Freien ausgetragen, bei null Grad auf dem Hamburger Kesslauplatz. "Das hat es bisher nicht gegeben", schwärmte damals die Zeitschrift "Sportblick", die sich im Untertitel "Sportliches Nachrichtenblatt für Forchheim, Erlangen und Umgebung" nannte. 12 000 Zuschauer verfolgten das Duell, in das Kleinholdermann mit großen Hoffnungen gegangen war.

Training in der VfB-Halle

Im Vorfeld hatte er beim Training in der damaligen VfB-Turnhalle in der Jahn-Straße erklärt: "Jetzt oder nie! In Hamburg ist es mein 13. Kampf, wobei ich mich von der Zahl 13 nicht einschüchtern lasse." Mit seinem Nürnberger Trainer Hammerl bereitete er sich unermüdlich auf den über zwölf Runden angesetzten Kampf vor. Vor den Ringseilen brachte der 1,82 Meter große Forchheimer 94,4 kg auf die Waage. Sein 30-jähriger Kontrahent war zwölf Zentimeter größer und wog 96,9 kg. Die Sympathien des Publikums galten dem Forchheimer. Ihm wurden gute Siegchancen eingeräumt, zumal der amtierende Meister ten Hoff in seinem Kämpfen zuvor nicht zu überzeugen wusste.
Bereits in der ersten Runde reklamierte Kleinholdermann einen Tiefschlag, was seinem Gegner eine Ermahnung einbrachte. Mit einigen rechten und linken Haken fanden die Fäuste des Forchheimers ihr Ziel. Doch in der vierten Runde kam das überraschende Ende: Der "lange Hein" ließ auf eine harte Rechte blitzschnell eine wirkungsvolle Linke folgen. Der "Sportblick" berichtete: "Der Herausforderer mußte die Rechte voll an der Halsschlagader nehmen und auch die Linke traf voll sein Gesicht. Völlig benommen wollte sich Kleinholdermann bei 'fünf' wieder erheben, mußte aber schließlich das 'Aus' des Berliner Ringrichters Gerhard Seewald über sich ergehen lassen."

Zurück nach Berlin

Nach zwei weiteren Niederlagen - die letzte nach 58 Sekunden gegen den US-Amerikaner Gene Jones - beendete Adolf Kleinholdermann seine Profikarriere. Der frühere Forchheimer baute dann in Berlin einen Fruchthandel auf, hatte Frau und einen Sohn. "Addy" wurde nicht einmal 45 Jahre alt: Er starb schon früh, Ende der 50er Jahre, wie sein in Duisburg lebender Neffe Hans Kleinholdermann zu berichten weiß: "Er war gezeichnet, konnte nicht mehr richtig laufen, das war wohl die Parkinsonsche Krankheit." Ob seine Vergangenheit als Berufsboxer dafür ursächlich war, ist nicht bekannt, wäre jedoch - siehe Muhammad Ali - nicht überraschend.