Das Kolpinghaus soll einmal zum Kulturzentrum werden - eine Bühne für politisches Theater ist es jetzt schon. Der Titel des Stückes voller Wendungen und Wirrungen lautet: "Nix genaues weiß man ned".
Im Vordergrund steht die Angst. Die Angst vor ausufernden Kosten für den Umbau und die Erweiterung des Kulturzentrums Kolpinghaus. So warnt Stadtrat Franz Noffke davor, dass das Kolpinghaus nicht zu einem ähnlichen finanziellen Desaster werden dürfe, wie das Königsbad.


Hümmer greift Kirschstein an

Manfred Hümmer (FW) feuert eine Breitseite gegen OB Uwe Kirschstein (SPD) mit der Frage, wie es denn mit dessen vielgepriesener Transparenz aussehe, wenn eine seit April vorliegende Wirtschaftlichkeitsanalyse lediglich "im kleinen Kreis" besprochen worden sei. "Warum wird uns diese Analyse vorenthalten?" Kirschstein erklärt, dass die dort genannten Daten nur auf Annahmen basierten und deshalb zunächst nur intern in der Verwaltung besprochen worden seien. Man müsse erst wissen was man wolle, dann könne man eine genaue Kostenrechnung aufstellen.

Manfred Hümmer läßt sich so leicht nicht abspeisen : Es komme einer Entmündigung des Stadtrats gleich, wenn vom Oberbürgermeister erklärt werde, dass eine Wirtschaftlichkeitsanalyse kein Diskussionsgegenstand in diesem Gremium sei. Eine Kluft innerhalb der SPD zeigt sich daran, dass Reinhold Otzelberger - bis zur OB-Wahl noch Fraktionsführer der SPD - Hümmer zustimmt. Und auch Heike Schade von den Grünen schließt sich der Kritik an.


Die Philippika des Albert Dorn

Reinhold Otzelberger vergisst nicht daran zu erinnern, dass bereits in einem Stadtratsbeschluss die Kapazität von bis zu 800 Plätzen im Kolpingshaus fixiert worden sei: "Dieser Beschluss gilt noch!"
In einer zweiseitigen Philippika kritisiert sein Fraktionskollege Albert Dorn die jetzt geplante Größe des Saales mit gerade mal etwas mehr als 500 Sitzplätzen. Dies werde zur Folge haben, das in Forchheim - über die anerkennenswerten Angeboten hiesiger Kulturschaffender hinaus - weitere Angebote von außen "nur im Rahmen des immer schon für Forchheim typischen ländlichen Genres kommen werden". Für ihn, so Dorn, sei eine Platzkapazität bis zu 800 Personen im großen Saal "eine rote Linie". Eine zweite rote Linie seien die Eigentumsverhältnisse. Angesichts der hohen Umbau- und Unterhaltungskosten sei für ihn eine Zustimmung zu diesem Projekt nur unter der Voraussetzung möglich, dass das Kolpinghaus in das Eigentum der Stadt übergehe. Eine Alternative sieht Dorn im Erwerb der Jahnhalle.

CSU-Fraktionsführer Udo Schönfelder verweist darauf, dass hinter dem Kolpingshaus eine hohe Förderkulisse stehe. Als die Debatte über Erbaurecht oder Kauf aufflammt und Günther Bundgaard (CSU) sich "von der Kolpingfamilie erpresst" sieht, verliert Mathilde Hartmann, ebenfalls CSU, die Fassung: "Jetzt fangen wir doch nicht an, die Sache wieder zu zerpflücken" - und ihr Fraktionskollege Hans Werner Eisen sieht sich von "Zauderern und Zögerern" umgeben. Schlussendlich wird beschlossen , dass ein Realisierungswettbewerb unter Einbeziehung des Stadtratsbeschlusses vom Februar 2015 erfolgen soll. Ferner werden Verhandlungen über die künftigen Eigentumsverhältnisse mit dem Kolpingverein aufgenommen. Zudem soll dem Stadtrat die Wirtschaftlichkeitsanalyse vorgestellt werden.