Wie könnte aus dem Kolpinghaus ein Kulturzentrum werden? Anregungen zum Thema versprach sich die 25-köpfige Reisegruppe, die sich am Dienstag (26. November) auf den Weg nach Fürth machte. Kulturschaffende, Stadträte und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung folgten einer Initiative von Udo Schönfelder. Der Fraktionsvorsitzende der CSU hatte den Besuch in der Comödie (im Berolzheimerianum ) organisiert.

Theaterdirektor Volker Heißmann erzählte die Erfolgsgeschichte des Hauses. Er und sein Kompagnon Martin Rassau haben den Betrieb ab 1997 mit hoher Risikobereitschaft in Gang gesetzt. Ein Zwei-Millionen-Kredit war nach 15 Jahren bezahlt. Das Duo Heißmann & Rassau ist in der eigenen GmbH angestellt, hat ein Dutzend Mitarbeiter und tritt 300 Mal im Jahr auf. Die Stadt Fürth unterhält das Haus (400 Sitzplätze), die GmbH saniert es.

Forchheim habe "das Potenzial" im Kolpinghaus Vergleichbares zu schaffen, meinte Heißmann. Aber es käme auf den Betreiber an: "Er ist die wichtigste Person." Heißmann warnte, eine Bühne für alle Interessen schaffen zu wollen. Es sei eine "Gefahr, allen gerecht werden zu wollen".

Exklusives Volkstheater in Forchheim, das werde nicht funktionieren, meinte Schönfelder. Aber die "Grundlast" des Forchheimer Kulturszene lasse sich in einem der Comödie vergleichbaren Betrieb "darstellen". Einen "Motor" wie Heißmann & Rassau habe Forchheim nicht, sagte Annette Prechtel (FGL); zudem solle im Kolpinghaus "Kultur aus Forchheim für Forchheim " eine Rolle spielen. Robert Hübschmann (Verein Kulturpuls) appellierte, mit der Inspiration aus Fürth kreativ umzugehen und die Bedürfnisse der Vereine im Auge zu behalten.

KOMMENTAR: Nach der Comödie - ein Trauerspiel

Über mangelnde Anregungen und Ermutigungen können sich die Forchheimer Kulturschaffenden und Politiker nach dem Besuch der Fürther Comödie wahrlich nicht beklagen. Theaterdirektor Volker Heißmann geizte weder mit inspirierenden Hinweisen, noch mit Komplimenten in Richtung der Forchheimer Kulturschaffenden. Mit dem Jungen Theater stehe ein Verein bereit, der das Zeug dazu habe, ein Kulturzentrum Kolpinghaus in Schwung zu bringen, meinte Heißmann.

Die oberfränkische Besuchergruppe ließ sich daher zwar die Zuversicht nicht nehmen; doch der Austausch mit Volker Heißmann verdeutlichte vor allem dies: Die Forchheimer Kulturszene und die Erfolgsgeschichte der Fürther Comödie spielen in verschiedenen Welten. Weder ist in Forchheim ein Erfolgsduo wie Heißmann & Rassau in Sicht, das den kommerziellen Erfolg ihres Hauses seit den 90er Jahren fast im Alleingang sichert; noch hat Forchheim eine Vielfalt an Räumen, wie sie in Fürth zu finden ist. Dort gibt es neben dem Be-rolzheimerianum (in dem die Comödie beheimatet ist) diverse Aulen, ein Stadttheater und eine Stadthalle; dort können folglich Alltagskultur, Konzertbetriebe, Kabarett und Volkstheater problemlos nebeneinander bestehen.

In Forchheim dagegen wird seit nun fünf Jahren über einen Kulturentwicklungsplan nachgedacht. Die Debatte ist zersplittert, fast schon vergessen. Das von OB Uwe Kirschstein (SPD) für April angekündigte Kulturreferat existiert bis heute nicht. Und die bauliche Ertüchtigung des Kolpinghauses lässt ebenfalls auf sich warten, so dass die Initiative Kulturpuls noch nicht einmal notdürftig mit einem Spielbetrieb experimentieren kann. Am Mittwoch (27. November) treffen sich Politik und Stadtverwaltung erneut, um über die Umsetzung des Kulturentwicklungsplanes zu beraten. Die Kulturschaffenden sind dazu nicht mal eingeladen - ein Trauerspiel.